Weltklimagipfel Kopenhagen sucht den Mammut-Kompromiss

Schon am ersten Tag kämpften die Teilnehmer des Klimagipfels mit einer schier unlösbaren Aufgabe: 1200 Akteure aus 192 Staaten sollen sich auf einheitliche Ziele zur Rettung des Planeten einigen. Trotzdem wird die Konferenz die ökologische und wirtschaftliche Zukunft der Welt verändern.

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Treffen sich 1200 Menschen und wollen sich über Geld einigen.

So beginnt kein schlechter Witz, sondern so hat an diesem Montag der Uno-Klimagipfel in Kopenhagen begonnen. 1200 Delegierte aus 192 Ländern sind angereist. Insgesamt werden 15.000 Menschen an der Konferenz teilnehmen, eigentlich wollten sogar 34.000 mitmachen. Allein, im Konferenzzentrum ist nicht genügend Platz.

Schon angesichts des schieren Ausmaßes des Kopenhagen-Gipfels wird klar, wie schwierig die Verhandlungen werden. Die Delegierten, darunter 110 Staats- und Regierungschefs, sollen bis zum 18. Dezember über nicht weniger als die ökonomische und ökologische Zukunft des Planeten entscheiden - und zwar so, dass alle Staaten von Tuvalu bis China mit dem Ergebnis leben können. Wer nur einmal die Kreisverbandssitzung einer deutschen Partei miterlebt hat, dürfte Zweifel hegen, ob ein solches, ungleich komplexeres Unterfangen gelingen kann.

Vor zwei Jahren hatte sich die Staatengemeinschaft auf der indonesischen Insel Bali selbst die Aufgabe gestellt, in Kopenhagen ein völkerrechtlich verbindliches Klimaschutz-Abkommen zu beschließen. Es sollte den Kyoto-Vertrag ablösen, der 2012 ausläuft.

Dazu aber wird es aller Voraussicht nach nicht kommen. US-Präsident Obama hat zwar seine Pläne geändert und wird nun in der entscheidenden Phase des Gipfels doch anwesend sein. Doch sein Spielraum ist begrenzt: Daheim hängt das neue Klimaschutzgesetz seit Wochen im Parlament fest. Große Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien wiederum haben sich bereits festgelegt, dass sie bindenden Zielen zur Senkung des Treibhausgasausstoßes in Kopenhagen nicht zustimmen werden. Auch innerhalb der EU gibt es noch große Differenzen über die Klimaschutzziele.

Hoffen auf die Klima-Torte

Dennoch hoffen Umweltschützer und Vertreter der Vereinten Nationen auf eine weitreichende politische Einigung. Yvo de Boer, Chef des Uno-Klimasekretariats, entwarf am Montag in seiner Eröffnungsrede die Vision eines "idealen Weihnachtskuchens" mit drei Schichten. Den Boden bilde die Übereinkunft, unverzüglich im Kampf gegen den Klimawandel und seine Folgen aktiv zu werden. Die zweite Lage enthalte ehrgeizige Ziele zur Treibhausgasreduktion und Finanzzusagen für die Entwicklungsländer. Der Tortenguss bestehe aus einer gemeinsamen Vision für die fernere Zukunft.

Teile dieser Torte gibt es bereits. Der Boden ist weitgehend zubereitet: An öffentlichen Willensbekundungen der wichtigsten Regierungen, umgehend mit dem Kampf gegen den Klimawandel zu beginnen, herrscht kein Mangel. Auch der Tortenguss ist schon fertig: Die Vision einer fernen Zukunft, die frei ist von fossilen Energieträgern, katastrophalen Wetterereignissen und Millionen von Klimaflüchtlingen wurde bereits oft und in vielen Details ausgemalt.

Die mittlere Schicht der Torte aber ist noch nicht einmal angerührt, geschweige denn im Ofen. Selbst über die Zutaten ist sich die dreistellige Zahl der Köche nicht einig. Schon die Bali-Konferenz hat gezeigt, wie schwierig es für die Regierungen ist, sich auf ein gemeinsames Ziel zu einigen. Noch viel kniffliger aber ist die Frage, wer wie viel zum Gelingen beitragen soll.

