Jagd auf Minkwale: Südkorea zieht Walfangprogramm zurück

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Die Ankündigung Südkoreas wieder Wale fangen zu wollen, schockierte Tierschützer wie Politiker weltweit. Nach heftigen Protesten soll der südkoreanische Außenminister Sung-Hwan Kim den Stopp des Programms verkündet haben.

Demonstrationen in Seoul: Walfanggegner verurteilten die Pläne Südkoreas Zur Großansicht
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Demonstrationen in Seoul: Walfanggegner verurteilten die Pläne Südkoreas

Seoul/Südkorea - Noch vor einer Woche sorgte Südkorea bei einem Treffen der Internationalen Walfangkommission (IWC) für Aufregung, als es ankündigte wieder Wale jagen zu wollen. Jetzt zieht Außenminister Sung-Hwan Kim die Pläne zurück, berichten die australischen Zeitungen "The Sydney Morning Herald" und "Herald Sun".

Gegen den Vorstoß der Südkoreaner protestierten weltweit Tierschutzorganisationen. Auch Politiker stellten sich gegen die Walfangpläne, allen voran die australische Premierministerin Julia Gillard und Außenminister Bob Carr. Er ist es auch, der gestern erklärte, Sung-Hwan Kim habe ihm versichert, Seoul werde doch kein Walfangprogramm starten.

Die australische Regierung, die sich besonders für den Walschutz engagiert, zeigte sich zufrieden: "Das ist eine große Erleichterung", sagte Tony Burke vom australischen Umweltministerium am Freitag dem Radiosender Seven Network. "Es ist nichts Wissenschaftliches dabei, Wale mit Harpunen zu erstechen, in Stücke zu schneiden und zu essen. Ich bin froh, dass Südkorea entschieden hat diesen Weg nicht einzuschlagen."

Auch die Umweltorganisation Pro Wildlife begrüßt die Entscheidung: "Dass die Begründung, aus wissenschaftlichen Gründen Tiere fangen zu wollen, vorgeschoben war, lag ohnehin auf der Hand", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme. "Nun gilt es, in Südkorea das andere Schlupfloch der Walfänger zu schließen." Denn nach Angaben der Tierschützer sterben dort bereits bis zu 100 Wale jährlich als Beifang in Fischernetzen. "Solange die koreanische Regierung den Verkauf des Fleisches erlaubt, werden auch weiterhin Tiere sterben: ob offiziell oder als Beifang getarnt."

Gemauschelt wurde bereits am Mittwoch

Bereits Mitte der Woche drangen Stimmen aus Koreas Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft an die Öffentlichkeit, nach denen der Staat seine Walfangpläne überdenke. Zu diesem Zeitpunkt äußerten sich die Vertreter aber noch zurückhaltend: "Wir werden möglicherweise keine Wale zu wissenschaftlichen Zwecken fangen, wenn es einen anderen Weg gibt, unsere Fragen zu klären", sagte Joon-Suk Kang. Er leitete die südkoreanische Delegation auf dem Treffen der IWC vergangene Woche. Südkorea werde internationale Experten befragen und der IWC einen ausführlichen Plan vorlegen. Ob diese Pläne nun ganz vom Tisch sind, ist derzeit nicht bekannt.

Offenbar teilte die Regierung am Mittwoch zumindest offiziell mit, dass Südkorea das Fleisch von Walen, die zu wissenschaftlichen Zwecken gefangen werden, nicht zum Verzehr freigeben werde - sollten die ursprünglichen Pläne doch in die Tat umgesetzt werden.

Wale fressen zu viele Fische

Südkorea hatte den Vorstoß in Sachen Walfang damit gerechtfertigt, dass die Meeressäuger Fischbestände gefährdeten. Um das zu prüfen, müsse man einige der Tiere fangen und untersuchen. Die Umweltorganisation WWF hatte daraufhin mitgeteilt, es gebe keine Hinweise, dass die Tiere eine negative Auswirkung auf die Fischbestände hätten.

Seit 1986 ist der Walfang zu kommerziellen Zwecken international verboten. Doch einige Staaten widersetzen sich dem Moratorium. Japan tötet die Tiere heute offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken, verdient aber am Verkauf des Fleisches. Auch Norwegen und Island sind nicht mit dem Moratorium einverstanden. Aus ihrer Sicht sind die Walbestände stabil.

Australien will gegen die Walfangbefürworter nun härter durchgreifen: Als Nächstes stellt die Regierung Japan vor den Internationalen Gerichtshof, mit dem Argument das Land missbrauche seine Rechte, berichtet "The Sydney Morning Herald". Verhandelt wird der Fall voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres.

jme

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insgesamt 2 Beiträge
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1. gegen den Walfang !!!
astra1971 17.07.2012
Lasst die Wale endlich in Ruhe.
2. Sollte....
mm01 17.07.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Ankündigung Südkoreas wieder Wale fangen zu wollen, schockierte Tierschützer wie Politiker weltweit. Nach heftigen Protesten soll der südkoreanische Außenminister Sung-Hwan Kim den Stopp des Programms verkündet haben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,844222,00.html
wohl "*Jagd*" heissen ? "Jagt auf Minkwale: Südkorea zieht ..."
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