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Weltkarte der jungen Inseln: Neuland in Sicht!

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Neue Inseln: Sechs sind geblieben Fotos
Corbis/ Arctic-Images

In der Südsee wächst gerade das neueste Eiland auf Erden. Eine Weltkarte zeigt alle Inseln, die in den letzten 60 Jahren entstanden sind. Manche entwickelten sich zu wahren Paradiesen.

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Hamburg - "Wer entdeckt schon heute noch eine Insel?", frohlockte Kapitän Fredrik Fransson, als er am 11. August 2006 mitten im Pazifik ein dampfendes Eiland erspähte, wo zuvor keines war. Sein Boot bahnte sich bei Flaute den Weg durch einen kilometerbreiten Teppich schwimmender Bimssteine. Das schmierige Zeug verstopfte die Kühlung des Schiffsmotors, der zu überhitzen drohte.

Gerade noch rechtzeitig gelang es dem Segler, in der Abenddämmerung dem Geröllteppich zu entkommen. Am nächsten Morgen entdeckte er die Quelle des Unbills: Aus einem von vier Gipfeln umgebenen Krater schossen Asche und Gestein. Im Südpazifik nahe Tonga hatte sich eine neue Insel aus den Fluten erhoben: Home Reef.

Die Entdeckerfreude währte nicht lange. Home Reef versank im Meer - und erlebte damit das Schicksal der meisten Vulkaninseln, deren Boden großteils aus Asche besteht: Sie sind nicht stabil genug, den Fluten standzuhalten. Sechs junge Inseln jedoch blieben in den vergangenen 60 Jahren. Sie bilden die neuesten natürlichen Flecken auf Erden (kleine flüchtigere Sandinseln ausgenommen):

Capelinhos: Ende September 1957 explodierte vor der Azoreninsel Faial der Meeresboden. Gewaltige Erschütterungen zerstörten Hunderte Häuser. Lava und Asche türmten ein neues Eiland, das sich ein Jahr später mit Faial vereinigte. Die mehr als zwei Quadratkilometer große Halbinsel Ponta dos Capelinhos konnte die Bewohner von Faial jedoch nicht erfreuen. 2000 von ihnen flüchteten nach der Vulkankatastrophe in die USA.

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Surtsey: Am 14. November 1963 entdeckte die Besatzung eines Fischkutters 35 Kilometer vor der Südküste Islands einen Glut und Asche speienden Vulkan. Am nächsten Morgen war eine kleine Insel entstanden. Surtsey im Nordatlantik wurde zum Naturparadies.

Das Eiland überraschte Wissenschaftler: Nicht Pflanzen siedelten sich zuerst an, sondern Fleischfresser. Auf Treibholz gelangten Spinnen zur Insel, und ihre Nahrung ebenfalls: Insekten. Bald keimten einfache Pflanzen wie Salzmiere und Moose. Ihr Samen war im Wasser nach Surtsey getrieben. Einen Schub brachten die Möwen. Im Gefieder trugen sie kleine Tiere und Samen.

Drei Viertel der Pflanzen gelangten mit Vögeln auf die Insel. In den Neunzigerjahren wurden die ersten Regenwürmer und Schnecken gefunden. Außerdem düngten Exkremente der Vögel den kargen Boden. So wandelte sich Surtsey langsam zu einer belebten Insel. Menschen dürfen nicht hinauf, damit das Paradies erhalten bleibt.

Nishinoshima: 1973 spuckte der Pazifik tausend Kilometer südöstlich von Tokio eine dampfende Insel aus. Seither bewachsen zwar nur spärlich Pflanzen das Neuland, aber diverse Tiere kamen: Ameisen, Schmetterlinge, Käfer und Fliegen seien in großer Zahl gesichtet worden, berichten Forscher.

Niijima: 40 Jahre später wuchs nur einen halben Kilometer entfernt die Schwesterinsel Niijima. "Unser Hoheitsgebiet wird sich erweitern", frohlockte der Leiter des Kabinettsekretariats der japanischen Regierung. Und tatsächlich wuchs Niijima stetig. Schließlich vereinigte sie sich sogar mit ihrer Nachbarin. Ihre verlorene Eigenständigkeit musste sie mit ihrem Namen bezahlen. Die vereinigen Inseln heißen nun Nishinoshima.

