Grönland Inuit bekommen erstmals Walfangerlaubnis

Jetzt ist es offiziell: Grönland darf Wale jagen. Mehr als hundert Tiere erlaubt die Internationale Walfangkommission den einheimischen Inuit. Auch Japan und Island wollen weiterhin Jagd auf die Meeressäuger machen.

Erlegter Finnwal in Island: Ausbruch aus dem Fangverbot
DPA/ Greenpeace

Erlegter Finnwal in Island: Ausbruch aus dem Fangverbot


Portoroz - Die Inuit auf Grönland haben erstmalig die offizielle Erlaubnis erhalten, eine bestimmte Anzahl von Walen im Jahr zu erlegen. Eine klare Mehrheit der Delegierten der Vollversammlung der Internationalen Walfangkommission (IWC) räumte ihnen am Montag das Recht ein, 178 Zwergwale, 19 Finnwale, zehn Buckelwale und zwei Grönlandwale im Jahr zu töten.

Kritiker bezeichneten die Entscheidung, die zu Beginn des viertägigen Treffens von fast 90 Staaten im slowenischen Badeort Portoroz gefallen war, als Skandal. Tier- und Umweltschützer fänden es zwar "prinzipiell richtig, dass Grönlands Ureinwohner eine Quote bekommen", sagte Sandra Altherr von Pro Wildlife. Allerdings sei die Zahl der zum Erlegen freigegebenen Tiere zu hoch. Der tatsächliche Bedarf an Walfleisch sei in Grönland laut einer Studie um ein Drittel niedriger.

Japan und Island schießen quer

Auch um den Walfang von Japan gibt es Streit: Das Land hatte angekündigt den Fang zu wissenschaftlichen Zwecken wieder aufnehmen zu wollen. Zuvor hatte der Internationale Gerichtshof in Den Haag dem Staat im März 2014 die Waljagd in der Antarktis untersagt und die Wissenschaftlichkeit des Programms angezweifelt.

Neuseeland hatte eine Resolution vorgelegt und in dieser verlangt, dass das neue Fangprogramm Tokios zunächst von den IWC-Wissenschaftlern auf seine Stichhaltigkeit geprüft werden soll. Es ähnele dem, das Anfang 2014 für illegal erklärt worden war. Die neuseeländische Resolution sieht vor, dass der Gerichtsbeschluss auch in Zukunft umgesetzt werden soll. Tokio ist damit nicht einverstanden.

Auch mit Island gibt es Streit, weil dort immer mehr Wale gejagt werden: Die EU, die USA und sechs weitere Länder protestierten scharf gegen das Vorgehen. Eine entsprechende Erklärung wurde am Montag in Islands Hauptstadt Reykjavik übergeben. Darin wird kritisiert, dass das Land seit 2009 jährlich weit über 120 Finnwale erlegt habe, obwohl es in den zwei Jahrzehnten zuvor nur sieben pro Jahr waren. Damit unterlaufe Island das vor fast drei Jahrzehnten beschlossene weltweite Moratorium für kommerziellen Walfang und gefährde die ohnehin stark bedrohten Tiere.

Die IWC hatte 1986 den kommerziellen Walfang verboten. Japan setzte mit Hilfe des juristischen Schlupflochs der wissenschaftlichen Erforschung die Jagd fort. Island und Norwegen betreiben ungeachtet des Moratoriums kommerziellen Walfang.

jme/dpa

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fahrgast07 15.09.2014
1. Nüchtern betrachtet:
300.000 Zwergwale gibt es; 30.000 Finnwale. Weder Island noch Japan gefährdet diese Bestände. Ja gibt es auch nur eine Fischart, die so bestandsschonend bejagt wird wie der Zwergwal? Es wäre an der Zeit, das Thema zu ent-ideologisieren: Man ersetze das Moratorium durch gesunde Fangquoten, an die sich die Walfangnationen dann auch wirklich halten. Beide Seiten müssten über ihren Schatten springen.
10kwh 15.09.2014
2.
@Fahrgast Und wieviele Menschen stehen diesen Beständen gegenüber? Es ist wichtig diese großartigen Tiere zu schützen! Das erreicht man nicht durch Töten. Schlimm genug, dass Rinder und Schweine zum Schlachten gezüchtet werden, aber muss man sich neben den vielen anderen Fischarten auch noch an wild lebenden Walen vergehen? Was gibt uns das Recht dazu, dies in diesem Ausmaß zu tun? Der Hunger? Wohl kaum!
Dr.Fuzzi 15.09.2014
3. Och Joh!
Wenigstens gegenüber Island gibt es ein einfaches und vermutlich wirksames Druckmittel, den Walfang einzustellen: Auf Eis legen des EU Beitrittsgesuches.
Miere 16.09.2014
4. Erstmals?
Ist das wirklich erstmals so, dass die Grönländer ausdrücklich Wale jagen dürfen? Es gibt eine ziemlich neue BBC-Doku mit traditioneller Jagd auf Narwale vor Grönland, "Planet der Menschen" oder so. Wie dem auch sei, ich habe ein gewisses Verständnis dafür, wenn Leute, die immer schon Wale gejagt haben, das weiterhin tun, solange sie das Fleisch wirklich essen wollen und die Bestände nicht gefährden. Im Idealfall würden die Tiere auch noch einigermaßen schnell und schmerzlos getötet werden. Andererseits muss man nicht jedes angestammte Recht, das man sich vorbehält, jederzeit in vollen Zügen ausleben. Davon unabhängig: Die größte Bedrohung für Wale derzeit sind doch wohl treibende Fischernetze; da müsste man mehr gegen machen.
kernbohrer 16.09.2014
5. Ich bezweifle ebenfalls...
... dass es erst jetzt eine offizielle Fangerlaubnis gibt. Nach meiner Kenntnis haben die Inuits immer schon eine Fangquote gehabt, sofern mit traditionellen Methoden gejagt wird. Und das ist acuh richtig so, denn es ist Bestandteil ihrer Kultur und Tradition und das Walfleisch wird dort auch gegessen einschl. dem Speck und der Haut, die ein besonderer Leckerbissen sein soll (was ich stark bezweifle, aber ich muss das ja aauch nicht haben).
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