Schutzschicht im All Was wurde eigentlich aus dem Ozonloch?

Jahrelang redete alle Welt über das Ozonloch. Zwar ist es noch nicht verschwunden, aber die Schutzschicht erholt sich. Das zeigt: Wenn die Menschheit wirklich will, kann sie globale Probleme lösen.

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DPA / NASA / Goddard Space Flight Center

Die Recherche-Serie
Über viele Nachrichten und Menschen wird eine Zeit lang sehr ausführlich berichtet - dann verschwinden sie wieder aus den Schlagzeilen. Wie entwickeln sich die Themen weiter, was wurde aus den Personen? Das erklären wir in dieser Serie.
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Elektroneneinfangdetektor - was für ein komisches Wort. Aber wenn man so will, fing die ganze vermaledeite Geschichte des Ozonlochs mit diesem Ding an. Oder besser gesagt: Durch ihn erfuhr die Menschheit von dem Problem. Auch wenn sie das zunächst gar nicht begriff.

Wie der Detektor genau funktioniert, muss man nicht wissen - nur so viel: Es ist ein Messgerät, ersonnen in den späten Fünfzigern vom Briten James Lovelock. Mithilfe des Apparats machte der Universalgelehrte Jagd auf chlorhaltige Umweltgifte. Anfang der Siebziger gelang Lovelock dabei eine folgenschwere Entdeckung: Sogenannte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), so fand er auf einer Schiffsexpedition im Südatlantik heraus, bleiben auch Jahrzehnte nach ihrer Herstellung in der Erdatmosphäre stabil. Im Fachmagazin "Nature" berichtete Lovelock davon.

Die Menschheit liebte die FCKW - in Kühlschränken, in Spraydosen, in Feuerlöschern. Was machte es da schon, so schien es, wenn die nützlichen Substanzen nicht auf natürlichem Weg verschwanden? Doch Lovelocks Beobachtung machte Frank Rowland von der University of California at Irvine und seinen Assistenten Mario Molina nachdenklich. Sie befürchteten, dass die FCKW hoch oben in der Stratosphäre, zwischen 10 und 50 Kilometer über der Erde, einen lebenswichtigen Schutzfilter zerlegen könnten: die Ozonschicht. Sie blockt die gefährliche UV-Strahlung der Sonne ab, ihr Verschwinden wäre katastrophal.

Man schrieb das Frühjahr 1974 - und Rowlands und Molinas Warnung nahm kaum jemand für voll. Wie auch? Das angebliche Problem, vor dem die beiden warnten, existierte schlicht und ergreifend nicht. Der Ozonverlust war jahrelang nicht nachzuweisen.

Zehn Jahre später sah das anders aus: Neue Messverfahren machten aus der theoretischen eine höchst konkrete Bedrohung. Im Frühjahr 1985 vermeldete ein "Nature"-Artikel "große Ozonverluste" über der Antarktis. Es drohte, so wurde der interessierten Weltöffentlichkeit nun schlagartig klar, ein globales Problem riesigen Ausmaßes.

"Vielleicht erfolgreichster internationaler Vertrag überhaupt"

Molina und Rowland hatten also recht behalten - doch was sollte nun passieren? In einem Verhandlungsmarathon einigten sich die Staaten der Uno überraschend schnell auf einen Vertrag zum Schutz der Ozonschicht. Doch dieses Wiener Übereinkommen zum Schutz der Ozonschicht aus dem Jahr 1985 war zunächst ein zahnloser Tiger. Das änderte sich schon gute zwei Jahre später mit dem sogenannten Montrealer Protokoll. Es wurde - auch weil es immer wieder verschärft wurde - zum "vielleicht erfolgreichsten internationalen Vertrag überhaupt", wie der frühere Uno-Chef Kofi Annan einmal sagte.

Schnell und effizient sorgte das Protokoll dafür, dass ganze Gruppen von ozongefährdenden Chemikalien binnen kurzer Zeit vom Markt verschwanden - allen voran die FCKW. Ein ums andere Mal einigten sich die Staaten auf schärfere Regeln. Möglich war das, weil für die Entscheidungen - anders als bei den aktuellen Klimaverhandlungen - keine Einstimmigkeit nötig war, sondern eine Zweidrittelmehrheit ausreichte.

So gelang es der Menschheit zumindest dieses eine Mal, schnell auf ein globales Problem zu reagieren und es zu lösen - ein beispielhafter Vorgang.

"Es ging nur um eine Klasse von chemischen Substanzen. Und die Entwicklung von Alternativen war attraktiv für die Industrie", erklärt der Politikwissenschaftler Sebastian Oberthür von der Freien Universität Brüssel. "Eine der Lehren von Montreal ist aber auch, dass man einen Vertrag so anlegen kann, dass er in mehreren Schritten zum Ziel führt."

"Der Patient ist über den Berg"

Um es klar zu sagen: Das Ozonloch ist durch das Protokoll nicht verschwunden - es redet nur niemand mehr davon. Über der Antarktis tut sich jedes Jahr weiterhin ein großes Loch im UV-Schutzschild der Erde auf, über der Arktis hängt die Sache vom Wetter ab. In besonders kalten Wintern kann auch hier ein Ozonloch klaffen.

"Der Patient ist über den Berg, aber es geht ihm noch nicht wirklich gut", beschreibt Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Potsdam die Lage. "Die Ozonschicht ist noch fast genau so dünn, wie sie es zu den schlechtesten Zeiten war."

