Fehlende Schutzräume: Forscher schreiben Weltkarte bedrohter Tierarten

Neu im Blick: Die Karte zeigt, wo besonders bedrohte und zugleich evolutionär wichtige Arten von Säugetieren leben. Rot zeigt Regionen mit hoher Artenvielfalt, blau mit niedriger. Zur Großansicht
DPA/ ZSL

Neu im Blick: Die Karte zeigt, wo besonders bedrohte und zugleich evolutionär wichtige Arten von Säugetieren leben. Rot zeigt Regionen mit hoher Artenvielfalt, blau mit niedriger.

Die Rote Liste verzeichnet gefährdete Tierarten. Forscher haben nun eine Weltkarte erstellt, die zusätzlich berücksichtigt, ob Tiere aufgrund ihrer genetischen Besonderheiten schützenswert sind. Zahlreiche wichtige Lebensräume unterliegen keinem besonderen Schutz.

Radolfzell - Ein internationales Forscherteam hat auf einer Weltkarte erstmals Gebiete bestimmt, in denen bedrohte und zugleich evolutionär besonders wertvolle Säugetiere und Amphibien leben. Die Karte gehe somit über die Rote Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN hinaus, da sie nicht nur Lebewesen berücksichtigt, die als bedroht gelten, sondern erfasst, ob diese auch gleichzeitig zur "Evolutionarily Distinct and Globally Endangered"-Gruppe (EDGE) gehören.

Damit sind diese Tiere gemeint, deren Stammbaum einen Zweig in der Evolution repräsentiert, der sich über lange Zeit unabhängig entwickelt hat. Der letzte gemeinsame Vorfahr mit anderen Arten liegt dann sehr weit zurück. Wenn eine derart besondere Art ausstirbt, bleibt auf dem Planenten keine ähnliche Art mehr übrig.

Ein Vertreter dieser Gruppe sei der Schwarzweiße Vari, eine auf Madagaskar lebende Lemurenart. "Sie stellen eine einmalige und sehr, sehr alte Säugetierlinie dar", sagte Safi. "Wenn sie aussterben, verlieren wir ein Stück Entwicklungsgeschichte, das so nie wieder entstehen wird."

Dabei gehe es vor allem darum, zu prüfen, ob Regionen ohnehin schon Schutzgebiete seien oder ob man sie noch stärker in den Fokus rücken müsse, sagte einer der Autoren des Projekts, Kamran Safi vom Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPIO) in Radolfzell am Bodensee. "Wir fragen: Wo sind die gefährdeten Arten und unternehmen wir schon etwas zum Schutz ihres Lebensraums?"

Viele Gebiete liegen in Süd- aber auch Nordamerika und in Afrika. Für Deutschland sind auf der Karte keine Regionen ausgewiesen. Das liege unter anderem daran, dass die Weltkarte auf einer globalen Analyse basiere. "In der Studie haben wir nur die weltweit allerwichtigsten Gebiete herausgehoben. Regional oder national wichtige Gebiete würden jedoch einen wichtigen Beitrag in einem vielleicht in Zukunft entstehenden Netzwerk von solchen Schutzgebieten spielen", sagte Safi.

An der Studie - über die die Forscher im Online-Fachjournal "PLOS ONE" berichten - ist neben dem MPIO vor allem die Zoological Society of London beteiligt. Das Ergebnis: "Erstaunlich große Gebiete unterliegen gemäß dem Uno-geführten Inventar der Schutzgebiete keinem besonderen Schutz", sagte Safi. "Das ist ein Warnhinweis. Wenn wir diese Artengemeinschaften erhalten wollen, müssen wir eventuell auch an anderen Orten nachschauen."

nik/dpa

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Grillfest
artusdanielhoerfeld 16.05.2013
Wenn man sieht, was mein Nachbar so alles auf den Grill wirft, dann gehört bald auch das deutsche Hausschwein zu den bedrohten Tierarten...
2. Und ich dacht schon...
frank.w 16.05.2013
...es dreht sich um Bunker ;-)
3. ??
hirnschlacht 16.05.2013
Also wenn das die Arbeit einer monatelangen Studie ist, fühle ich mich leicht hinters Licht geführt. Ich glaube selbst ein gemeiner Abiturient mit Bio-LK und einfachen Paint-Kenntnissen hätte diese Karte ähnlich aussagekräftig erstellen können.Zudem ist erfasst diese karte einen nur so verschwindent geringen Anteil der bedrohten Gen-Vielfalt, dass man sich alles getrost hätte sparen können, und stattdessen den benachbarten Wald entmüllen sollen
4. Prädikat: besonders pferdvoll
Miere 16.05.2013
Wer definiert eigentlich, welche Säugetiere und Amphibien besonders wertvoll sind? Und warum gerade Säugetiere und Amphibien? Warum nicht zB Pflanzen, Pilze oder Schwämme mit möglicher pharmakologischer Wirkung, oder Insekten als potientielle Bestäuber?
5. Reden ist Silber...
gadus 17.05.2013
Zitat von hirnschlachtAlso wenn das die Arbeit einer monatelangen Studie ist, fühle ich mich leicht hinters Licht geführt. Ich glaube selbst ein gemeiner Abiturient mit Bio-LK und einfachen Paint-Kenntnissen hätte diese Karte ähnlich aussagekräftig erstellen können.
Deswegen ist "glauben" ja auch nicht gleich "wissen". Vielleicht fühlen Sie sich ja bemüssigt, den Artikel im Original zu lesen. Dann verstehen Sie vielleicht, warum ihre Bemerkung nicht klug war. PLOS ONE: Global Patterns of Evolutionary Distinct and Globally Endangered Amphibians and Mammals (http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0063582)
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