Weltrisikobericht Wo es auf der Erde am gefährlichsten ist

Erdbeben, Tsunamis, Stürme: Eine Weltrangliste zeigt, wo das Risiko am höchsten ist, an den Folgen einer Naturkatastrophe zu sterben.

AFP

Wie schnell kommt Hilfe? Wie viele Menschen können sich in Sicherheit bringen? Funktioniert die Trinkwasserversorgung auch im Notfall? Solche Fragen entscheiden während einer Naturkatastrophe über Leben und Tod. Eine weltweite Analyse zeigt nun, welche Länder besonders gefährdet sind - und offenbart dabei ein grausames Gesetz. Denn meist entscheidet noch immer der Reichtum eines Landes darüber, wie viele Menschen bei Naturkatastrophen überleben.

Das "Bündnis Entwicklung Hilft", bei dem sich mehrere Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben, veröffentlicht den Weltrisikobericht seit sechs Jahren, die wissenschaftliche Leitung hat Prof. Dr. Katrin Radtke vom Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht der Ruhr-Universität Bochum. Der Index umfasst Daten aus 171 Ländern. Die Forscher berücksichtigen bei der Analyse nicht nur, wie häufig Länder statistisch betrachtet von Naturkatastrophen heimgesucht werden, sondern auch, wie gut sie darauf vorbereitet sind.

Diese Weltkarte zeigt das Risiko für die jeweiligen Länder:

So gefährlich ist die Welt

Der WeltRisikoIndex gibt an, wie stark Länder von Naturgewalten gefährdet sind.

Die Werte zu den einzelnen Ländern finden Sie außerdem in dieser Tabelle:

WeltRisikoIndex 2018

Land Index
Afghanistan 10,45
Ägypten 1,90
Äquatorialguinea 5,13
Albanien 9,22
Algerien 7,54
Angola 10,31
Argentinien 3,32
Armenien 6,06
Aserbaidschan 5,46
Äthiopien 7,15
Australien 4,41
Bahamas 4,34
Bahrain 2,73
Bangladesch 17,38
Barbados 1,4
Belgien 2,77
Belize 7,73
Benin 11,04
Bhutan 7,56
Bolivien 4,58
Bosnien und Herzegowina 4,67
Botswana 4,94
Brasilien 4,25
Brunei Darussalam 18,82
Bulgarien 4,09
Burkina Faso 9,82
Burundi 8,99
Chile 11,15
China 5,80
Costa Rica 16,56
Dänemark 2,68
Deutschland 2,42
Dominikanische Republik 10,77
Dschibuti 13,90
Ecuador 8,10
El Salvador 15,95
Elfenbeinküste 8,28
Eritrea 5,62
Estland 2,25
Fidschi 16,58
Finnland 2,06
Frankreich 2,34
Gabun 6,52
Gambia 10,92
Georgien 5,47
Ghana 8,43
Grenada 1,39
Griechenland 6,56
Guatemala 20,60
Guinea 7,99
Guinea-Bissau 13,4
Guyana 23,23
Haiti 11,86
Honduras 10,19
Indien 6,83
Indonesien 10,36
Irak 4,93
Iran 4,28
Irland 4,06
Island 1,61
Israel 2,20
Italien 4,12
Jamaika 11,22
Japan 11,08
Jemen 6,43
Jordanien 4,41
Kambodscha 16,07
Kamerun 11,81
Kanada 2,63
Kap Verde 11,52
Kasachstan 3,50
Kiribati 15,42
Katar 0,36
Kenia 7,00
Kirgistan 7,25
Kiribati 15,42
Kolumbien 6,42
Komoren 8,36
Republik Kongo 6,52
Kroatien 3,59
Kuba 6,06
Kuwait 3,39
Laos 5,30
Lesotho 8,20
Lettland 2,90
Libanon 4,75
Liberia 8,52
Libyen 3,66
Litauen 2,38
Luxemburg 2,16
Madagaskar 10,89
Malawi 8,02
Malaysia 6,44
Mali 9,61
Malta 0,57
Marokko 6,13
Mauritanien 8,53
Mauritius 14,27
Mazedonien 5,59
Mexiko 5,88
Moldawien 3,84
Mongolei 2,46
Mosambik 9,52
Myanmar 7,49
Namibia 5,79
Nepal 5,44
Neuseeland 4,71
Nicaragua 13,99
Niederlande 7,45
Niger 11,34
Nigeria 8,34
Norwegen 2,29
Oman 2,69
Österreich 2,92
Pakistan 6,11
Panama 7,28
Papua-Neuguinea 20,88
Paraguay 3,35
Peru 6,45
Philippinen 25,14
Polen 2,94
Portugal 3,13
Ruanda 7,10
Rumänien 5,46
Russische Föderation 3,42
Salomonen 23,29
Sambia 6,88
Samoa 6,71
Saudi-Arabien 1,25
Schweden 2,19
Schweiz 2,23
Senegal 10,51
Serbien 6,68
Seychellen 4,59
Sierra Leone 11,49
Simbabwe 10,23
Singapur 2,31
Slowakei 3,11
Slowenien 3,23
Spanien 2,8
Sri Lanka 7,65
Südafrika 5,75
Sudan 9,41
Südkorea 3,82
Suriname 7,2
Swasiland 5,85
Syrien 5,53
Tadschikistan 5,85
Tansania 9,01
Thailand 6,12
Osttimor 16,05
Togo 9,35
Tonga 29,42
Trinidad und Tobago 7,86
Tschad 11,88
Tschechische Republik 3,1
Tunesien 5,41
Türkei 4,73
Turkmenistan 6,20
Uganda 6,90
Ukraine 2,90
Ungarn 5,01
Uruguay 3,36
Usbekistan 7,99
Vanuatu 50,28
Venezuela 7,03
Vereinigte Arabische Emirate 2,99
Vereinigte Staaten von Amerika 3,42
Vereinigtes Königreich 3,31
Vietnam 11,35
Weißrussland 2,77
Zentralafrikanische Republik 6,44
Zypern 2,53
Andorra* -
Antigua und Barbuda* -
Demokratische Republik Kongo* -
Dominica* -
Föderierte Staaten von Mikronesien* -
Liechtenstein* -
Malediven* -
Marshallinseln* -
Monaco* -
Montenegro* -
Nauru* -
Nordkorea* -
Palau* -
St. Kitts und Nevis* -
St. Lucia* -
St. Vincent und die Grenadinen* -
San Marino* -
São Tomé und Príncipe* -
Somalia* -
Südsudan* -
Tuvalu* -

