Weltkarte des Aussterbens Artentod dramatisch beschleunigt

Das Artensterben hat rasant an Fahrt gewonnen. Einer neuen Studie zufolge hat der Mensch die Todesrate der Spezies auf das 100- bis 1000-fache des natürlichen Maßes getrieben. Experten stellten jetzt eine Weltkarte mit den "Epizentren des Artentods" vor.


Die Warnungen aus der Wissenschaft werden immer dramatischer. Mittlerweile reden Experten von einer bevorstehenden "globalen Krise" für die Artenvielfalt. "Obwohl die Rettung von Tier- und Pflanzenarten für sich genommen lebenswichtig ist, geht es um viel mehr", betonte Mike Parr von der Alliance for Zero Extinction, einem Zusammenschluss von Umwelt- und Tierschutzorganisationen aus 52 Staaten. "Die künftige genetische Vielfalt der Ökosysteme der Erde steht auf dem Spiel."

Fotostrecke

9  Bilder
Weltkarte des Todes: Die Zentren des Artensterbens

Die Aussterberate betrage durch den Einfluss des Menschen mittlerweile das 100- bis 1000-Fache des natürlichen Maßes, schreiben Forscher um Taylor Ricketts vom World Wildlife Fund im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences". Die Biologen untersuchten Arten, über die es weltweite Daten gibt. Dazu zählen Säugetiere, Vögel, Amphibien, einige Reptilien und als einzige Pflanzengattung Nadelhölzer.

Die meisten der demnach 794 bedrohten Arten leben jeweils nur noch an einem Ort. Nur ein Drittel dieser Orte sei gesetzlich geschützt, schreiben die Wissenschaftler. Die verbleibenden 595 Lebensräume bedrohter Arten müssten nun so schnell wie möglich gerettet werden. Die Alliance for Zero Extinction stellte deshalb eine Weltkarte mit den "Epizentren des Artensterbens" vor, die als PDF-Datei abrufbar ist. "Die große Mehrheit dieser Orte liegt in Entwicklungsländern", schreiben Ricketts und seine Kollegen. "In vielen Fällen ist ihre Rettung nicht ohne beträchtliche Hilfe aus den Industrieländern möglich."

Seit dem Jahr 1500 sei die Ausrottung von 245 Arten aus diesen Gruppen verzeichnet, schreiben die Forscher. Allein heute seien dreimal so viele Arten vom Untergang bedroht. "Wir haben die moralische Pflicht zu handeln", sagte Parr. "Die wissenschaftlichen Daten liegen vor, und wir haben fast keine Zeit mehr."



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.