Überraschende Entdeckung Der Jesus-Gecko

Die Kletterfähigkeiten von Geckos sind legendär. Nun entdeckten Forscher: Die Tiere können auch über das Wasser gehen, obwohl sie dafür eigentlich zu schwer sind. Wie geht das?

PDA/ Pauline Jennings/ Courtesy of PolyPEDAL Lab UC Berkeley

Als Adrian Jusufi im Regenwald von Singapur filmte, wie ein Gecko in atemberaubender Geschwindigkeit über das Wasser lief, war die Freude groß. Denn nun hatte der Forscher vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart auch einen Beleg aus freier Wildbahn für das Verhalten der Tiere, das er zuvor im Labor beobachtet hatte.

Denn dass Geckos auf dem Wasser laufen können, war bisher nicht bekannt, sagt der Forscher. Doch Jusufi interessiert sich nicht nur für die Fähigkeiten der Tiere, sondern auch dafür, wie man solche Erkenntnisse bei der Entwicklung von Robotern anwenden könnte. Dafür muss er die Gecko-Technik genau analysieren.

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Bionik: Kleben wie ein Gecko

Die Laborversuche mit Saumschwanz Hausgeckos (Hemidactylus platyurus) ergaben, wie die Tiere so schnell über das Wasser laufen können: Sie schlagen dazu unter anderem mit ihren Füßen auf die Wasseroberfläche und treiben ihre Körper durch seitliche Wellenbewegungen voran, heißt es in der nun veröffentlichten Studie im Fachmagazin "Current Biology".

Die Forscher betonen, dass die Fähigkeit bei Tieren in der Größe eines Geckos nicht ohne weiteres erklärbar ist. Kleinere, wie Spinnen oder Insekten, können dank der Oberflächenspannung des Wassers auf dem Wasser laufen. Etwas größere Tiere können das vor allem dank ihrer kräftigen Beinschläge - etwa Basilisken, die zu den Leguanen gehören. Diese Tiere werden auch Jesus-Christus-Echsen genannt.

Geckos jedoch sind eigentlich zu schwer, um allein die Oberflächenspannung zu nutzen. Und nicht kräftig genug, um sich mit ihren Beinen allein über dem Wasser zu halten.

Die internationale Forschergruppe mit Jusufi und der Erstautorin Jasmine Nirody von der University of California fand nun heraus, dass die Geckos beim Wasserlaufen eine Kombination verschiedener Methoden einsetzen. Die Wissenschaftler ließen für ihre Untersuchung acht Tiere Dutzende Male über eine Wasserfläche huschen. Die Videoaufnahmen zeigten, dass die Tiere auf dem Wasser eine ähnlich hohe Geschwindigkeit wie an Land erreichen. Ihr Körper ist dabei nicht vollständig über dem Wasser: Der Hinterleib berührt die Wasseroberfläche, der Schwanz ist gänzlich untergetaucht.

Die genauere Betrachtung ergab, dass die Tiere ähnlich wie die Basilisken ihre Füße auf die Wasseroberfläche schlagen. "Wenn sie das Wasser treffen, erzeugen sie eine Luftblase, die eine zusätzliche Kraft erzeugt und ihrem Körper hilft, über Wasser zu bleiben", erläutert Nirody. Allerdings reicht die dadurch erzeugte Kraft allein nicht aus, um ein Laufen auf dem Wasser zu ermöglichen, fanden die Forscher.

Um herauszufinden, ob die Oberflächenspannung des Wassers eine weitere, tragende Rolle spielt, versetzten sie das Wasser mit Seifenlauge. Dadurch sinkt die Oberflächenspannung. In der Folge sanken auch die Tiere - zwar nicht vollständig, aber doch deutlich tiefer ins Wasser hinab. Außerdem wurden sie erheblich langsamer.

Zuletzt hilft den Geckos vermutlich ihre extrem wasserabweisende Haut, über dem Wasser zu bleiben, berichten die Forscher weiter. "Außer der Oberflächenspannung und dem Wasserschlagen haben sie also ihren eigenen Spezialtrick", sagt Nirody. Zusätzlichen Antrieb erzeugen die Tiere, indem sie mit Körper und Schwanz seitliche, wellenförmige Bewegungen erzeugen.

Klettern dank elektrostatischer Aufladungen

Die Wissenschaftler glauben, dass ihre Ergebnisse tatsächlich für die Roboterentwicklung nützlich sein werden und sich die Technik auf Maschinen übertragen ließe. Ein sich wellenförmig bewegender Schwanz könne deren Stabilität und Geschwindigkeit verbessern, wasserabweisende Materialien Zugkräfte minimieren.

Schon lange untersuchen Forscher die Kletterfähigkeiten von Geckos und warum die Tiere an Wänden und Decken entlangklettern können. Studien kamen zu dem Ergebnis, dass elektrostatische Aufladungen, wie man sie auch kennt, wenn man einen Luftballon über seine Haare rubbelt, sie an der Decke halten könnte. Zudem verfügen die Tiere über eine Vielzahl winziger Hafthärchen an Beinen und Füßen.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund einer fehlerhaften Pressemitteilung hieß es in der ursprünglichen Version dieses Textes, dass die Entdeckung in Asien im Urlaub des Forschers gemacht worden sei. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen, deshalb wurde der Text angepasst.

joe/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
Timbo B. 09.12.2018
1. Der Gecko schwimmt doch
Tut mir leid, aber ich kann in dem Video beim besten Willen kein Tier sehen, das auf dem Wasser läuft. Körper und Schwanz sind ganz unter Wasser, nur der Kopf ist über der Oberfläche, ebenso die Beine während der Vorwärtsbewegung. Es ist also mit der Armbewegung eines menschlichen Kraulschwimmers vergleichbar.
deltametro2 09.12.2018
2. Jesus lief auf dem Wasser (Wer's glaubt wird selig)
Diese Geckos laufen nicht, sie schwimmen.
Rick73 09.12.2018
3. So so alles neu
Jeder Herpetologe weiß davon und selbst Brehm bereits. Davon abgesehen könnenden andere Echsen es besser wie der Stirnlappenbasilisk der tatsächlich über Wasser flitzt.
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