Quelle: WeltRisikoIndex;
Der WeltRisikoIndex gibt an, wie stark Länder von Naturgewalten gefährdet sind. Risiko sehr gering: 0,36 - 3,15; gering: 3,16 - 5,45; mittel: 5,46 - 7,13; hoch: 7,14 - 10,43; sehr hoch: 10,44 - 50,28
*Länder, die aufgrund unvollständiger Datenlage nicht im WeltRisikoIndex enthalten sind;

"Katastrophenrisiken sind ungleich verteilt, sie betreffen vor allem Inselstaaten und Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen in Ozeanien, Asien und Mittelamerika", schreiben die Forscher in dem Bericht.

Besonders entscheidend ist demnach der Faktor Infrastruktur. Denn nur, wenn es beispielsweise genügend Straßen und Flughäfen gibt, können sich die Menschen schnell in Sicherheit bringen und Rettungskräfte die Krisengebiete erreichen. Auch ein stabiles Stromnetz, die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und ausreichende Krankenhäuser und Ärzte retten im Fall einer Naturkatastrophe Menschenleben.

Selbst in reichen Ländern wie den USA kann es daran hapern, wie der Hurrikan "Sandy" im Jahr 2012 zeige. Damals brach das Stromnetz zusammen, Rettungsarbeiten kamen nur schwer voran.

Auch die ungewöhnliche Trockenheit in diesem Sommer in Europa verdeutlicht laut den Forschern die Unterschiede zwischen den Ländern. Während es beispielsweise in Deutschland zu erheblichen Ernteeinbußen kam, sei die große Katastrophe dennoch ausgeblieben, weil Europa die Verluste besser ausgleichen konnte. In Dürreregionen wie dem Horn von Afrika oder der Sahelzone wären die Folgen deutlich schwerwiegender gewesen, schreiben die Autoren.

Diese Regionen sind besonders gefährdet

Ganz oben auf der Liste der gefährdeten Gebiete stehen die Pazifikinseln: Vanuatu und Tonga. Das heißt: Dort ist das Risiko, bei einer Naturkatastrophe ums Leben zu kommen, am höchsten. Die Region ist besonders von Erdbeben, Tsunamis und Stürmen bedroht. Ebenfalls häufig betroffen sind die Philippinen, wo die Menschen außerdem mit Vulkanausbrüchen und Erdrutschen rechnen müssen. Als besonders gefährdet gelten auch Mittelamerika, West- und Zentralafrika sowie Südostasien.

Deutschland steht im internationalen Vergleich auf dem 155. Platz von 171. Am sichersten ist es dem Index zufolge in Katar. Das mag überraschen, doch der Wüstenstaat ist im Vergleich zu anderen Ländern deutlich seltener von extremen Naturereignissen betroffen. Zu den Regionen mit dem geringsten Katastrophenrisiko gehören auch Malta und Saudi-Arabien. Hier sehen Sie ein Ranking der einzelnen Länder:

Erst vor Kurzem hatte ein Uno-Bericht gezeigt: Die Zahl der Naturkatastrophen ist rapide gestiegen. Zwischen 1997 und 2017 starben demnach weltweit 1,3 Millionen Menschen an den Folgen. 4,4 Milliarden Menschen erlitten Verletzungen oder verloren ihre Lebensgrundlage. Die Forscher des Weltrisikoberichts warnen nun, die Situation könnte sich durch die Erderwärmung sogar noch deutlich verschärfen. Denn laut der Uno haben besonders die Umweltkatastrophen zugenommen, die vom Klimawandel beeinflusst werden. Dazu zählen die Forscher beispielsweise Überschwemmungen, Stürme, Hitzewellen, Dürren und Waldbrände.

