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Walfleisch-Skandal: Japan klagt Greenpeace-Aktivisten an

Diebstahl und Einbruch, so lautet die Anklage gegen zwei Greenpeace-Aktivisten in Japan. Die beiden hatten geholfen, Walfleisch-Schmuggel aufzudecken. Die Drahtzieher des illegalen Treibens müssen indes keine Angst vor dem Staatsanwalt haben.

Es war eine Aktion wie aus einem Fernsehkrimi, jedenfalls nach Darstellung der japanischen Behörden. Sie werfen den Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki vor, am 16. April illegal in das Büro einer Transportfirma in der nordjapanischen Stadt Aomori eingedrungen zu sein, um einen Karton zu stehlen. Der Inhalt des Pakets ("Persönliches Gepäck"), das direkt vom Walfangschiff "Nisshin Maru" stammte: 23,5 Kilogramm gesalzenes Walfleisch.

Greenpeace hatte den Fund dokumentiert und zusammen mit zusätzlichem Beweismaterial einen großangelegten Walfleisch-Schmuggel angeprangert: Mitarbeiter der japanischen Walfangflotte sollen Hunderte Kilogramm Walfleisch unterschlagen und illegal verkauft haben. Die Behörden, so die Umweltschützer, wussten von den Deals der Walfänger, die - wie die Regierung in Tokio immer wieder betont - angeblich nur zu wissenschaftlichen Zwecken Wale erlegen. Wie sie genau an den Karton mit dem Beweismaterial gekommen waren, wollten die Umweltschützer nicht verraten.

Nun wurde die Justiz aktiv - allerdings nicht gegen die Walfänger: Am heutigen Freitag wurden Sato und Suzuki wegen Diebstahls und Einbruchs angeklagt. Nach Angaben von Greenpeace drohen ihnen bis zu drei Jahre Gefängnis. Die zwei Männer waren bereits am 20. Juni nach einer Razzia in der japanischen Greenpeace-Zentrale festgenommen worden.

"Der Arrest und nun die Anklage der beiden Aktivisten sind politisch motiviert", beklagte der deutsche Greenpeace-Chef Gerd Leipold. "Die japanische Regierung versucht, den legitimen und friedlichen Protest gegen den Walfang zum Schweigen zu bringen und den sogenannten wissenschaftlichen Walfang zu schützen."

Die Walfänger, die sich laut Greenpeace am Verkauf des gestohlenen Walfleischs persönlich bereichert haben, müssen offenbar keine juristischen Folgen befürchten: "Die Ermittlungen wurden eingestellt, mangels Beweisen und öffentlichen Interesses, wie es offiziell hieß", sagte Greenpeace-Sprecher Patric Salize auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Walfang ist in Japan nach wie vor gestattet, offiziell zu wissenschaftlichen Zwecken. Mit diesem Argument bedient sich die japanische Regierung eines Schlupflochs im Walfang-Moratorium von 1986. Zugleich macht Tokio keinen Hehl daraus, dass das Walfleisch letztlich in die Supermarktregale des ostasiatischen Landes kommt, wo es als Delikatesse gilt.

chs

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