Weltklimakonferenz 18 Staaten verkünden Verzicht auf Kohleenergie

Massenaustritt aus der Kohle: Auf der Weltklimakonferenz haben 18 Staaten erklärt, auf die abgasintensive Energieform verzichten zu wollen. Die Ankündigung bringt die deutsche Bundesregierung in die Defensive.

Kohlekraftwerk Mehrum
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Kohlekraftwerk Mehrum

Aus Bonn berichtet


Kohleenergie gilt als Haupttreiber der globalen Erwärmung, als Energiequelle, die das meiste Treibhausgas freisetzt. Auf der Weltklimakonferenz in Bonn haben am Donnerstag 18 Staaten gemeinsam erklärt, dass sie in den nächsten Jahren auf Kohleenergie verzichten wollen.

Manche der Länder nutzen allerdings schon jetzt keine Kohlekraft, andere wenig davon. Insgesamt bringen es alle 18 nur auf drei Prozent der weltweiten Kohleenergie.

Der Initiative Kanadas und Großbritanniens haben sich in Bonn angeschlossen: Angola, Belgien, Costa Rica, Dänemark, Fidschi, Finnland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Marshallinseln, Mexiko, die Niederlande, Neuseeland, Österreich, Portugal, die Schweiz.

Zudem sind Bundesstaaten der USA, Provinzen Kanadas und einige Großstädte dabei, sowie die Pazifikinsel Niue, die mit Neuseeland durch einen Assoziierungsvertrag verbunden ist.

"Wir hoffen, dass unsere globale Allianz nächstes Jahr auf 50 Mitglieder angewachsen sein wird", sagte Großbritanniens Umweltministerin Claire Perry dem SPIEGEL.

Besonders Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sorgte auf der Klimakonferenz für Begeisterung, weil er mit seinem Land schon bis 2021 aus der Kohleenergie aussteigen. Indes spielt auch im französischen Energiemix Kohle kaum eine Rolle.

Kanadas Ausstieg soll gelingen, indem Kohlestrom künstlich verteuert wird. Ab nächstem Jahr soll jede Tonne CO2, das aus Kohleverbrennung stammt, pro Jahr um zehn Dollar verteuert werden. Das Land hat ein Emissionslimit eingeführt, das normale Kohlekraftwerke ab 2030 unterbinden soll.

Filip Singer/EPA-EFE

"Ab 2030 sollen nur noch Kraftwerke mit CCS-Technologie betrieben werden können, bei denen das CO2 abgeschieden und gespeichert wird", sagte die kanadische Umweltministerin Catherine McKenna. Manche Kohlekraftwerke könnten auch auf Erdgas umgestellt werden, bei dessen Verbrennung weniger CO2 entsteht.

"Ein riesiger Schritt"

Die Ankündigung bringt die deutsche Bundesregierung und andere Staaten mit hohem Anteil an Kohleenergie in die Defensive: Deutschlands Strom stammt zu mehr als einem Drittel aus der Verbrennung von Kohle.

Während jedoch sowohl Kanada als auch Großbritannien weiter auf Atomkraftwerke setzen, hat Deutschland den Ausstieg aus der Nuklearenergie beschlossen - der Verzicht auf Kohle fällt schwerer.

"Wir wurden gefragt, ob wir da mitmachen", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. "Ich habe um Verständnis gebeten, dass wir das nicht im Vorgriff auf die nächste Regierung entscheiden können. Die Initiative wird uns aber auf dem Laufenden halten."

Die meisten der teilnehmenden Industriestaaten setzen neben erneuerbaren Energien und Erdgas weiterhin auf Atomkraft. Neuseeland, Costa Rica, Dänemark und die Schweiz indes verfügen seit Langem über ein gut ausgebautes Netz aus Windkraft, Wasserkraft und Sonnenenergie.

Um den Weltklimavertrag zu erfüllen, der eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, müssten möglichst viele Staaten bis 2030 aus der Kohle aussteigen, heißt es in einer Erklärung des Bündnisses. Der Abschied von der Kohleverstromung sei "einer der wichtigsten Schritte, die Regierungen ergreifen können, um dem Klimawandel zu begegnen."

Bei Umweltgruppen stößt die Initiative auf lobende Reaktionen: "Die heutige Ankündigung ist ein riesiger Schritt", sagt etwa Christoph Schott von Avaaz.



insgesamt 164 Beiträge
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erzengel1987 16.11.2017
1. kohle bleibt immernoch sauberer als atomstrom
akw müssen zuerst abgeschaltet werden weil akw die teuerste methode ist strom hu produzieren
Msc 16.11.2017
2.
Kommt jetzt der Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg aus der Kernkraft? Merkel machts möglich. Womöglich.
schwerpunkt 16.11.2017
3.
Ich wäre noch mehr beeindruckt, wenn China und/oder Indien zu diesen 18 Staaten gehören würden.
kitschfilmschurke 16.11.2017
4. Dland bleibt rückständig
Eigentlich sind es nur die Corruptionsparteien, die weiter auf Kohle setzen wollen, aber der deutsche Wähler mag nunmal keine Intellektuellen und lässt sich auch nicht zwingen. Für Rechtsextreme findet sich dagegen immer noch ein Platz im Herzen und im Bundestag.
blabla55 16.11.2017
5. Spitzenreiter in hohlen Phrasen.
EU verklagt Deutschland wegen mangelnden Grundwasserschutzes. EU-Kommission will Deutschland verklagen wegen zu hoher Stickstoff-Grenzwerte. Noch Fragen?
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