Weite Wanderungen: Orcas reisen zur Hautpflege in warme Gewässer
Aus der Antarktis nach Uruguay und zurück: Schwertwale legen zielstrebig Tausende Kilometer zurück - offenbar, um ihre Haut zu pflegen. Die Beobachtung rückt auch andere Walwanderungen in ein anderes Licht.
Hamburg - In der Antarktis jagende Orcas schwimmen manchmal Tausende Kilometer weit in subtropische Gewässer, haben Biologen beobachtet. Einer von zwölf mit Sendern markierten Schwertwalen legte dabei 9400 Kilometer in nur 42 Tagen zurück - also knapp 224 Kilometer pro Tag.
John Durban und sein Kollege Robert Pitman von der US-Meeresforschungsbehörde Noaa vermuten, dass die Tiere diese langen Strecken zurücklegen, um ihre Haut zu regenerieren.
In den kalten Gewässern der Antarktis bilden sich dicke Schichten von Kieselalgen auf der Haut der Tiere. Antarktische Orcas sehen deshalb oft gelblich aus. Im warmen Wasser könne ein Wal eher diese Algen abschrubben und sein Hautgewebe erneuern, während in kaltem Wasser Wärmeverluste drohten, berichten die Forscher im Fachmagazin "Biology Letters" der britischen Royal Society.
Mehrere Jahre lang beobachteten die Wissenschaftler zwölf Orcas (Orcinus orca), die sie dafür mit Sendern markiert hatten. Diese Schwertwale jagen normalerweise in küstennahen antarktischen Gewässern. Dort schwammen die Wale demnach selten länger in eine Richtung und legten im Schnitt drei bis fünf Kilometer in der Stunde zurück.
Kieselalgen auf der Haut
Doch zwischen Februar und April nahmen sechs der Tiere zielstrebig einen Kurs Richtung Norden auf - den direkten Weg zu offenen und wärmeren Gewässern. Die Schwertwale reisten in die Küstenregionen vor Uruguay und Brasilien, wo die Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius liegen. Der Orca, dessen Sender am längsten hielt, kehrte am Ende an eine Stelle zurück, die nur 40 Kilometer von der entfernt lag, wo die Biologen ihn markiert hatten.
Sollte sich ihre These bestätigen, könnte das nach Meinung der Wissenschaftler wichtige Erkenntnisse über die Wanderbewegungen verschiedener Walarten liefern. Bisher werden die großen Wanderungen entweder mit Futtersuche oder Fortpflanzung in Verbindung gebracht - sie hätten nun einen weiteren Grund präsentiert, meinen die Forscher.
wbr/dpa
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