Verhaltensforschung Weißer Hai jagt im Bummeltempo

Weiße Haie können schnell schwimmen. Doch ausgerechnet bei der Jagd auf Beutetiere lassen sie es langsam angehen. Forscher haben nun einen Grund ausgemacht.

REUTERS/ @JuanSharks/ @OceanRamsey/ Juan Oliphant/ oneoceandiving.com

Der Weiße Hai gilt als effizienter Jäger. Dank seiner Kraft und Größe, seiner schwarzen Augen und nicht zuletzt durch seine beeindruckend spitzen Zähne wurde er in zahlreichen Kinofilmen zum Monster stilisiert. Dabei ist Carcharodon carcharias längst eine gefährdete Art in den Weltmeeren. Im Grunde ist der Mensch für die Tiere weit gefährlicher, als es umgekehrt der Fall ist - von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Eine aktuelle Studie nimmt dem Weißen Hai nun ein weiteres Stück von seinem Monster-Image. Dafür hatten Wissenschaftler die Schwimmgeschwindigkeit der Tiere untersucht. Das Ergebnis: Der Weiße Hai lässt es bei der Jagd eher gemütlich angehen. Dabei gilt er als schneller Schwimmer, der kurzfristig Geschwindigkeiten von etwa 50 Kilometern pro Stunde erreichen kann.

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Weißer Hai: Meeresgigant auf Bummeltour

Doch vermutlich würde er bei einer solchen Beschleunigung an potenziellen Beutetieren vorbeirasen, berichten Wissenschaftler im Fachmagazin "Journal of Experimental Biology".

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Kragenhai: Auge um Auge, Zahn um Zahn

Weiße Haie können anders als die meisten Fische ihre Körpertemperatur teilweise über der Außentemperatur des Wassers halten. Dabei hilft ihnen ein Wärmetauschsystem in ihrem Blutkreislauf, so können sie mit hohem Tempo durchs Wasser pflügen. Zugleich haben die Tiere mit ihrem hohen Körpergewicht einen hohen Energiebedarf.

Die Forscher um Yuuki Watanabe vom National Institute of Polar Research in Tokio (Japan) wollten wissen, wie die Bewegungsaktivität und der Energieverbrauch bei Weißen Haien zusammenhängen. Deshalb markierten sie acht Weiße Haie mit speziellen Messgeräten. Diese Daten ermöglichten ein Bewegungsprofil der Tiere - mit Angaben der Geschwindigkeit, Tauchtiefe, Temperatur und der zurückgelegten Strecke.

Die Haie lebten vor den australischen Neptune Islands - in unmittelbarer Nähe zu einer Kolonie Neuseeländischer Seebären (Arctocephalus forsteri). Die Jungtiere dieser Robbenart sind bei den Haien beliebte Beutetiere. Nach einigen Tagen sammelten die Forscher die abgefallenen Messgeräte ein und werteten die aufgezeichneten Daten aus.

Die Analyse ergab, dass die Haie meist in eher gemächlichem Tempo von 0,8 bis 1,35 Meter pro Sekunde (2,8 bis 4,8 Kilometer pro Stunde) unterwegs waren. Die Haie erhöhten so die Chance, auf eine nahrhafte Robbe zu stoßen - ohne diese suchen oder gar jagen zu müssen. Letztlich optimiere der Hai mit seinem Verhalten seine Energiebilanz, so Watanabe. Runtergebrochen auf einen Dauerschwimmer wie den Weißen Hai sei die Strategie der Tiere: Sitzen und Warten.

Nach den Daten tauchten die Haie regelmäßig tief ab, dabei glitten sie meist. Auf diese Weise sparten sie Energie. Das Schwimmen an der Oberfläche sei wesentlich energiezehrender. Hier entstehen Wirbel und Zugkräfte, wenn etwa eine Haiflosse die Wasseroberfläche durchbreche. Auch die Tauchgänge dienten vermutlich dazu, auf eine Robbe treffen. Wie oft ihnen das tatsächlich gelingt, will das Team um Watanabe nun in weiteren Untersuchungen herausfinden.

