Dank Röntgenverfahren Wespen-Parasiten in Fliegenfossilien entdeckt

Sie ernährten sich einst von ungeschlüpften Insekten: Im Inneren fossiler Fliegenpuppen haben Forscher bisher unbekannte Wespenarten gefunden. Inspiration bei der Namensgebung lieferten "Alien"-Filme.

Computer-Visualisierung von Millionen Jahre alten Fliegenpuppen
Georg Oleschinski/Uni Bonn/Thomas van de Kamp/KIT/Nature Communications/dpa

Computer-Visualisierung von Millionen Jahre alten Fliegenpuppen


Fossilien sind für Forscher ein ziemlicher Glücksfall. Die Zeugnisse der Erdgeschichte bargen bereits so manche Überraschung, so auch bei 30 Millionen Jahre alten Fliegenpuppen, die Wissenschaftler nun untersucht haben.

Dazu setzten sie moderne Röntgenverfahren ein - und entdeckten Wespenlarven. Sie stammen von einer Art, die einst parasitisch lebt. Wie das Naturkundemuseum Stuttgart mitteilte, konnten vier bisher unbekannte, inzwischen längst ausgestorbene - Wespenarten benannt und wissenschaftlich beschrieben werden.

"Noch nie konnten parasitische Wespen im Inneren von Insektenfossilien in dieser Detailgenauigkeit untersucht werden", sagte der Stuttgarter Insektenforscher Lars Krogmann. "Unsere Daten liefern neue Erkenntnisse zur Evolution dieser erfolgreichen Tiergruppe." Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlicht.

Analysiert wurden mehr als 1500 fossile Fliegenpuppen, die im 19. Jahrhundert in Minen der südfranzösischen Region Quercy entdeckt wurden und zu Sammlungen in Basel und Stockholm gehören. Mittels sogenannter Synchrotron-Röntgen-Mikrotomographie konnten Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) die inneren Strukturen der Puppen hochaufgelöst sichtbar machen.

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Neu entdeckte Schlupfwespe: Kleines Tier, großer Stachel

Jede der knapp drei Millimeter großen Fliegenpuppen wurde durchleuchtet. In 55 von ihnen befand sich den Angaben zufolge ein Parasit. "Die weibliche Wespe hat mit ihrem Legestachel ein Ei in eine Fliegenpuppe gelegt", erklärte Krogmann. Im Inneren der Puppenhülle habe sich die Wespenlarve entwickelt, die sich dann von der ungeschlüpften Fliege ernährt habe. Solche als Schlupfwespen bezeichneten Insekten sind auch heute verbreitet, sie legen ihre Larven in Schmetterlingen, Käfern oder auch in Spinnenkokons ab. Erst kürzlich entdeckten Forscher eine Art mit einem besonders großen Stachel.

Die fossile Wespenart, die von den Forschern am häufigsten gefunden wurde, erhielt den Fachnamen Xenomorphia resurrecta. Xenomorphia ist eine Anspielung auf die als "Xenomorph" bezeichneten Wesen aus der Science-Fiction-Filmreihe "Alien", die sich ebenfalls als Parasiten im Inneren eines Wirts entwickeln. Das Wort "resurrecta" verweist auf die digitale Wiederauferstehung der ausgestorbenen Art.

"Unser Projekt beweist, dass es sich lohnt, alte Sammlungen mit modernster Technik neu zu erforschen", sagte Projektkoordinator Thomas van de Kamp vom Laboratorium für Applikationen der Synchrotronstrahlung (LAS) des KIT.

joe/dpa



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