Die große Klimaziel-Verwirrung

Zwar haben viele Staaten eine Reduzierung ihrer Emissionen zugesagt. Manche Länder machen dies aber vom Verhalten anderer Staaten abhängig, manche verlangen finanzielle und technische Hilfe. Auch die Klimaziele selbst sind verwirrend und nur schwierig miteinander vergleichbar:

  • Die Europäische Union hat sich schon seit längerem auf eine Reduzierung der Emissionen um 20 Prozent bis 2020 geeinigt, der Bezugspunkt ist das Jahr 1990.
  • US-Präsident Barack Obama hat zugesagt, die Emissionen seines Landes bis zum Jahr 2020 um 17 Prozent zu senken - allerdings gegenüber 2005. Nimmt man als Vergleichsjahr 1990 an, bleibt eine Senkung von nur drei bis vier Prozent übrig. Bis 2030 will Obama die Emissionen der USA um 41 Prozent, bis 2050 um 83 Prozent reduzieren - vorausgesetzt, der Kongress spielt mit, was alles andere als sicher ist.
  • Japan und Russland haben zugesagt, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 Prozent gegenüber 1990 senken - allerdings unter der Bedingung, dass andere Staaten sich ebenfalls dazu bereit erklären.
  • China will die CO2-Intensität - die Emissionen relativ zur Wirtschaftsleistung - um 40 bis 50 Prozent bis 2020 senken, das Bezugsjahr soll 2005 sein.
  • Einen ähnlichen Weg schlägt Indien ein: Die Emissionen sollen bis 2020 um 20 bis 25 Prozent pro erwirtschafteter Rupie sinken, als Vergleich dient das Jahr 2005.

Worauf sich die Regierungschefs einlassen werden, hängt davon ab, ob sie ihre in Kopenhagen gemachten Zusagen in ihren eigenen Ländern vermitteln können. Zwar hält laut einer aktuellen Umfrage der britischen BBC eine deutliche Mehrheit der Menschen weltweit die Erderwärmung für ein wichtiges Thema. Die in 23 Ländern erhobenen Daten zeigten, dass 64 Prozent der Befragten den Klimawandel als "ernstes Problem" ansehen. 1998 waren demnach nur 44 Prozent dieser Ansicht.

Forum - Klimakonferenz Kopenhagen - was soll die Welt beschließen?
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Seite 1
Klo, 30.11.2009
1.
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Irgendwas. Aber man wird sich auch diesmal nicht durchringen können, irgendwas zu beschließen. Folglich wird auch diese Konferenz wieder eine sinnlose Farce.
Edgar, 30.11.2009
2.
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Eine kritische Reevaluierung der Daten, Methoden und Aussagen des 'Weltklimarats'.
Angler29, 30.11.2009
3.
Zitat von EdgarEine kritische Reevaluierung der Daten, Methoden und Aussagen des 'Weltklimarats'.
.....und als Konsequenz, dessen Abschaffung.
de.nada 30.11.2009
4.
Zitat von KloIrgendwas. Aber man wird sich auch diesmal nicht durchringen können, irgendwas zu beschließen. Folglich wird auch diese Konferenz wieder eine sinnlose Farce.
Na also was soll den schon beschlossen werden, wenn das so vom IPCC empfohlen wird wie am Ende des Artikels zu lesen ist ? "Der Weltklimarat (IPCC) hat von den Industriestaaten gefordert, die Emissionen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent zu senken. Dazu sagte Steiner: "Es klafft noch eine große Lücke, aber sie beginnt sich zu schließen." Die geforderten 25 bis 40 Prozent seien von den Potentialen her "durchaus zu schaffen", wie diverse Studien gezeigt hätten." Das ist ja sehr genau angedeutet möchte man als Leser da ausrufen. Das Viertel der Weltbevölkerung das "God save the Queen" sagen kann, hat's da doch wesentlich einfacher.
saul7 30.11.2009
5. Die
Zitat von sysopDer Druck auf die USA, China und andere Staaten steigt. Jetzt schlug der dänische Gastgeber in einem Verhandlungspapier vor, die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Was soll die Welt Ihrer Meinung nach im Einzelnen beschließen?
Welt möge verbindliche und effektive Beschlüsse fassen, um die herannahende Klimakatastrophe aufzuhalten. Dazu wäre es nötig, dass alle Staaten ihre Partikularinteressen hintanstellen. Ein Traum und wahrscheinlich unerfüllbar...
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