Märzwinter Gefühlt minus 50 Grad, jetzt droht Sonnenbrand

Sturm und Schnee beeinträchtigen den Verkehr in Deutschland - zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Und nun könnte die Sonne zum Problem werden.

DPA

Der Sturm im Harz hatte beinahe Hurrikanstärke. Mit 115 km/h schossen Böen über den Brocken, berichtete Wetterbeobachter Marc Kinkeldey der Deutschen Presse-Agentur.

Das Thermometer zeigte minus 15 Grad - aber die Luft hätte sich wegen des Sturms wie minus 50 Grad angefühlt, sagte Kinkeldey. Je stärker der Wind, desto niedriger die gefühlte Temperatur - Sturm verweht auch kleinste Wärmepolster auf der Haut.

Zugleich legte sich eine dicke Schneeschicht über den Harz, örtlich war sie anderthalb Meter dick. Der Sturm verwehte den Schnee.

Aus Nordosten strömt kalte Luft nach Europa. Im ganzen Land fiel die Temperatur am Wochenende unter den Gefrierpunkt. Schnee, stürmischer Wind und damit einhergehend erhebliche Verkehrsbehinderungen plagten am Samstag und Sonntag viele Menschen in fast allen Landesteilen.

Einige Menschen wurden bei Unfällen verletzt, meist blieb es bei Blechschäden. In Baden-Württemberg musste Sonntagfrüh ein Abschleppwagen abgeschleppt werden. Er rutschte bei einem Bergungsversuch in zuvor verunglückte Autos.

Losgerissene Boote

Weite Teile Bayerns waren am Morgen von einer Schneedecke überzogen, es gab auch hier zahlreiche Unfälle. In Thüringen blieben mehrere Autofahrer in Schneeverwehungen stecken.

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Faszination Winter: Spuren aus Eis

In Hessen sorgten dann umgestürzte Bäume für Ärger: Sturmböen warfen bis zu 150 Bäume auf Bundes-, Land- und Kreisstraßen um, mehrere Verbindungen mussten gesperrt werden. Straßenmeistereien und Feuerwehren seien im Dauereinsatz, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

In Schleswig-Holstein hatten die Seenotretter zu tun. Wohl aufgrund von starkem Ostwind prallte am Samstagnachmittag im Hafen der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand eine Autofähre gegen eine Wand, wie die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) mitteilte. Mit Unterstützung der Feuerwehr sei eingelaufenes Wasser aus der Fähre abgepumpt worden.

Im Meeresarm Schlei und in der Kieler Förde hatten sich zudem zahlreiche Boote losgerissen, die wieder zurückgeholt und vertäut werden mussten.

Absturzgefahr

Am Leipziger Hauptbahnhof mussten Reisende witterungsbedingte Einschränkungen ertragen: "Züge fallen aus oder sind verspätet", sagte ein Bahnsprecher. "Einer fährt pünktlich, der nächste fällt komplett aus", beschrieb er die Lage. "Wir hoffen, dass Montagmorgen alles wieder nach Plan läuft."

Auf der Strecke zwischen Köln und Berlin kollidierte ein ICE mit 600 Personen an Bord mit einem umgestürzten Baum. Bei dem Unfall wurde niemand verletzt. Die Strecke war zwischenzeitlich gesperrt, zwischen Gütersloh und Bielefeld pendelten Ersatzbusse, sagte ein Bahnsprecher. Der Fern- und Regionalverkehr wurde über die Güterzugstrecke umgeleitet. Zu Verspätungen sei es am Abend daher nicht mehr gekommen.

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An den Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden mussten Start- und Landebahnen sowie Rollfelder vom Schnee geräumt werden, einige Flüge fielen aus.

Geradezu existenziell bedrohte das Wetter einige Hausbesitzer an der englischen Nordseeküste: Mehrere Häuser an einer Steilküste im ostenglischen Hemsby mussten wegen Absturzgefahr evakuiert werden. Sie drohten ins Meer zu stürzen.

Die Kältewelle setzt auch dem Verkehr im Land erheblich zu. Hunderte Flüge und Züge fielen am Wochenende aus; es ereigneten sich zahlreiche Unfälle.

Sonnenbrandgefahr

In den kommenden Tagen erwarten Meteorologen steigende Temperaturen. Zumindest tagsüber werden wohl vielerorts Pluswerte erreicht.

In Niedersachsen warnt der DWD gar vor Sonnenbrand: Die Sonne soll am Montag bis zu elf Stunden scheinen. Da die Luft sehr trocken sei, bestehe Sonnenbrandgefahr -trotz der Temperaturen, die nur knapp über dem Gefrierpunkt liegen.

Nachts kann es weiterhin verbreitet Frost mit Höchstwerten von minus 5 bis minus 15 Grad geben.

Allzu ungewöhnlich sei der Spätwinter nicht, berichtet der Deutsche Wetterdienst: "Alle fünf bis zehn Jahre muss man damit rechnen, dass im März Schnee fällt."

Als Märzwinter bezeichnen Meteorologen das eher unbeliebte Phänomen. Statt sich zu grämen, könnte der Kälterückfall Anlass sein, etwas zu bewundern, das damit nach Europa kommt: Fotografenwetter.

boj/dpa



insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
Gottloser 18.03.2018
1. Ganz ruhig, liebe Redaktion
Das war in Deutschland schon immer so! Schnee- und Kälteeinbrüche im März und April sind nichts besonderes. Höchstens für die Millenials, die nicht wissen, wie ein richtiger Winter in Deutschland aussah.
akkronym 18.03.2018
2. schlechte Konstruktion
offensichtlich ist die Menschheit für Wetter nicht gemacht. Zumindest hat man diesen Eindruck wenn man die Klagen der Presse ums Wetter ernst nimmt. Also Menschen: bleibt am besten im Haus, jeden und den ganzen Tag, denn draußen ist Wetter und das ist nichts für Euch.
t_mcmillan 18.03.2018
3. Macht halblang!
Meine Güte! Jetzt kommt die Sonne raus! Sonnenbrand! Gefahr! Geht`s noch?
herwescher 18.03.2018
4. Habe gerade Urlaub und wollte ...
... mich morgen mal ein paar Stunden in der Badehose auf der Terrasse in die Sonne legen ... Jetzt hat´s mir meine Frau verboten, wegen eurem blöden Artikel ...
mimas101 18.03.2018
5. tststs
... bereut eure Sünden denn das Gefrierpunktwetter ist Putins Antwort auf DeeTees verschärfte Santionen...
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