Zubair-Inseln: Leicht gebebt hätte die Erde, berichteten Bewohner der Küste des Jemen in den Tagen vor Heiligabend 2011. Ansonsten war ihnen nichts Besonderes aufgefallen. Fischer erzählten später, was geschehen war: Eine dampfende Aschesäule habe sich aus dem Ozean erhoben; im Roten Meer sei eine neue Insel zum Vorschein gekommen.

In der Region erheben sich zahlreiche Vulkane und Untiefen über den Meeresgrund, der dort in rund hundert Metern Tiefe liegt. Aber nur wenige Feuerberge ragen über den Meeresspiegel, sie bilden das Zubair-Archipel. 2013 bekam es abermals Zuwachs: Im Oktober erhob sich eine weitere dampfende Insel.

Noch unbenannt: Seit Monaten hatte es unter Wasser gebrodelt im Tongareich. Die Südsee färbte sich Ende vergangenen Jahres grün, weil der Unterseevulkan Hunga Tonga-Hunga Ha'apai Lava und Asche spuckte. Mitte Januar erreichte der Ausbruch die Oberfläche - und gebar eine neue Insel. Das jüngste Land der Erde ist noch namenlos, die Taufrechte liegen beim König von Tonga.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Hoffentlich gelingt es...
chrutchfield 15.02.2015
...dass diese neuen Inseln und Eilande in ihrem ursprünglichen Zustand belassen werden und nicht von irgendwelchen Industrienationen durch die Suche nach irgendwelchen Mineralien und anderen Rohstoffen durchsucht und damit gleich wieder zerstört werden. Am Besten von Anfang an als Weltnaturerbe erklären!
2. Inseln kommen und gehen auch wieder
kritischergeist 15.02.2015
Der Seeboden ist ständig in Bewegung. Unter stationären Hotspots bilden sich Vulkaninseln und der Meeresboden hebt sich. Wandert die Erdkruste weiter entstehen durch den Vulkanismus neue Inseln die sich dann zu Ketten reihen wie wir es von Hawaii kennen. Erlischt der Hotspot senkt sich das Land wieder ab bis nur noch eine Koralleninsel übrig bleibt. Im Pazifik sinken viele Inseln in französisch Polynesien bis zu 7 mm im Jahr. Die Anwohner und Klimaalarmiten schieben das dann auf den Meeresspiegelanstieg. Koralleninseln als Ring um einen versunkenen Vulkan wachsen oft mit dem Meeresspiegel wenn sie geologisch nicht mehr absinken weil der Korallensand im Riff auf der Landmasse abgelagert wird. Sie passen sich sozusagen dem Meeresspiegel an. Leider werden diese Erkenntnisse von den Medien nicht thematisiert oder bewusst verschwiegen. Politisch korrekt zu sein heißt auch an die Überflutung von Inseln durch den Meeresspiegelanstieg zu glauben.
3. @2 Danke für die Info.
2Fast4U 15.02.2015
Bin kein Geologie-Experte aber was sie beschreiben klingt plausibel. Aber das Expertenwissen und Journalismus nicht 1 zu 1 zusammenpassen merkt man an verschiedenen Themen.
4.
noch_ein_neuer_account 15.02.2015
Zitat von chrutchfield...dass diese neuen Inseln und Eilande in ihrem ursprünglichen Zustand belassen werden und nicht von irgendwelchen Industrienationen durch die Suche nach irgendwelchen Mineralien und anderen Rohstoffen durchsucht und damit gleich wieder zerstört werden. Am Besten von Anfang an als Weltnaturerbe erklären!
Am besten die Erde zum Weltnaturerbe erklären, und die Menschheit begeht kollektiven Selbstmord! Wirklich, was hier für Spinner schreiben dürfen!
5.
noch_ein_neuer_account 15.02.2015
Zitat von 2Fast4UBin kein Geologie-Experte aber was sie beschreiben klingt plausibel. Aber das Expertenwissen und Journalismus nicht 1 zu 1 zusammenpassen merkt man an verschiedenen Themen.
...ist so ein bischen wie mit der Erwärmung - dummerweise wachsen sogar viele Südseeinseln (Koralleninseln, nicht Felsinseln)...
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