Schwierige Partnerwahl 600 Schweinswale leben in der zentralen Ostsee

Schweinswale in Nord- und Ostsee sind sich genetisch sehr ähnlich. Dennoch kann die starke Nordseepopulation das schwache Ostseevolk nicht retten, verrät eine Zählung. Zur Paarungszeit finden die Tiere nicht zusammen.

Schweinswal: Scheue Meeressäuger
AP

Schweinswal: Scheue Meeressäuger


Einige ältere Fischer behaupten, es gäbe sie überhaupt nicht: Der Ostsee-Schweinswal lässt Forscher rätseln. Es gibt nur wenige Tiere und nur wenig Informationen über sie. Mit 300 Detektoren im Wasser sind die Forscher den Meeressäugern auf der Spur. Meeresbiologen schätzen den Bestand Gewöhnlicher Schweinswale (Phocoena phocoena) in der zentralen Ostsee auf rund 600 Tiere. Die Datenlage war lange dünn - bis die Wissenschaftler 2011 einen großen Lauschangriff starteten.

Mit dem Forschungsprojekt SAMBAH konnten sie belegen, dass der Schweinswal auch in der zentralen Ostsee östlich der Insel Rügen bis hoch nach Finnland und vor den Küsten Lettlands vorkommt. Dass die Tiere offenbar die gesamte zentrale Ostsee östlich des 13,5 Längengrades besiedeln, habe selbst die Forscher überrascht, sagt Anja Gallus, Biologin am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund.

304 Detektoren wurden für das Projekt im Gebiet der zentralen Ostsee ausgebracht - in einem Areal fast so groß wie Deutschland. An 140 Detektoren wurden in den vergangenen zwei Jahren die typischen Klickgeräusche der Schweinswale dokumentiert. Ob es sich dabei um Gruppen, Einzeltiere oder Mehrfachzählungen handelt, ist bislang offen - die Auswertung der Daten läuft noch. Ende 2014 wollen sich die Forscher auf einer Tagung in Schweden auf eine Schätzung der Bestandszahl festlegen.

Komplizierte Suche nach einem Partner

Von ihren rund 260.000 Artgenossen in der Nordsee und den etwa 11.000 im Kattegat unterscheiden sich die Schweinswale in der Ostsee kaum. "Zwischen der Beltsee und der Inneren Ostsee zeigen die genetischen Daten keine klare Abgrenzung", ergab der Vergleich von Proben von 500 Schweinswalen im Jahr 2011.

Für Umweltschützer ist diese Erkenntnis mit Sorgen verbunden: Den östlichen Bestand gemeinsam mit den viel größeren Populationen in Kattegat und Beltsee zu betrachten, könnte Argumente für eine höhere tolerierte Beifangrate an Schweinswalen liefern, fürchten sie. Zum Schutz des kleinen Schweinswalbestandes in der Ostsee fordern die Umweltschützer ein Verbot von Stellnetzen, in denen sich die Tiere verfangen können.

Tatsächlich bietet die genetische Ähnlichkeit für die Erhaltung des Bestands kaum Vorteile: "Die Ostsee-Schweinswale paaren sich nicht mit den Artgenossen aus der westlichen Ostsee", sagt Gallus. "Jedes Tier, das als ungewollter Beifang in den Netzen endet, geht für den Erhalt der Population verloren."

Während der Paarungszeit hielten sich die Schweinswale aus der westlichen und der zentralen Ostsee in unterschiedlichen Gebieten auf. Männchen und Weibchen der verschiedenen Bestände fänden deshalb nicht zusammen, auch wenn sie sich nach Einschätzung der Forscher wahrscheinlich paaren könnten.

Sonderbares Geräusch

jme/dpa



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insgesamt 3 Beiträge
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bär-lusconi 13.05.2014
1. ein wunderbares Tier
Hierzu eine sehr schöne kurze Reportage: http://youtu.be/jexzzFk0dgE
andre_22 14.05.2014
2. Mal eine Frage?
Wenn die beiden Populationen nicht zusammenkommen und die eine Population "nur" 600 Tiere hoch ist, wird das eh nichts mit dem erhalt der Population auf dauer! Die Frage muss also lauten: Warum ist die Population in der Ostsee so gering und Isoliert!? Welche Gründe gbt es für die vergleichsweise niedrige Populatiosdichte? Eine mögliche Antwort wäre zb. genetische Verarung durch zu enge Verwandschaftsverhältnisse!
fischfreund2 14.05.2014
3. Bitte korrekt
1.Zentrale Ostsee ist östlich von Rügen. 2. die Kattegatt-Westl. Ostsee-Population ist nach der aktuellsten Zählung auf 18.000 Individuen angewachsen. 3. Wie gut ist ein Lebensraum für Wale geeignet, der alle paar Jahre großflächig zufriert? 4. vor 8000 Jahren war die Ostsee ein abgeschlossener Süsswassersee. Genetisch differenzierte Populationen, die einen eigenständigen Schutzgrund liefern, sind in dieser kurzen Zeit nicht zu erwarten.
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