Washington Heiße Luft beim Klimagipfel

Ernüchterung in Washington: US-Präsident Obama hatte die 17 größten Umweltsünder-Staaten zum Klimagipfel eingeladen - und keine konkreten Ergebnisse erzielt. Es ist ein erster Dämpfer für die Hoffnung, dass im Dezember in Kopenhagen ein neues Weltklimaabkommen zustande kommt.

Von Christian Schwägerl


Washington - Offiziell überschlagen sich die Teilnehmer des Klimagipfels in Washington mit Lob. "Ich bin sehr zufrieden", sagt Michael Froman, einer von US-Präsident Barack Obamas führenden Umweltschutzstrategen. "Wir preisen den Gastgeber USA", sagte der Repräsentant der EU-Kommission, Joao Vale de Almeida. "Es gab eine substantielle Diskussion", behauptete Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Greenpeace-Protest beim Klimagipfel: Warten auf Ergebnisse
AFP

Greenpeace-Protest beim Klimagipfel: Warten auf Ergebnisse

Nach dem "Major Economies Forum on Energy and Climate", zu dem Obama Vertreter der 17 Nationen mit dem höchsten CO2-Ausstoß nach Washington eingeladen hatte, wird Optimismus vorgegaukelt. Die EU, Kanada, USA, Indien, China, Indonesien, Russland, Japan, Brasilien, Mexiko und Südkorea behaupten, sie hätten an einem Strang gezogen, damit wie geplant im Dezember ein neues Weltklimaabkommen auf den Weg gebracht werden kann. "Wir haben wirklich geredet, nicht nur vorgefertigte Manuskripte vorgetragen", sagte US-Chefunterhändler Todd Stern.

Prima Klima also? Mit greifbaren Ergebnissen konnten die Länder, die drei Viertel des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verursachen, nicht aufwarten. Groß ist zumindest bei den Europäern die Erleichterung darüber, dass sich die USA nach den Bush-Jahren wieder aktiv an den Klimaschutzverhandlungen beteiligen. Die Amerikaner beanspruchten sogar die Führungsrolle in der Klimafrage.

Wie jedoch ein neues Weltklimaabkommen aussehen könnte, das einer gefährlichen Erwärmung der Erdatmosphäre entgegenwirkt, bleibt weiterhin offen. Nur noch halb so viel Kohlendioxid wie 1990 dürfe die Menschheit zur Jahrhundertmitte in die Atmosphäre blasen, solle die Erwärmung auf durchschnittlich zwei Grad Celsius beschränkt bleiben, meinen Forscher.

EU besteht auf ambitionierten Zielen

Obamas Chefwissenschaftler - der Nobelpreisträger und Energieminister Steven Chu und der Präsidentenberater John Holdren - referierten vor den Umweltministern und Klimaunterhändlern im US-Außenministerium zwar akribisch den Stand der Wissenschaft. Der Plan, für das Jahr 2020 eine verbindliche Zwischenetappe einzulegen - wie beim Klimagipfel auf Bali im Dezember 2008 gefordert - fand aber zu wenig Unterstützung. Die EU pocht darauf, dass alle Industriestaaten, auch die USA, ihre Emissionen schon bis 2020 um 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 reduzieren und bis 2050 um 80 Prozent. Zudem sollen auch Länder wie China konkrete Ziele verfolgen. Obama aber will am liebsten gar kein verbindliches Ziel bis 2020. Erst für 2050 will er sein Land auf eine international gültige Zahl verpflichten.

China, inzwischen weltweit größter CO2-Emittent, weigert sich weiterhin, überhaupt Verpflichtungen einzugehen. Die Chinesen trugen in Washington ambitionierte nationale Klimaziele vor, aber international zusagen wollen sie davon nichts. Amerikaner und Chinesen haben Angst davor, sich gegenseitig Wettbewerbsvorteile zu verschaffen und die Bevölkerung inmitten der Wirtschaftskrise zu überfordern.

Bundesumweltminister Gabriel deutete nach dem Treffen an, dass die EU zu Zugeständnissen bereit sei - etwa den USA für das Mittelfristziel bis 2030 statt bis 2025 Zeit zu lassen. "Die haben durch Bush einfach zehn Jahre verloren, das ist schwer wettzumachen", sagte Gabriel. China könne mit erheblichen Finanzhilfen für den Klimaschutz rechnen - aber nur, wenn es dafür nachweisliche CO2-Reduktionen im Rahmen eines neuen Weltklimaabkommens gebe.

Doch gerade beim Thema Geld hat der Gipfel wenig gebracht. "Wir haben so lange über CO2-Minderung geredet, dass dafür keine Zeit blieb", sagte US-Unterhändler Stern. Keine Bewegung habe es bei der Frage gegeben, wie die vielen Milliarden Euro jährlich in den Klimaschutz investiert werden müssen, sagte Gabriel. Davon aber hängt ab, wie konstruktiv sich die Entwicklungsländer an den Verhandlungen beteiligen werden.

