Beirat Regierung bestimmt neue Umweltberater

Jetzt ist es offiziell: Die Bundesregierung hat ihr Beratungsgremium für globale Umweltfragen neu besetzt, es soll Empfehlungen erarbeiten. Die Wahl des Vorsitzenden ist in der Koalition umstritten.

Klimakonferenz in Berlin diese Woche: Umweltminister Altmaier mit Kanzlerin Merkel
DPA

Klimakonferenz in Berlin diese Woche: Umweltminister Altmaier mit Kanzlerin Merkel


Hamburg/Berlin - Die Bundesregierung hat die Mitglieder ihres Umweltbeirats WBGU offiziell bestimmt. Auf Vorschlag von Bundesumweltminister Peter Altmaier und Forschungsministerin Johanna Wanka vertraut die Regierung als WBGU-Vorsitzenden weiter auf Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der bei der FDP auf Skepsis gestoßen war. Schellnhuber gehört dem WBGU seit seiner Gründung vor 21 Jahren an.

Der WBGU soll globale Umwelt- und Entwicklungsprobleme analysieren und Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. SPIEGEL ONLINE hatte die neue Besetzung des Gremiums bereits vorab gemeldet; dem Beirat gehören für die nächsten vier Jahre neun Professoren an:

  • Ellen Matthies, Umweltpsychologin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, erforscht insbesondere das Umweltschutzverhalten.
  • Frauke Kraas, Geografin an der Universität zu Köln, beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung von Megastädten.
  • Uwe Schneidewind, Ökonom und Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, ist Experte für nachhaltiges Wirtschaften.
  • Peter Lemke, Eis- und Meeresforscher an der Universität Bremen, ist Experte für das Klima der Polarregionen.
Weiterhin im WBGU vertreten sind neben Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber auch Claus Leggewie, Politikwissenschaftler an der Justus-Liebig-Universität Gießen; Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn; Sabine Schlacke, Forscherin für Umweltrecht an der Universität Bremen und Nebojsa Nakicenovic, Experte für Energiewirtschaft an der Technischen Universität Wien.

Die Berufung des WBGU hatte sich um ein halbes Jahr verzögert. Eigentlich endete die alte Legislaturperiode bereits im Oktober 2012 - sie wurde kurzerhand verlängert. Obwohl das Wirtschaftsministerium eigentlich kein Berufungsrecht hat, stellte es sich quer. Ein Kabinettbeschluss ließ auf sich warten.

Insbesondere gegen Schellnhuber, den WBGU-Vorsitzenden, gibt es im Wirtschaftsministerium Vorbehalte. Es hatte zwei Ökonomen als Alternative vorgeschlagen - um die "Debatte zu beleben", wie es hieß. "Die Stimme ökonomischer Vernunft" fehle dem Beirat, hatte auch ein früheres WBGU-Mitglied moniert. Der WBGU sei zu einer Art Freundeskreis des langjährigen Vorsitzenden Hans Joachim Schellnhuber geworden.

Der Streit der Ministerien drehte letztlich sich um die Frage, ob der WBGU neu ausgerichtet werden sollte. Bislang hat der Beirat vor allem Themen aus den Bereichen Ökologie und Klima bearbeitet. Auch das Forschungsministerium, das zusammen mit dem Umweltministerium den WBGU beruft, hatte eigentlich die Orientierung des Beirats variieren wollen. Zukunftsfragen der Energiewirtschaft sollten angesichts der bevorstehenden Energiewende in den Fokus rücken. Die neuen Mitglieder stehen allerdings weniger für diese Themen.

boj

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Holledauer 08.05.2013
1. Wer die Aufsätze im Buch
hätte sehr gut verstanden, dass man wohl beraten gewesen wäre, auf Herrn Schellnhuber verzichtet hätte. Dieser Herr hat in den letzten 20 Jahren seine Aussagen meist nach den gewünschten politischen Großwetterlagen und weniger nach den wissenschaftlich erwiesenen Daten ausgerichtet!
Holledauer 08.05.2013
2. Leider ist mein Statement fehlerhaft..
Zitat von sysopDPADie Bundesregierung hat ihr Beratungsgremium für globale Umweltfragen neu besetzt, es soll Empfehlungen erarbeiten. Die Wahl des Vorsitzenden ist in der Koalition umstritten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wbgu-bundesregierung-bestimmt-neue-umweltberater-a-898792.html
... wiedergegeben worden. Es muss natürlich heißen: in dem Buch "Die kalte Sonne", herausgegeben von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning.
heinz-brass 08.05.2013
3. Na,
hat da jemand nicht das richtige Parteibuch ?
maschinchen 08.05.2013
4.
Zitat von Holledauer... wiedergegeben worden. Es muss natürlich heißen: in dem Buch "Die kalte Sonne", herausgegeben von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning.
Wenn ich mich als politischer Entscheidungsträger zwischen einem etablierten Klimatologen und einem RWE-Fuzzi als Berater in Klmafragen entscheiden sollte, ich hätte da ne Präferenz.
Holledauer 09.05.2013
5. An maschinchen
Und ich würde lieber an Ihrer Stelle erst das Buch lesen, welches übrigens eine Sammlung von wissenschaftlichen Aufsätzen verschiedener anerkannter Wissenschaftler ist, bevor ich durch meinen Kommentar dokumentiere, dass ich Vorurteilen ohne tiefere Sachkenntnis absondere!
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