Verhaltensforschung Welpen lernen gleichermaßen von Hund und Mensch

Wie öffnet man eine Futterbox? Das lernen Welpen, indem sie andere Hunde oder Menschen dabei beobachten. Eine Überraschung erlebten die Forscher allerdings, als die Welpen ihrer Mutter zuschauen sollten.

Labrador-Welpen
Getty Images

Labrador-Welpen


Der Mensch lernt vieles durchs Abgucken. Schon Kinder beobachten erst einmal die Erwachsenen, bevor sie selbst anfangen, auf dem Tablet wild herumzutippen. Bei Tieren ist das im Prinzip ähnlich, Hunde orientieren sich sogar oft am Menschen. Aber ob auch Welpen in der Lage sind, sich etwas bei anderen Hunden oder Menschen abzugucken, war bisher kaum erforscht.

Nun haben Wissenschaftler beobachtet, dass Welpen sich von anderen Hunden und Menschen abschauen können, wie sie Futter-Boxen öffnen. Das fanden Claudia Fugazza von der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest und ihre Kollegen in einer Studie heraus, die im Fachmagazin "Scientific Reports" erschienen ist. Sie schließen aus ihrer Untersuchung, dass Hunde schon früh soziale Lernfähigkeiten entwickeln.

Für die Studie trainierten die Wissenschaftler erwachsene Hunde darauf, Boxen zu öffnen, um an das darin versteckte Futter zu gelangen. Die Boxen waren auf verschiedene Art und Weise verschlossen, zum Beispiel mit Riegeln, die die Hunde mit ihrer Schnauze beiseite schieben mussten.

Hunde sind flexibel beim Lernen

Insgesamt 48 acht Wochen alte Welpen verschiedener Rassen sahen zu, wie die Hunde die Boxen öffneten. Danach mussten sie selbst versuchen, das Futter herauszuholen. Mit Vorführung gelang ihnen das besser als der Kontrollgruppe, die ohne Anleitung vor die Box gesetzt wurde. Und auch eine Stunde später konnten sich die Welpen noch daran erinnern, was sie gelernt hatten.

Futterboxen aus dem Experiment
Claudia Fugazza

Futterboxen aus dem Experiment

Die Wissenschaftler wollten außerdem herausfinden, ob Hunde die soziale Lernfähigkeit nicht nur in Bezug auf andere Artgenossen so früh entwickeln. Deshalb ließen sie die Welpen dabei zusehen, wie Menschen die Box öffneten - und auch dann gelang es den Tieren, an das Futter in der Box zu kommen. Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass Hunde schon mit wenigen Wochen sehr flexibel darin sind, von anderen Lebewesen zu lernen.

Am meisten überraschte die Forscher aber, dass die Welpen besser von fremden Hunden lernten als von ihrer eigenen Mutter. Sie sahen den fremden Hunden länger bei den Vorführungen zu und es gelang ihnen danach auch öfter, die Box zu öffnen. Das könne daran liegen, dass die Welpen den fremden Hunden mehr Aufmerksamkeit schenkten als der Mutter, vermuteten die Forscher. Durchschnittlich sahen die Welpen ihrer Mutter 30 Sekunden lang zu, dem fremden Tier 44 Sekunden. Die eigene Mutter kannten sie, der unbekannte Hund war ein neuer Reiz, der womöglich ihre Neugier weckte.

Sieben der 48 Welpen wurden vom Experiment übrigens frühzeitig ausgeschlossen: Die Schnauzer-Welpen hatten keine Lust auf das Essen in den Boxen, und damit auch keinen Grund, sich etwas abzuschauen.

lpu



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