Im Video: Wie gefährlich ist der Weiße Hai wirklich?

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Neben dieser Analyse dürfte eine weitere Studie dazu beitragen, mehr über die Lebensweise der Meeresräuber zu erfahren: Forscher um Nicholas Marra von der Nova Southeastern University in Florida (USA) haben das Genom der Tiere im Detail entziffert. Bei der Analyse identifizierten sie zahlreiche genetische Merkmale, die mit den besonderen Eigenschaften der Haie in Verbindung stehen, etwa eine Anhäufung von Genen für Wundheilungsprozesse.

"Diese die Wundheilung betreffenden genetischen Anpassungen liegen vermutlich der berühmten Fähigkeit der Haie zugrunde, selbst große Wunden effizient heilen zu können", erläutert Mitforscher Michael Stanhope. Die Wissenschaftler identifizierten auch zahlreiche Gene, die die Stabilität des Gesamtgenoms erhalten, was vermutlich der Entstehung von Krankheiten vorbeugt. Sie stellen ihre Untersuchung in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften vor.

joe/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
spon_3175452 19.02.2019
1. Geschwindigkeit oder Beschleunigung
"..... gilt er als schneller Schwimmer, der kurzfristig Geschwindigkeiten von etwa 50 Kilometern pro Stunde erreichen kann. Doch vermutlich würde er bei einer solchen Beschleunigung an potenziellen Beutetieren vorbeirasen, berichten...."
pirx64 19.02.2019
2.
Was ein Film ausmachen kann. Wäre es nicht ein weißer Hai in dem Film gewesen sondern ein Hammerhai oder ein Rochen oder eine Muräne ....
parhornung 19.02.2019
3. da ist noch mehr Ungereimtes
Zitat von spon_3175452"..... gilt er als schneller Schwimmer, der kurzfristig Geschwindigkeiten von etwa 50 Kilometern pro Stunde erreichen kann. Doch vermutlich würde er bei einer solchen Beschleunigung an potenziellen Beutetieren vorbeirasen, berichten...."
"...ihre Körpertemperatur teilweise über der Außentemperatur des Wassers halten..." Hat Wasser eine Außentemperatur? "Diese Daten ermöglichten ein Bewegungsprofil der Tiere - mit Angaben der Geschwindigkeit, Tauchtiefe, Temperatur und der zurückgelegten Strecke." Daten werden ermittelt und ausgewertet; über die Interpretation wird ein Bewegungsprofil erstellbar. "Runtergebrochen auf einen Dauerschwimmer..." Ist hier "Herunterrechnen" gemeint? "Nach den Daten tauchten die Haie regelmäßig tief ab, dabei glitten sie meist." Erst tauchen also die Daten ab? Das ist "schlampig" und nicht nur unglücklich formuliert.
jojobyjojopi 19.02.2019
4. na endlich... vlt, ist ein Ende der Dämonisierung in Sicht...
... der Hai ist einfach ein großes Tier, das man mit Respekt, aber ohne Angst behandeln sollte. Da man den Hai immer nur beim Fressen filmt, ist der ruf nachvollziehbar - wenn man aber versucht einem gr0ßen Hund das Fressen zu klauen, erlebt man Vergleichbares ... Also - wie immer - zuerst denken, dann handeln .... wenn's nur immer so einfach wäre ...
clemens1a 19.02.2019
5. Korinthenkacker
Werden die Oberlehrer immer mehr? Man kann die Information des Artikels durchaus verstehen, wenn man Grips genug hat die "Innentemperatur" des Haies mit der "Aussentemperatur" des Wassers in Bezug zu nehmen. Eigentlich nicht schwer, wenn man nicht zur Fraktion der Handtuchreservierer gehört. Der letzte der vier Kommentare war sachdienlich.
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