Wetterphänomen Hier Sonne, im Nachbarort Weltuntergang - wie kommt das?

In Teilen Deutschlands wüten heftige Unwetter. Immer wieder kommt es dabei vor, dass einzelne Orte im Regen versinken, und daneben herrscht bestes Sommerwetter. Für das Phänomen gibt es eine Erklärung.

DPA

Seit Tagen gewittert es in Deutschland. Im Saarland setzten Unwetter in der Nacht auf Freitag Straßen und Keller unter Wasser. Auch in Rheinland-Pfalz und bei Ludwigshafen regnete es in Strömen, es gab Gewitter. Nun zieht die Unwetterfront weiter nach Nordrhein-Westfalen, berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Gleichzeitig warten Menschen andernorts seit Tagen auf die angekündigten Gewitter - so etwa in Hamburg. Doch trotz täglicher Warnungen in der Wettervorhersage, blitzt und donnert es nicht. Manch einer, der derzeit bei 30 Grad im nicht klimatisierten Büro sitzt oder draußen arbeitet und sich nach einer Abkühlung sehnt, wundert sich über die unpräzise Prognose.

Der Unmut ist nachvollziehbar, allerdings gibt es eine einfache Erklärung: Zwar können Meteorologen Gewitter im Voraus erkennen. Wetterdienste sind auch in der Lage zu sagen, wie die Unwetterbahn verläuft. Das genaue Ausmaß und der exakte Ort, an dem ein Unwetter schließlich niedergeht, lässt sich oft allerdings erst einige Minuten im Voraus bestimmen.

Amateurvideos zeigen Unwetter und Überschwemmungen

Instagram/Sonti.L

Dass Gewitter bei warmem Wetter häufiger entstehen, liegt daran, dass warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann als kalte. Die warme Luft steigt nach oben. Wenn sie in höheren Luftschichten wieder abkühlt und kondensiert, entstehen Hagelkörner, die immer weiter anwachsen und, wenn sie zu schwer werden, wieder Richtung Boden sinken. Dabei treffen sie auf kleine Eiskristalle, die ihre negativen Ladungen an die Hagelkörner abgeben.

Die nun negativ geladenen Hagelkörner sinken weiter ab, während die leichteren, jetzt positiv geladenen, Eiskristalle von Winden nach oben getragen werden. Durch die Trennung der Ladungen entsteht eine Spannung zwischen den Hagelkörnern im unteren Teil der Wolke und höheren Schichten, die sich irgendwann mit einem Blitzschlag entlädt. Diesen Zeitpunkt im Voraus genau zu bestimmen, ist schwierig.

Sonnenlücke zwischen Gewitterwolken

Hinzu kommt, dass potenzielle Gewitterwolken nicht immer direkt miteinander verbunden sind. Zwischen ihnen können sich große Lücken auftun, durch die blauer Himmel und Sonne hervorscheint.


Was tun bei Blitzschlag?

Das sind die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen bei Blitzschlag:

  • Obacht ist spätestens geboten, wenn weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner liegen - Blitze sind dann nur noch gut drei Kilometer entfernt.
  • Wenn möglich, sollte man ein Gebäude oder Auto aufsuchen.
  • Zu meiden sind: Bäume, Anhöhen, feuchte Wände und am besten auch feuchte Böden. Keine großen Metallkonstruktionen, etwa an Brücken, anfassen.
  • In die Hocke gehen, Füße zusammenhalten. Abstand halten zu anderen Menschen.
  • Absteigen von Fahrrad oder Motorrad.
  • Raus aus dem Wasser. Im Boot weg vom Mast, und sich klein machen.

Besonders eindrücklich zeigte sich das Phänomen am Himmelfahrtswochenendeochenende in Hamburg. Damals versank der Hamburger Stadtteil Lohbrügge im Regen, Keller liefen voll, Straßen waren überflutet. Gleichzeitig feierten die Menschen in der Hamburger Innenstadt bei bestem Wetter und Volksfeststimmung Hafengeburtstag. Aber auch bei den aktuellen Unwettern kommt es wegen des regionalen Auftretens von Gewitterfronten vor, dass eine Ortschaft in den Fluten versinkt, während im Nachbarort die Sonne scheint.

Unwetterwarnungen ernst nehmen

Trotz der Ungenauigkeiten in den Prognosen ist es ratsam, Warnungen vor Unwettern ernst zu nehmen - auch, wenn sie dann letztlich möglicherweise nicht den eigenen Stadtteil treffen. Gewitterlagen gehören zum gefährlichsten Wetter in Mitteleuropa. Immer wieder ertrinken Menschen, weil sie die Risiken unterschätzen und sich leichtsinnig verhalten.

2016 gab es nach Überschwemmungen mit Toten daher unter anderem Kritik an der Wetterberichterstattung von ARD und ZDF. Diese hatten in den Augen mancher Experten unzureichend gewarnt und keine Liveinformationen zu den Unwettern bereitgestellt.

Die Gefahr geht bei Unwettern neben Blitzschlägen vor allem vom Wasser aus. Bereits wenige Zentimeter hohe Ströme können Menschen von den Beinen reißen. Außerdem werden Tunnel, Keller und Senken immer wieder zur tödlichen Falle.

Bei Unwettern kommt das Wasser plötzlich. Warme Luft, die viel Feuchtigkeit aufgenommen hat, bewegt sich langsam. Der Regen prasselt dadurch heftig auf die immer gleiche Stelle. In Senken kann der Wasserspiegel dadurch innerhalb weniger Minuten drastisch ansteigen, denn nicht nur der Regen von oben sammelt sich.

Bei Starkregen strömt das Wasser plötzlich aus allen Richtungen herbei, es fließt in Rinnen, Bächen und auf Straßen bergabwärts - so können Sturzfluten entstehen, die innerhalb weniger Minuten Straßen versenken und Tunnel mit Wasser füllen.


Was (nicht) tun bei Unwetter?

Mit drei einfachen Maßnahmen lässt sich bei Überschwemmungen wenigstens Lebensgefahr vermeiden:

  • Nach Gewittern niemals in Wasserlachen gehen oder fahren.
  • Nicht in einen Keller gehen, der mit Wasser vollläuft. Neben Fluten droht dort auch Stromschlag.
  • Nicht in Unterführungen, Tunneln oder Garagen Schutz suchen.

Ein Zeichen des Klimawandels?

Als Zeichen für den Klimawandel lassen sich die Ereignisse heute dagegen nicht deuten. Wetterschwankungen sind normal. Erst, wenn sich über mindestens 30 Jahre hinweg ein Trend abzeichnet, ist das ein Hinweis auf klimatische Veränderungen. In Deutschland sind sie, was Starkregen angeht, bislang nicht zu erkennen, zeigt eine Grafik des DWD.

Starkregen/ DWD
DWD

Starkregen/ DWD

Das bedeutet nicht, dass es den Klimawandel nicht gibt. Grundsätzlich gilt: Die Erde wird wärmer und warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Wettersimulationen zeigen daher, dass Starkregen weltweit langfristig zunehmen werden. Welche Einzelereignisse dann letztlich auf den Klimawandel zurückzuführen sein werden und welche Unwetter auch ohne Erderwärmung stattfinden, lässt sich nicht sagen.

jme/joe/boj



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