Die Teilnehmer des Klimagipfels boten als Trost nur an, dass ihre Zusammenkunft lediglich das erste von drei ähnlichen Treffen war, die bis zum G-8-Gipfel im Juli in Italien stattfinden. Spätestens dann beginnt der Endspurt zum Weltklimagipfel Mitte Dezember in Kopenhagen. Gabriel warnte vor "Mikadospielen" vor dem Kopenhagen-Gipfel: "Verhandeln nach dem Motto 'wer sich zuerst bewegt, verliert', das funktioniert nicht."



Forum - Ist der Markt gut für den Klimaschutz?
insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
drückerkönig, 21.04.2009
1. Markt
Zitat von sysopDie Unternehmensberater von McKinsey plädieren für eine möglichst energieeffiziente Produktion und zeigen die wirtschaftlichen Vorteile auf. Trägt der Markt wirklich zum Bewusstseinswandel bei, oder muss der Staat stärker regulieren?
Nein nein, mehr reden und fliegen und tagen. http://www.spiegel.de/politik/debatte/0,1518,620089,00.html..dann klappt das schon mit dem Markt.
Astir01 21.04.2009
2.
Dass die Berater von McKinsey erst jetzt für etwas plädieren, was jeder Unternehmer schon seit Jahrhunderten weiß, nämlich dass eine möglichst effiziente Produktion die größten Gewinne verspricht, wirft nicht das beste Licht auf McKinsey. Heute lernt jeder Ingenieur und Kaufmann schon im Grundstudium die mathematsichen Werkzeuge kennen und anwenden, die ein solches Optimierungsproblem (zwischen Investitions- und Betriebskosten) lösen helfen. Dafür benötigen sie weder die Hilfe dubioser Berater noch staatlichen Regulierungsdruck. Letzterer würde nur dazu führen, dass u.U. vom wirtschaftlichen Optimum abgewichen werden muss, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Verzerrungen gibt es nur dort, wo nicht die Energie- sondern andere Kosten eine energieintensive Produktion wirtschaftlicher erscheinen lassen; etwa durch Zölle, Lohnunterschiede, Sozialstandarts u. dgl. Dann aber müssten staatliche Regulierungen auf anderen Gebieten als der Energie abgeschafft werden, um den Energiekosten wieder ihre klimaschützende Regulierungsfähigkeit zurückzugeben.
donkeykong2 21.04.2009
3.
Zitat von sysopDie Unternehmensberater von McKinsey plädieren für eine möglichst energieeffiziente Produktion und zeigen die wirtschaftlichen Vorteile auf. Trägt der Markt wirklich zum Bewusstseinswandel bei, oder muss der Staat stärker regulieren?
der markt wird nur dann ausreichend energieeffizient (bzw. effizient effizient ;)) produzieren, wenn für die entstehenden umweltschäden bei produktion, zahlungen erfolgen müssen. bleibt umweltverschmutzung ohne nennenswerte wirtschaftliche folgen, wird das marktergebnis ineffizient sein.
armin.k 22.04.2009
4. Ist der Markt gut für Klimaschutz?
Das Bild, welches der Spiegel hier verwendet, http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,620178,00.html ist symptomatisch auch für die Platitüden, die Kinsey wieder von sich gibt. Hier nur mein Kommentar zu dem Bild: Die Rauchschwaden des Braunkohlekraftwerks, die man dort sieht, stammen aus den Kühltürmen und sind reiner Wasserdampf, so ungefährlich, wie der Dampf aus unserem Wasserkocher. Was soll das Bild also: Angstmachen? Oder ist das die heiße Luft von Kinsey?
Galaxia, 22.04.2009
5.
Zitat von sysopDie Unternehmensberater von McKinsey plädieren für eine möglichst energieeffiziente Produktion und zeigen die wirtschaftlichen Vorteile auf. Trägt der Markt wirklich zum Bewusstseinswandel bei, oder muss der Staat stärker regulieren?
Klingt vernuenftig nur ist es nicht so das Mckinsey eines versteht, naemlich den Leuten das zu erzaehlen was man sowieso schon weiss und dann auch noch verharmlost. McKinsey-Experten halten Umweltschutz für bezahlbar http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,603641,00.html Trotzdem es spielt keine Rolle wer diese Politk macht und umsetzt NUR es muss getan werden SOFORT. Und wir brauchen keine 30% da ES ABSOLUT unbedeutent ist wen Deutschland 30% einspart und in China dafuer 20 neue Kohlekraftwerke entstehen. Die Gesamte EU muss dies tun ... Solar power from Saharan sun could provide Europe's electricity, says EU http://www.guardian.co.uk/environment/2008/jul/23/solarpower.windpower
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