Waljagd Japan verdoppelt Fangquote

Die japanische Walfangflotte ist wieder einmal auf der Jagd. Die Anzahl der zu "Forschungszwecken" zu erlegenden Wale wurde erneut erhöht, und erstmals stehen auch die seltenen Finnwale auf der Abschussliste. Neuseelands Umweltminister kritisierte Japan mit deutlichen Worten.


850 Zwergwale will Japans Fangflotte in der eben begonnenen Saison zur Strecke bringen - fast doppelt so viele wie in der vergangenen Saison. Erstmals sollen auch zehn der deutlich selteneren Finnwale erlegt werden. Zu "wissenschaftlichen Zwecken", wie jedes Jahr. Denn die in der Internationalen Walfankommission organisierte Weltgemeinschaft hat eigentlich schon 1986 ein Moratorium verfügt, das den Wahlfang unterbinden soll, um die Meeressäuger vor dem Aussterben zu bewahren. Der "wissenschaftliche" Walfang ist ein Hintertürchen.

Japanische Walfänger: "Wie Jagd auf Tiger oder Gorillas"
AP

Japanische Walfänger: "Wie Jagd auf Tiger oder Gorillas"

Nahrungssuche und Migrationsmuster der Wale untersuchen die japanischen Wissenschaftler, unter tatkräftigem Einsatz von Harpunen. Das Fleisch der dabei erlegten Tiere wird anschließend an Restaurants und Großhändler verkauft. "Kommerziellen Wahlfang in Verkleidung" nennt etwa Greenpeace dieses Vorgehen. 26,5 Millionen US-Dollar soll der Verkauf des Zwergwalfleisches im Frühjahr eingebracht haben, nach offiziellen Angaben. Ebenfalls nach offiziellen Angaben werden die Erlöse in weitere Forschung investiert.

Ein Sprecher des japanischen Fischereiministeriums sagte, man habe nun in Studien festgestellt, dass die Zahl der Finnwale zugenommen habe. Deshalb seien sie für diese Saison mit in die Liste der Fangziele aufgenommen worden. Mit dem Wunsch, kommerziellen Walfang wieder aufnehmen zu dürfen, war Japan im Sommer an der Walfangkommission gescheitert.

Der neuseeländische Umweltminister kritisierte die japanische Regierung heftig für die Fortführung der Waljagd. "Der Großteil der internationalen Gemeinschaft akzeptiert, dass es nicht notwendig ist, Wale zu töten, um Walpopulationen zu studieren. Dennoch tut Japan das weiterhin", sagte Chris Carter. "Wissenschaftlicher Walfang ist nur legal, weil die Regelungen in der internationalen Walfangkonvention modernen Naturschutzansätzen hinterherhinken", fuhr er fort und fügte hinzu, Neuseeland bemühe sich, diesen Missstand zu beheben. "Waljagd ist vergleichbar mit der Jagd auf Tiger oder Gorillas", so Carter.

Die japanische Fangflotte verließ gestern den Hafen Shimonoseki im Westen des Landes und wird Mitte April zurückkehren. Auch Norwegen jagt trotz des Moratoriums Wale - allerdings nicht unter dem Deckmantel der Forschung, sondern hochoffiziell zu kommerziellen Zwecken. Norwegen ignoriert die Wünsche der Walfangkommission. Die Regierung in Oslo legt jedes Jahr eine Fangquote fest, die die norwegischen Walfänger allerdings häufig unterschreiten.



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