Kinder sind am häufigsten betroffen

Die Analyse des Weltrisikoberichts zeigt jedoch auch positive Entwicklungen. So sind die Menschen heute weltweit deutlich besser für Naturkatastrophen gerüstet als noch vor sechs Jahren. Allerdings sind es noch immer Kinder, die am meisten leiden. Laut Unicef lebt fast jedes vierte Kind in Gebieten, die von Katastrophen betroffen sind. Über 68 Millionen Menschen mussten im vergangenen Jahr ihre Heimat verlassen, mehr als die Hälfte von ihnen waren Kinder unter 18 Jahren.

koe

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
AxelSchudak 19.11.2018
1. Niederlande...
Die Niederlande stechen in Europa schon heraus... und wer hier in Deutschland in Sichtweite des Deiches lebt, der teilt wohl eher die niederländische Quote als die von Resteuropa.
Watschn 19.11.2018
2. Ui, ..da hat man wichtige bevölkerungsintensive Regionen ausgelassen..
Da wäre vorallem die erbebengefährdeste Regionen des pazifischen Feuerrings zu nennen, welcher (über Chile, Equador, Kolumbien, Mittelamerika), dann der Westküste Kaliforniens entlang bis über Alaska, (via Aleuten über das russ. Kamtschatka) via Wladivostok, u. schliesslich (nach Japan, Philipinen, chin. Pazifiküste, Vietnam, und Indonesien, Papaneuginea), ...sich von Nord bis Süd über Neuseeland durchzieht. Ausserdem tangiert ist auch das sehr besiedelte Hawaii. Zudem ist der starke Erdbebengürtel vom Iran über die Türkei, Griechenland bis Italien reell viel stärker ausgeprägt, als in der Skizze. Und das Island in Hinblick auf Erdbeben (vulk. Aktivität) grün gezeichnet ist, ist ja wohl unrealistisch...
Proggy 19.11.2018
3.
Nach dieser Karte ist das Risiko von angeblich extrem gefährdeten Gegenden in den USA wohl eher der jährlichen medialen 'saure Gurkenzit' oder dem Sommerloch geschuldet. Super-Erdbeben in San Francisco, Supervulkan unter Yellowstone und Co. sind demnach doch nicht so akut 'gefährlich nahe', wie gerne mal berichtet wird?
dirk.resuehr 19.11.2018
4. Wie man sich irren kann
Paßt im Moment überhaupt nicht ins -Katastrophenbild. Viel interessanter für Touristen ist der Numbeo- Crime- Index. Erstaunlich viele US-Städte darin, sicherer ist-trotz Söder- München-ganz unten- also recht sicher!
fneisser 19.11.2018
5.
Der Begriff "Naturkatastrophen" wird in der Forschung und Lehre seit geraumer Zeit (seit Jahrzehnten!) nicht verwendet, da dieser die sozioökonomischen Prozesse und Zusammenhänge, welche eine Katastrophe ausmachen verschleiert. Naturereignisse können Naturgefahren/Naturrisiken darstellen und diese können sich zu Katastrophen ausweiten. Doch dafür sind allein die menschlichen Faktoren wie (fehlende) Vorsorge, (fehlende) Vorbereitung, Siedlungsstrukturen, soziale Ungleichheit, (fehlende) strukturelle Anpassungsmaßnahmen, infrastrukturelle Gegebenheiten, sozialräumliche Verteilung von Bevölkerungsgruppen und dergleichen mehr entscheidend. Eine Reduzierung auf den Terminus "Naturkatastrophen" ist nicht nur wissenschaftlich nicht haltbar, sondern zudem problematisch, da somit einer Verschleierung von Ursachen, Dynamiken und komplexeren Zusammenhängen weiter Vortrieb geleistet wird. Liebe(r) Autor/in, bitte achten Sie bei derartigen Artikeln auf die Wortwahl und infomieren Sie sich in der Fachliteratur über den Stand der wissenschaftlichen Debatte. Vielen Dank. Der "Weltrisikobericht" (welcher anderen Kritikpunkten, wie einer wenig aussagekräftigen Betrachtung auf Nationalstaatsebene und somit containerräumlichen Nichtberücksichtigung von durchaus sehr unterschiedlichen Entwicklungen und Zuständen innerhalb dieser Nationalstaaten, sowie der Stigmatisierung von ganzen Regionen, unterliegt) heisst auch nicht von ungefähr WeltRISIKObericht.
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