Bewegungs-Analyse Warum Pferde beim Gehen mit dem Kopf nicken

Wenn sich Pferde im Schritttempo bewegen, nicken sie stets mit dem Kopf. Aber warum? Forscher haben auf der Suche nach Antworten acht Tiere vor die Kamera geholt.

Pferd auf einer Wiese in Niedersachsen
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Pferd auf einer Wiese in Niedersachsen


Im Vergleich zum Trab oder Galopp ist Schritt bei Pferden die unspektakulärste Gangart. Doch dabei fällt auf, dass die Tiere stets den Kopf stark bewegen. Warum sie das machen, wollten Forscher von der Berliner Humboldt-Universität um John Nyakatura herausfinden.

Ihr Ergebnis, das sie nun im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society veröffentlichten: Pferde sparen beim Gehen durch die Art ihres Kopfnickens Energie.

Sind Pferde im Schritttempo unterwegs, machen Hals und Schädel gemeinsam eine typische Auf-Ab-Bewegung - warum machen sie das? "Und warum machen sie es genau so, wie sie es machen?", so Nyakatura. Er und seine Kollegen nahmen den Gang von Pferden und das Verhalten ihres Körpers genauer unter die Lupe.

Die Analyse ergab: Der Kopf erreiche genau dann den höchsten Punkt, wenn das Pferd beide Vorderhufe auf dem Boden hat, so Nyakatura. Am niedrigsten Punkt ist der Kopf hingegen, wenn das Pferd mit den vorderen Gliedmaßen gerade einen Schritt macht. Diese Abfolge sei aus bestimmten biomechanischen Gründen besonders energiesparend.

John Nyakatura/ HU-Berlin

Bis zu 63 Prozent mehr Energie

Die Forscher hatten insgesamt acht Pferde vor die Kamera geholt. Die Tiere wurden im Schritttempo an einer Leine durch einen genau vermessenen Bereich geführt. Anhand der Filmaufnahmen konnten die Wissenschaftler den Gang der Tiere analysieren. Zudem rechneten sie alternative Bewegungsabläufe am Computer durch.

Dabei fanden sie heraus: Würden die Tiere in einer anderen zeitlichen Abfolge mit dem Kopf nicken, bräuchten sie bis zu 63 Prozent mehr Energie, um Kopf und Hals zu tragen. "Kopf und Hals machen etwa zehn Prozent des gesamten Körpergewichts aus. Der hier gezeigte Effekt dürfte also auch den Energieverbrauch des Tiers insgesamt beeinflussen", schreiben die Forscher. "Es gibt ein Timing, das besonders günstig ist. Und das machen die Pferde auch", fasst Nyakatura die Ergebnisse zusammen.

Die Wissenschaftler nahmen neben Pferden auch 18 weitere Tierarten unter die Lupe. "Wir haben festgestellt, dass sich Huftiere mehr oder weniger an diese Regel halten."

Gutes Auge für menschliche Mimik

Von Valentin Frimmer, dpa/joe



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