Meeresbiologie: Die verborgenen Wege junger Suppenschildkröten

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Suppenschildkröte: Rätsel der "verlorenen Jahre"

Sie schlüpfen, verschwinden im Meer - und werden erst als Erwachsene wieder gesichtet: Die Wanderrouten junger Suppenschildkröten sind unbekannt. Nun konnten Biologen die Wege der Tiere nachzeichnen.

Hamburg - Forscher haben die rätselhaften Wanderrouten junger Suppenschildkröten kartiert. Demnach lassen sich die Winzlinge von Meeresströmungen teilweise über Tausende Kilometer zu ihren Futtergebieten tragen, berichten die Biologen Nathan Putman von der Oregon State University und Eugenia Naro-Maciel von der University of New York im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society. Die Kenntnis dieser Strecken soll helfen, die Tiere besser zu schützen.

Der Start ins Leben ist für Suppenschildkröten (Chelonia mydas) gefährlich: Vor allem auf dem kurzen Weg vom Nest ins Wasser lauern Räuber wie Vögel oder Krabben. Die erste Zeit im Meer nennen Forscher auch die "verlorenen Jahre", denn über die Routen der kleinen Tiere ist nur wenig bekannt. "Die jungen Schildkröten verschwinden auf dem offenen Meer und bleiben lange Zeit unbeobachtet", schreiben die US-Biologen. "Deutlich gewachsen tauchen sie erst drei bis vier Jahre später in der Nähe der Futterplätze wieder auf."

Um die Wanderungen der unter Artenschutz stehenden Tiere zu klären, glichen die Biologen genetische Daten, Informationen zu Geburts- und Futterplätzen sowie Meeresströmungen miteinander ab. Zu den wichtigsten Brutgebieten zählen der Südatlantik, Australien, Indien und Teile des Mittelmeerküste. Um von dort aus ihre Futterplätze zu erreichen, nutzen die Schildkröten Strömungen wie den Golfstrom.

Mit dem Golfstrom gen Nordwesten

Genetische Analysen belegen zudem einen Zusammenhang zwischen den Geburtsstränden, wohin die Weibchen noch zum Eierlegen zurückkehren, und den Futtergründen. So besuchen etwa Schildkröten, die auf Ascension Island zwischen Afrika und Südamerika geboren wurden, bevorzugt Futterplätze vor Süd-, Mittel- und Nordamerika.

Die meisten Suppenschildkröten werden im Mittelatlantik, in der Karibik und im Süden Afrikas geboren. Sie driften mit der Strömung. Die höchste Dichte junger Schildkröten sollte sich den Simulationen zufolge in der Karibik und im Nordwestatlantik finden. Die meisten treiben den Rechnungen zufolge später mit dem Golfstrom in den Westatlantik und mit anderen Strömungen in den Südatlantik.

Langfristig soll das Modell zum Schutz der Art beitragen, denn die meisten Ziele der Schildkröten liegen außerhalb bisheriger Schutzgebiete. Auf dem Weg dorthin drohen viele Gefahren, etwa durch Fischernetze, Schiffsverkehr oder Plastikmüll im Meer. "Beim Schutz der Tiere sind die fehlenden Informationen über die Aufenthaltsorte in den verschiedenen Lebensphasen ein großes Problem.

"Wir müssen die Schildkröten auch in der wichtigen Anfangsphase ihres Lebens schützen", betonen die Biologen. Grundsätzlich lasse sich die Methode auch auf Wanderungen anderer Meerestiere übertragen.

boj/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Artenschutz
thawn 14.08.2013
Ich bezweifle, dass ein wirksamer Schutz der Art möglich sein wird, da sich die Schildkröten lange Zeit in internationalen Gewässern aufhalten. Dass dort der Artenschutz nur sehr schwer durchzusetzen ist kann man an den Walen sehen, die trotz internationaler Abkommen weiter gejagt werden. Was wir da benötigen, ist eine internationale Instanz, die Schutzgebiete einrichten kann und wirksame Sanktionen gegen Staaten verhängen kann, die sich nicht an diese Schutzgebiete halten. Aber so etwas ist vermutlich utopisch.
2. Suppenschildkröten?
patras 14.08.2013
Also, dass man eine vom Aussterben bedrohte Art immer noch "Suppenschildkröte" nennt, ist wohl mehr als geschmacklos. Sollten wir uns nicht endlich mal als Gattung Mensch daran gewöhnen, dass die Tiere in der Natur nicht nur für unseren Teller bestimmt sind? Einfach unglaublich und: Ich melde "Suppenschildkröte" als Unwort des Jahres an.
3. Steakrind und Schnitzelschwein
Ze4 14.08.2013
"Suppenschildkröte" ist soo gemein, ich würde mich umbenennen.
4. Geschmacklos?
RadioLA 14.08.2013
Zitat von patrasAlso, dass man eine vom Aussterben bedrohte Art immer noch "Suppenschildkröte" nennt, ist wohl mehr als geschmacklos. Sollten wir uns nicht endlich mal als Gattung Mensch daran gewöhnen, dass die Tiere in der Natur nicht nur für unseren Teller bestimmt sind? Einfach unglaublich und: Ich melde "Suppenschildkröte" als Unwort des Jahres an.
Suppenschildkröten sind überhaupt nicht geschmacklos - der deutsche Name hat seinen guten Grund. (Witz aus!) Im Ernst - Ich bevorzuge die Übersetzung des englischen Namens: "Grüne Meeresschildkröte" (green sea turtle). Wenn Sie aber so weit gehen wollen, Ihre Zeit und Energie für den Kampf gegen einen Namen zu verschwenden, engagieren Sie sich statt dessen lieber bei der IUCN, und sei es mittels Spenden. IUCN - Home (http://www.iucn.org/)
5.
juttakristina 14.08.2013
Ich bin auch für die Verbannung des Begriffs Suppenschildkröte. Es gibt doch schon eine Alternative - Grüne Meeresschildkröte. Der Bericht erinnert doch sehr an den Film über das Leben der Unechten Karettschildkröte. Tatsächliche Schutzmaßnahmen stehen und fallen leider wieder mit der Bereitschaft auf internationaler Ebene, leider.
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