Welthandel: CO2-Zölle könnten dem Klima schaden

Würden CO2-Zölle helfen, das Klima zu schützen? Ein Potsdamer Forscherteam bezweifelt das. Eingriffe in den Welthandel könnten am Ende mehr schaden als nutzen, warnen sie. Entscheidend sei vielmehr, wie Staaten ihre Energie erzeugen.

Spielwarenladen in Peking (Archivbild): CO2-Ausstoß ohne Welthandel noch größer? Zur Großansicht
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Spielwarenladen in Peking (Archivbild): CO2-Ausstoß ohne Welthandel noch größer?

Handelspolitische Maßnahmen wie CO2-Zölle könnten sich kontraproduktiv auf den Klimaschutz auswirken, warnen Potsdamer Forscher im Fachmagazin "Nature Climate Change" . Importe einfach nach dem Kohlenstoffgehalt zu besteuern, werde der Komplexität von Produktion und Handel nicht gerecht, schreiben Michael Jakob und Robert Marschinski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

"Typischerweise führen wir im Westen Waren ein, bei deren Herstellung in ärmeren Ländern viele Treibhausgase freigesetzt werden - und die Frage ist umstritten, wem diese Emissionen zugerechnet werden sollten", wird Jakob in einer Mitteilung des PIK zur Studie zitiert. Mögliche CO2-Zölle sollen verhindern, dass westliche Länder zur Reduktion ihrer Emissionen die Herstellung energieintensiver Produkte einfach in Drittländer verlagern. Die beiden Wissenschaftler analysierten nun in Studien ermittelte Emissions-Transfers zwischen einzelnen Ländern genauer.

Demnach würde es sich nicht zwingend positiv auf die Klimabilanz auswirken, wenn die Produktion statt in Staaten wie China wieder in den Abnehmerländern stattfinden würde. "Ohne Welthandel könnte der Ausstoß von Treibhausgasen in Ländern wie China möglicherweise sogar höher sein als heute", schreiben die Forscher. Der Grund liege in den Unterschieden beim Bedarf an Energie und deren Erzeugung.

Studien hätten ergeben, dass je Dollar Warenwert 0,77 Kilogramm emittiertes Kohlendioxid in die USA importiert würden. Für Exporte liege der Wert bei 0,49 Kilogramm. In China dagegen seien es 0,49 Kilogramm CO2 je Dollar Importware und 2,18 Kilogramm für Exporte. Das bedeute aber nicht, dass China auf die Ausfuhr von Gütern, die unter hohem Kohlendioxidausstoß produziert wurden, spezialisiert sei, erklären die Forscher.

"Westliche Länder exportieren oft Güter, etwa Maschinen, deren Herstellung viel Energie braucht", heißt es in der Pik-Mitteilung. "Diese Energie wird aber vergleichsweise sauber erzeugt." China dagegen stelle viele Exportgüter her, die - wie zum Beispiel Spielzeug - sehr wenig Energie für die Produktion benötigten. Diese allerdings komme von Kohlekraftwerken mit hohen Emissionen.

Werde China wirtschaftlich dazu animiert, mehr der im Land benötigten energieintensiven Produkte selbst herzustellen, würden die Emissionen stark steigen, erläutern die PIK-Wissenschaftler. Der wegfallende Export von Gütern wie Spielzeug könne dies nicht aufwiegen. "Eingriffe in den Welthandel könnten also am Ende mehr schaden als nutzen", wird Marschinski zitiert. "Entscheidend ist, wie sauber oder schmutzig die nationale Energieerzeugung ist."

wbr/dpa

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