Seltener Meeresbewohner Forscher entdecken neue Schwarzwal-Art

Klein, schwarz - und wahrscheinlich eine noch unbeschriebene Art: Im Pazifik lebt wohl eine Schwarzwal-Spezies, die Forschern bisher nicht bekannt war. Erst jetzt kommen sie den mysteriösen Tieren auf die Spur.

Illustration des seltenen Schwarzwals
AP/ U. Gorter/ Natural History Illustration/ NOAA

Illustration des seltenen Schwarzwals


Schwarzwale lassen sich nur selten an der Wasseroberfläche blicken. Vom Südlichen Schwarzwal (Berardius arnuxii) ist bekannt, dass er problemlos sieben Kilometer unter der antarktischen Eisdecke zurücklegen kann, ehe er wieder für einen Atemzug auftaucht. Sein Verwandter, der Baird-Wal (Berardius bairdii) jagt seine Beute meist in Tiefen zwischen 800 und 1200 Metern, berichtet die Weltnaturschutzorganisation IUCN. Die Tiere, die entspannt eineinhalb Stunden tauchen können, um Fische und Kalmare zu jagen, verbringen oft nur wenige Minuten an der Oberfläche, um Luft zu schnappen.

Die IUCN stuft beide Beradius-Arten nicht als gefährdet ein - was nicht daran liegt, dass diese Wale so zahlreich sind. Beide Spezies finden sich in der Kategorie "Data Deficient", man weiß also schlicht nicht genug, um sie einzuordnen.

Eine jetzt veröffentlichte Untersuchung verdeutlicht das: Vermutlich sind es gar nicht zwei verschiedene Arten. Sondern drei - eine weitere Art, die nun entdeckt wurde, wurde bisher offenbar fälschlicherweise dem Baird-Wal zugeordnet. Das berichtet ein Forscherteam im Fachblatt "Marine Mammal Science" aufgrund von DNA-Analysen mehrerer Wal-Exemplare.

Berichte von Fischern

Dabei haben japanische Fischer von jeher von zwei Formen des Baird-Wals berichtet, schreiben die Forscher um Phillip Morin von der US-Meeresforschungsbehörde-Behörde NOAA: Neben der üblichen großen, schiefergrauen Variante gibt es demnach auch kleinere, schwarze Exemplare, die viel seltener zu sehen sind.

2013 äußerten japanische Forscher bereits die Vermutung, dass diese kleineren Tiere eine eigenständige Art sind, nachdem sie drei der schwarzen Wale untersucht hatten, die an der Nordküste Hokkaidos gestrandet waren.

Morin und seine Kollegen haben diesen Verdacht nun erhärtet. "Wir haben eine der weltweit größten Sammlungen von Wal-Proben", sagt der Forscher von der NOAA. So konnten die Wissenschaftler auf 178 Schwarzwal-Proben zugreifen, die entlang der Nordpazifik-Küste gesammelt wurden. Fünf davon ließen sich der kleinen schwarzen Variante zuordnen, diese Proben stammten aus der Beringsee beziehungsweise von den Aleuten. Ein Erbgutvergleich untermauerte die These, dass es sich um zwei verschiedene Spezies handelt.

Der jüngste Fund, den die Forscher nun analysierten, stammte von St. George Island in der Beringsee, wo 2014 ein sieben Meter langes, erwachsenes Tier angespült wurde. Der Wal wies Bissspuren auf, die typische für Zigarrenhaie sind - eine kleinere Hai-Art, die größere Meeresbewohner beißt, und so Stücke von Haut und Fleisch herausreißt. Diese Haie leben allerdings nicht in der Beringsee, sondern in tropischen Gewässern. Die kleinen Baird-Wal-Verwandten scheinen also herumzukommen.

Baird-Wale können gut zwölf Meter lang werden, ihre kleineren Verwandten wohl nur bis zu acht, nehmen die Wissenschaftler inzwischen an. Insgesamt aber, sagt Morin, haben die Forscher bislang mehr Fragen als Antworten zu dieser neu entdeckten Art. Einige dieser Fragen werden seine japanischen Kollegen vielleicht bald beantworten können, die dabei sind, die Spezies nun so zu beschreiben, dass sie wissenschaftlich als neue Art anerkannt wird. Dann erhält sie auch einen Namen.

wbr/AP



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