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Welt-Waldbericht: Holzindustrie soll Wälder retten

Sie bieten Brenn- und Baumaterial, Nahrung und vor allem saubere Luft. Doch die Wälder auf der Welt verschwinden massenhaft. Das belegt auch der jüngste Welt-Waldbericht der Uno. Das nun ausgerufene "Jahr der Wälder" soll dem entgegenwirken. Die Vereinten Nationen setzen dabei auf die Holzindustrie.

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REUTERS

Brasilien: "Wir müssen die Beziehung zwischen Menschen und Wäldern stärken"

Waldflächen so groß wie 35 Fußballfelder werden weltweit in jeder Minute abgeholzt. Das ist seit Mittwoch auf dem großen Waldverlust-Ticker am Berliner Hauptbahnhof abzulesen, den die Umweltorganisation WWF zum offiziellen Start des Uno-Jahres der Wälder enthüllte. Binnen 60 Stunden entspricht das bereits einem Areal von der Größe Berlins. Bis Ende Februar hängt der Ticker in Berlin, danach wird er in anderen deutschen Bahnhöfen aufgestellt.

Wie es weltweit um den Zustand der Wälder tatsächlich bestellt ist, ist jetzt in einem Bericht der Uno-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) nachzulesen, der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde. Demnach unterstreicht die ganze Welt die Bedeutung der Wälder - trotzdem verschwinden sie massenhaft. Bäume sollten stärker für ein "grüneres Wirtschaften" eingesetzt werden, ist eine der Hauptforderungen der FAO. Die Holzindustrie brauche innovative, neue Wege, um eine soziale und ökologische Nachhaltigkeit im 21. Jahrhundert stützen zu können.

Am Mittwoch haben die Vereinten Nationen in New York offiziell das Internationale Jahr der Wälder ausgerufen. Ein Jahr lang soll auf das wichtige Ökosystem - und seine Bedrohung - aufmerksam gemacht werden.

"Wir müssen die Beziehung zwischen Menschen und Wäldern stärken"

"Die Rolle, die die Wälder bei der Anpassung an den Klimawandel spielen, ist äußerst wichtig, wird aber oft von den Regierungen noch unterbewertet", so die FAO. Diese seien auch wichtig für die nationalen Strategien im Kampf gegen den Klimawandel und verringerten die Folgen für besonders bedrohte Ökosysteme: Gegen das weitere Roden von Mangrovenwäldern vorzugehen, würde Küstenregionen mehr vor starken Stürmen und Tsunamis schützen, und neu aufgeforstete Wälder könnten den von Dürreperioden bedrohten armen Weltregionen helfen.

"Wir müssen die Beziehung zwischen den Menschen und den Wäldern stärken und dabei auch die Vorteile hervorheben, die entstehen, wenn lokale Völker nachhaltig und mit neuen Ideen Wälder bewirtschaften", erläutert der bei der FAO für Wälder verantwortliche Eduardo Rojas. Unterschätzt würden dabei oft genug noch die Rechte von Millionen Menschen, lokale Holzressourcen zu nutzen und davon zu profitieren.

Die FAO bricht vor allem eine Lanze für Holz und Holzprodukte bei den Konsumenten. Diese hätten überhaupt keinen Grund, sich schlecht zu fühlen, wenn sie etwa Möbel aus Holz kauften: "Die Holzindustrie ist ein wichtiger Teil einer 'grüneren' Wirtschaft, ihre Produkte sind natürliches Material, sie stammen aus erneuerbaren Ressourcen und können im hohen Maße recycelt werden", unterstreicht der Bericht.

Doch viele meinten immer noch, das Fällen von Bäumen sei unethisch. Dabei stammten im Jahr 2010 bereits 37 Prozent aller Holzprodukte weltweit aus wiederverwertetem Papier sowie aus Holzabfällen und Fibermaterial. Dieser Anteil dürfte laut FAO bis 2030 auf bis zu 45 Prozent wachsen, wobei die Produkte vor allem in China und Indien hergestellt werden. Schnitt- und Sperrholz etwa würden mit relativ geringem Energieaufwand hergestellt, Produkte auf Holzbasis sowie der Einsatz von Bioenergie könnten ein ökologisches Wirtschaften fördern.