Doch das klingt dramatischer, als es ist. In den kommenden Jahrzehnten wird sich das Ozon erholen - weil kaum mehr FCKW in die Luft gelangen.

Weniger günstig ist allerdings, dass eine Gruppe von Ersatzstoffen, die Fluor-Kohlenwasserstoffe (FKW), extrem klimaschädlich sind. Die Lösung eines Problems an einer Stelle verursachte also ein anderes - und dennoch ist das Lob für das Montreal-Protokoll gerechtfertigt. In manchen Regionen der Stratosphäre in den mittleren Breiten lässt sich schon nachweisen, dass es tatsächlich Wirkung zeigt: Der Schutzschirm wird wieder dicker. Bis mindestens zur Mitte des Jahrhunderts wird es allerdings noch dauern, bis er wieder richtig wirksam ist.

Dass das Ozonloch weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist, heißt nicht, dass die Warnungen der Achtziger und Neunziger Panikmache waren. Es bedeutet vor allem, dass die Menschheit durchaus in der Lage ist, globale Herausforderungen zu lösen. Gerade angesichts des jahrzehntelangen Gezerres um einen wirksamen Klimavertrag möchte man sagen: Gern mehr davon!

Experten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) helfen den Meteorologen der Uno übrigens regelmäßig dabei, die Erholung der Ozonschicht am Computer zu modellieren. Einer der beteiligten Forscher, Martin Dameris vom DLR-Institut für Physik der Atmosphäre in Oberpfaffenhofen, warnte nach dem letzten Bericht, die positive Entwicklung bleibe "nur dann gewährleistet, wenn die Vereinbarungen des Montrealer Protokolls weiterhin strikt befolgt werden".

So sieht es auch AWI-Forscher Markus Rex: "Das Protokoll muss nicht nur der erfolgreichste, sondern auch der langlebigste Vertrag aller Zeiten werden."

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Seite 1
jorei1 13.08.2015
1. die menschheit ist ganz offensichtlich NICHT fähig
das umwelt- und ressourcenproblem zu lösen! der welterschöpfungstag, also der tag im jahr, ab dem wir auf kosten nachkommender generationen ressourcen und naturgrundlagen unwiderbringlich aufbrauchen und zerstören, rückt jedes jahr weiter nach vorne. in diesem jahr ist der welterschöpfungstag mit heutigem datum erreicht! das heisst, ab morgen leben wir nicht von den zinsen sondern vom kapital, das nicht nachwächst und nicht ersetzbar ist. der point of no return ist längst überschritten. wir hinterlassen nachkommenden generationen eine uneinlösbare hypothek, weil wir wie die irren in einem gleichsam religiösem wahn uns wachstum und gier, besitzstandswahrung und gleichgültigkeit verschrieben haben. keine generation hat jemals mehr schaden angerichtet, als die jetzt lebende und handelnde.
Delago 13.08.2015
2. Vielleicht entstand das Ozonloch ...
... primär durch die starke Sonnenaktivität Ende des 20. Jhdt. ("Grand Solar Maximaum")? Seitdem schwächelt die Sonne massiv und das Ozonloch konnte sich wieder erholen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Korrelationen irrtümlicherweise zu Kausalitäten erklärt wurden. Vielleicht ist FCKW doch nicht das Monster, als das es beschrieben wurde. Ketzerischer Gedanke - ich weiß. Aber wer weiß... Und vielleicht noch zum Nachdenken: Die Hauptemissionen von FCKW waren auf der Nordhalbkugel. Warum entstand dann das Ozonloch um den Südpol herum? Wie kamen die FCKW-Mengen dorthin?
EvaBaum 13.08.2015
3. Bald sind sie wieder da
.... die "Experten" von eREON, welche uns glaubhaft machen wollen, dass es weder Ozonloch noch Waldsterben gegeben hat, dass es deshalb auch den Klimawandel nicht gibt. Wo ist er eigentlich geblieben der "Geist von 81" hat er etwa einen neuen Namen?
jupp78 13.08.2015
4.
Die Verbannung von FCKW und Co. war einfach nur deshalb so einfach, weil es Alternativen gab, die nicht wirklich irgendwem weh getan haben. Die Verbannung von CO2 hingegen ist eine vollkommen andere Hausnummer. Es gibt keine wirklichen ernsthaften Alternativen, die nicht massiv Verzicht bedeuten. Daher funktioniert das mit einer einfachen Übertragbarkeit auch nicht so einfach.
xvxxx 13.08.2015
5.
Zitat von EvaBaum.... die "Experten" von eREON, welche uns glaubhaft machen wollen, dass es weder Ozonloch noch Waldsterben gegeben hat, dass es deshalb auch den Klimawandel nicht gibt. Wo ist er eigentlich geblieben der "Geist von 81" hat er etwa einen neuen Namen?
Oder handelt es sich vielleicht um wirkliche Ereignisse, die aber medial und von Interessensgruppen so hochgehyped wurden und ausgeschlachtet wurden? Es ist doch so, dass wir hier zwar viele Massnahmen ergriffen haben, aber viele Nationen, gerade in zweiter und dritter Welt, alles getan haben um die von uns hinterlassene Lücke zu füllen. Für mich ist es nicht glaubwürdig, dass diese Probleme durch politische Massnahmen nachhaltig behoben /gebessert wurden.
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