Wetter-Apps Streit der Wetterdienste eskaliert

Der Deutsche Wetterdienst darf seine Wetter-App nicht kostenlos anbieten - und stänkert im Internet gegen einen privaten Wetterdienst. Der Ärger erreicht die Bundesregierung.

Himmel über Neunkirchen in Österreich
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Himmel über Neunkirchen in Österreich

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Das Urteil des Landgerichts Bonn war deutlich: Der Deutsche Wetterdienst DWD verstößt mit seiner Wetter-App "Warnwetter" gegen das Gesetz.

Das Urteil bestätigt zwar, dass der DWD Informationen über Wettergefahren bereitstellen soll. Allgemeine Wetterdaten allerdings, die auch private Firmen anbieten, dürfe der staatliche Wetterdienst nicht kostenfrei zur Verfügung stellen.

Die Begründung: Der mit Steuern finanzierte DWD steigere seine Marktmacht auf Kosten der werbefinanzierten Firmen. Das Urteil fiel am 15. November. Der private Dienst WetterOnline hatte das Gerichtsurteil erwirkt, er hatte 2015 gegen die Wetter-App des DWD geklagt.

"Uns interessiert Ihre Meinung"

Der DWD hat angekündigt, in Berufung gehen zu wollen. Doch erst mal geschah nichts, die Warnwetter-App des DWD blieb weiterhin kostenfrei verfügbar.

Erst am 19. Dezember aktivierte der DWD eine Bezahlschranke für seine App. "Der DWD hat sich erst auf Grund der nunmehr jederzeit möglichen Zwangsvollstreckung an das Urteil gehalten", erklärt WetterOnline. Alles sei einwandfrei abgelaufen, entgegnet der DWD. Doch auch damit war die Sache nicht entschieden.

Auf sozialen Medien macht der DWD deutlich, wer ihm zufolge die Schuld trage, dass Warnwetter-App-Kunden nun rechtmäßig zahlen müssen: "Grund? Klage von WetterOnline", twittert der DWD und fragte: "Uns interessiert Ihre Meinung: Was halten Sie davon?"

Shitstorm gegen den privaten Dienst

Damit war der Shitstorm gegen Wetteronline, eine Lawine wütender Internetkommentare, vorprogrammiert. Kommentatoren riefen zur Kündigung von WetterOnline-Apps auf und warben für den DWD.

Eine häufige Beschwerde lautete: Dem Bürger würden mit Steuergeld finanzierte Leistungen des DWD mit der Bezahlschranke ein zweites Mal bepreist. Dem Gericht jedoch ging es ums Wettbewerbsrecht: Der Staat dürfe gegenüber Unternehmen nicht bevorteilt werden.

Der Sachlage zum Trotz bündelte das große Internetportal T-Online den Shitstorm unter der Überschrift: "WetterOnline erzürnt viele App-Nutzer". Spätestens jetzt war klar: WetterOnline hatte recht bekommen, aber in der Öffentlichkeit verloren.

Der staatliche Wetterdienst versuche WetterOnline zu schaden, beschwert sich das Unternehmen: "Es ist offensichtlich, dass der DWD in Form einer Art Retourkutsche darauf abzielt, WetterOnline in der Öffentlichkeit an den Pranger zu stellen", erklärt es in einer Stellungnahme. "Wir verwahren uns gegen diese Vorwürfe", entgegnet der DWD.

"Das ist ungeheuerlich"

Heftig kritisiert WetterOnline, dass der Staat ein Gerichtsurteil nicht respektieren würde: "Es ist ungeheuerlich, dass die Bundesrepublik Deutschland durch ihre Bundesoberbehörde DWD auf diesem Weg, mit diesen Mitteln und in diesem Tonfall Urteilsschelte über soziale Medien betreibt."

In einem siebenseitigen Schreiben an das zuständige Bundesverkehrsministerium, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, protestiert WetterOnline und fordert das Einschreiten des Ministeriums. Auf Anfrage erklärte das Verkehrsministerium wortkarg: Der DWD habe sich rechtlich sauber verhalten.

Zugleich aber suggeriert der DWD, das Gericht hätte Unrecht gesprochen: Das Landgericht Bonn verlange, dass der DWD den Bürgern "wichtige Informationen über Unwettergefahren nur noch eingeschränkt" bereitstelle, schreibt der staatliche Wetterdienst in einer Pressemitteilung.

In Berufung

Tatsächlich aber hatte das Landgericht festgestellt: "Sobald der DWD eine amtliche Warnung herausgibt, ist dieses Handeln nicht vom Klageantrag umfasst" - Warnungen also bleiben kostenfrei. Und ob gewarnt werde, entscheide der DWD selbst.

Der Deutsche Wetterdienst will dennoch in Berufung gehen: "Es ist bekanntermaßen im Streit zwischen der privaten Dienstleisterin und dem DWD, welche Informationen als Warninformationen gelten und welche nicht", schreibt der DWD. "Der Tenor des nicht rechtskräftigen, aber vorläufig vollstreckbaren Urteils aus Bonn erfasst auch solche Darstellungen, die nach Auffassung des DWD zu den Warninformationen zählen."



insgesamt 68 Beiträge
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richey_edwards 22.12.2017
1.
Wenn man die Vorhersagequalität des DWD bei z.B. Sturm Lothar bedenkt ist schon klar warum die Ihre Leistungen verschenken müssen.
SirTurbo 22.12.2017
2.
Es ist schon geil. Der Bürger zahlt das offenbar notwendige Amt sowieso. Aber wenn er davon Nutzen ziehen soll, der fast keine extra Kosten verursacht (Die Daten sind eh vorhanden, die Auswertung wohl auch - bleiben nur noch App und Co) dann kommt irgendein Privater an und beschwert sich daß sein Geschäftsmodell gefährdet ist. Frage mich, wann private Sicherheitsdienste die Polizei verbieten lassen. Nicht daß ich Fan der BRD-Polizei wäre, aber besser wäre das nun auch nicht. Wir leben halt im Kapitalismus.
chuba-1 22.12.2017
3. Müssen Schulen jetzt auch kostenpflichtig werden?
Nach der Logik des Urteils darf der Staat ja nichts kostenlos anbieten, wofür andere Leute Geld haben wollen. Also ab jetzt Schulen, Universitäten, Straßen, Sicherheitskräfte nur noch gegen Geld, da dort ja immer Konkurrenz zu Wirtschaftsunternehmen besteht.
Cirrus 22.12.2017
4. Tja... Es sind die Nachwehen von Dobrindt.
Dobrindt wollte ja noch im Frühjahr 2017 das Gesetz ändern, damit der seinem Ministerium zugeordnete DWD nicht krachend den Prozess verliert. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Während eines laufenden Prozesses verändert der Angeklagte das Gesetz, um einer Verurteilung zu entgehen. Das Parlament hat da aber nicht mitgespielt und so wird wieder einmal erst durch Gericht offenkundig, dass der Staat unsere Steuern zum Fenster hinauswirft und dabei auch noch illegal handelt. Wenn man bedenkt, dass es hier nur ums Wetter geht, dann möchte man gar nicht wissen, was in Bereichen passiert, die eine größere Bedeutung für unser Leben haben.
niewieda 22.12.2017
5. DWD ist einfach gut!
Ich habe DWD erst seit kurzem installiert, finde den Wetterdienst für meine Zwecke sehr gut. Die € 1,99 habe ich gerne bezahlt, sie sind es mir wert zum Unterschied zu dem kommerziellen Wetterschrott.
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