Deutsche verbrauchen 20 Millionen Tonnen Papier jährlich

Die Umweltschutzorganisation WWF betont hingegen, dass der rasante Waldverlust auch auf das Konto Deutschlands gehe. "Wir Deutschen verbrauchen jedes Jahr allein 20 Millionen Tonnen Papier", sagt Philipp Göltenboth vom WWF Deutschland. "Pro Kopf sind das im Durchschnitt 235 Kilo pro Jahr für Küchenrollen, Pappbecher, Werbeprospekte, Druckerpapier und Taschentücher. Damit liegt Deutschland EU-weit an der Spitze."

Nicht nur die Papierindustrie sorgt für den Waldschwund. Der Wald bleibe auch auf der Strecke, um den wachsenden Bedarf an Fleisch, Futtermitteln, Holz und Bioenergie zu decken. An die Stelle von natürlichen Wäldern rücken Agrarflächen und Plantagen.

Allein 30 Kilo Werbeflyer landen nach WWF-Analysen jährlich in deutschen Briefkästen. "Papier sparen und Wald schützen ist einfach", sagt WWF-Papierexperte Johannes Zahnen. "Wir könnten bundesweit jedes Jahr sechs Milliarden Pappbecher sparen, wenn wir unseren Kaffee unterwegs aus einer Tasse trinken würden. Das sind rund eine halben Million Bäume, die nicht gefällt werden müssten." Verbraucher sollten zudem auf recycelte Papierprodukte zurückgreifen und auf Computer-Ausdrucke so oft wie möglich verzichten.

Bei der New Yorker Vollversammlung war indes ein 13 Jahre alter Schüler aus Bayern einer der Hauptakteure: Felix Finkbeiner hatte schon mit neun die Initiative "Plant for the Planet" (Pflanzen für den Planeten) ins Leben gerufen. Er will Kinder in aller Welt animieren, in jedem Land der Erde eine Million Bäume zu pflanzen. Damit könne das Klima entlastet werden. Felix konnte sein Projekt vor den Vertretern der 192 UN-Nationen vorstellen. Zuvor hatten der Präsident der Vollversammlung, der Schweizer Joseph Deiss, und die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai zum Schutz der Wälder aufgerufen.

cib/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Das übliche halbwahre Zeug!
hansulrich47 02.02.2011
Im Artikel ist der WWF wieder mit den üblichen Desinformationen vertreten. Erstens der pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland ist nicht Spitze, es gibt etliche Länder die höher Verbräuche haben, z. B. Schweden oder Finnland oder Österreich. Zweitens, die Recycling-Quote liegt in Deutschland bei über 60%. Das bedeutet, von den genannten 236 kg sind über 140 kg widerverwendetes Altpapier. Es ist nicht zu verstehen, daß Organisationen wie der WWF ihr gutes Anliegen durch blöde Übertreibungen stets selbst mies machen!
2. D: Eigene Wälder ...
rkinfo 02.02.2011
Zitat von hansulrich47Im Artikel ist der WWF wieder mit den üblichen Desinformationen vertreten. Erstens der pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland ist nicht Spitze, es gibt etliche Länder die höher Verbräuche haben, z. B. Schweden oder Finnland oder Österreich. Zweitens, die Recycling-Quote liegt in Deutschland bei über 60%. Das bedeutet, von den genannten 236 kg sind über 140 kg widerverwendetes Altpapier. Es ist nicht zu verstehen, daß Organisationen wie der WWF ihr gutes Anliegen durch blöde Übertreibungen stets selbst mies machen!
Außerdem betreibt Deutschland seit Jahrhunderten eine solide Forstwirtschaft und daher kommt auch genug Holz für die Papierartikel rein. Wir haben viel mehr Probleme bei Möbel oder sonstigen Gebrauchsholz das billig und auf teils dubiosen Wegen weltweit rein kommt. Es ist in der EU nicht mal strafbar illegal abholzte Stoffe zu importieren ! (in den USA schon) Ob in Indonesien, ob auf Madagaskar oder in der Sahel-Zone, stets fehlt eine solide Forstwirtschaft wie in Deutschland. Zumindest wir am deutschen Stuhlgang aber NICHT das Schicksal des Globus entschieden ... Bem: Es gibt genügend weitere lächerliche Auswertungen des WWF wie 'übermäßiger Wasserverbrauch' in D. Wir sind aber nicht Afrika wo jeder Liter knapp ist. Bei uns fällt das Zeug sogar einfach ganzjährig üppig von Himmel - teils sogar ganz in weiß !
3. Tacitus
Jo.S 16.04.2011
Zitat von sysopSie bieten Brenn- und Baumaterial, Nahrung und vor allem saubere Luft. Doch die Wälder auf der Welt verschwinden massenhaft. Das belegt auch der jüngste Welt-Waldbericht der Uno. Das nun aufgerufene "Jahr der Wälder" soll dem entgegenwirken. Die Vereinten Nationen setzen dabei auf die Holzindustrie. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,743141,00.html
Dieser Artikel verschweigt einige Details des Welt-Waldberichtes, die nicht so uninteressant sind, das sie verschwiegen werden müssen. So gibt es in Spanien inzwischen wieder 18,5 Millionen Hektar Wald. Wer mag sich 18,5 Millionen Hektar vorstellen? Kaum jemand. Einfacher wird es, wenn man weiß, dass es fast genauso viel oder wenig ist wie hier in Deutschland. Der Waldanteil beider Länder liegt um etwa 10 % niedriger als der europäische Durchschnitt von 45 %. Vermutlich gibt es qualitative Unterschiede zwischen einem naturnah gepflegten deutschen Wald und einer Eukalyptusplantage in Andalusien. Trotzdem hat mich dieser Bericht überrascht, denn ich hatte bisher gedacht, ich würde in einem Land wohnen, vor dessen Wäldern bereits Tacitus Respekt hatte.
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Klimagipfel: Kampf um die grüne Lunge

Themen des Klimagipfels in Cancún
Waldschutz
Die Vernichtung der Wälder trägt nach Angaben des Uno- Klimasekretariats zu 17 Prozent zum menschengemachten Treibhauseffekt bei. Ärmere Länder sollen Geld erhalten, wenn sie ihren Wald schützen. Dazu muss es jedoch klare Regeln geben, was ein Wald ist. Zudem müssen die Artenvielfalt und die örtliche Bevölkerung beachtet werden. Die Industrieländer sollen Faktoren, die zur Waldzerstörung in Entwicklungsländern führen, beseitigen.
Anpassung
Ärmere Länder benötigen Geld, um die Folgen des Klimawandels zu lindern. Ein solches Programm reicht vom Dammbau bis zu Versicherungen gegen Wetterextreme.
Treibhausgasausstoß
Bisher haben einzelne Staaten nur auf freiwilliger Basis nationale Klimaziele vorgelegt. Diese reichen jedoch nicht aus, um die Klimaerwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Neue und verbindliche Zusagen sind nötig, wenn der Klimawandel auf ein für Mensch und Natur erträgliches Maß begrenzt werden soll. Neue Reduktionen könnten zum Beispiel aus dem Flug- und Schifffahrtsbereich kommen.
Finanzierung
In einer unverbindlichen Vereinbarung auf dem Klimagipfel von Kopenhagen hatten die reichen Staaten zugesagt, ab dem Jahr 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für Klimaziele in armen Ländern bereitzustellen. Vor einem umfassenden Klimavertrag müssten Finanzquellen aufgelistet und diese Zusage verbindlicher werden.

Außerdem wollten die Industrieländer den ärmeren Staaten insgesamt 30 Milliarden Dollar für 2010 bis 2012 für die Anpassung an den Klimawandel und eine umweltfreundliche Entwicklung geben. Klimaschützer kritisieren jedoch mangelnde Transparenz und befürchten, dass es dann Abzüge von der bisher geplanten Entwicklungshilfe gibt.
Überprüfung
Vor Abschluss eines umfassenden Vertrags muss sich die Staatengemeinschaft auf ein differenziertes Mess- und Kontrollsystem der Klimaschutzaktivitäten einigen. Darauf legen nicht zuletzt die USA Wert - und haben speziell China im Blick.
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