Wetterwende in China Genosse Nordwestwind vertreibt den Smog

Aufatmen in Teilen Chinas - Nordwestwind mit Regen ist aufgezogen, er vertreibt den extremen Smog der letzten Tage. Die Bilanz der Luftverschmutzung: Volle Krankenhäuser und eine bedrohte Ernte.

Regen in Peking (im Juni 2013): Wolken bringen Erlösung
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Regen in Peking (im Juni 2013): Wolken bringen Erlösung


Nach einer Woche extremen Smogs können die Pekinger aufatmen. Eine Kaltfront brachte am Mittwochabend (Ortszeit) im Norden und Osten Chinas erstmals wieder Wind und leichten Regen, so dass die hohen Schadstoffkonzentrationen in der Luft zurückgingen.

"Genosse Nordwestwind kommt uns im Kampf gegen den Smog zur Hilfe", schreiben Blogger. Der Index fiel von "gefährlichen" 400 bis 500 auf 160 - das entspricht dem Sechsfachen des von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Grenzwerts, gilt also als ungesund.

Der Smogalarm der zweithöchsten Stufe "Orange", der erstmals in der Hauptstadt gegolten hatte, wurde wieder aufgehoben. Allerdings wurden an einigen anderen Orten des Landes weiter eine hohe Luftverschmutzung gemessen. Die Auswirkungen des anhaltenden Smogs, der die Sonne nicht durchkommen ließ, verglichen chinesische Wissenschaftler mit einem "nuklearen Winter". Sie warnten eindringlich vor Ernteausfällen.

In Peking waren die Schadstoffwerte am Mittwoch sogar über die kritische Marke von 500 gestiegen, wo der Index normalerweise aufhört. In der Nacht wurde in der Hauptstadt für den besonders gefährlichen Feinstaub der Spitzenwert von 577 gemessen. Das entspricht dem 23fachen des WHO-Grenzwertes. In einem Gebiet mit rund 400 Millionen Menschen galt seit Montag die Alarmstufe "Orange".

Kratzen, Husten, Hals

Die Schadstoffe wurden von China sogar bis in die südkoreanische Hauptstadt herübergeweht. In Seoul wurden am Mittwoch am sechsten Tag in Folge bedenkliche Feinstaubwerte gemessen, die vier- bis fünfmal über den normalen Werten lagen, wie der Rundfunksender KBS berichtete. In Seoul und der umliegenden Provinz Kyonggi wurde seit Montag offiziell vor Ultrafeinstaub gewarnt. Körperlich Schwachen und Kindern wurde von Aktivitäten im Freien abgeraten.

Viele Chinesen schützten sich mit Atemschutzmasken. "Wir waren gestern ausverkauft", sagte die Verkäuferin in einer Apotheke in Peking. "Heute früh kam Nachschub." In vielen Krankenhäusern der Hauptstadt drängten sich die Patienten. Vor allem Ältere, kleine Kinder oder Menschen mit Asthma oder Herz- und Kreislaufproblemen litten unter den Schadstoffkonzentrationen.

"Wir haben viele Kinder mit Atemwegsleiden", sagte die Ärztin einer internationalen Klinik der Nachrichtenagentur dpa. "Aber wenn der Smog so lange anhält, fühlt jeder die Auswirkungen - sei es durch Kratzen im Hals, Husten oder andere gesundheitliche Probleme."

Saat nicht gekeimt

Der Vergleich mit dem "nuklearen Winter" erregte in China viel Aufsehen. Wie bei der Verdunklung und Abkühlung der Erdatmosphäre wegen Staub und Rauch nach einem Atomschlag bekämen Pflanzen auch bei

Smog weniger Sonnenlicht, wodurch die Ernte "auf jeden Fall" beeinträchtigt werde, sagte He Dongxian, Dozentin von Chinas Landwirtschaftsuniversität, der Nachrichtenagentur dpa in Peking.

"Bei einem Smogtag wird die Sichtweite reduziert - das heißt, die Lichtstärke für Pflanzen wird verringert", schilderte die Forscherin. "Die Photosynthese wird geschwächt, was großen Einfluss auf das Wachstum nicht nur der Blätter, sondern auch der Samen und der Früchte hat." Dadurch verschlechtere sich nicht nur die Menge, sondern auch die Qualität der Ernte.

"Besonders im Winter und am Anfang des Frühjahrs nimmt der Smog zu, was vor allem die landwirtschaftliche Produktion in Glashäusern stark beeinträchtigt." Mit anderen Wissenschaftlern unternimmt He Dongxian entsprechende Experimente mit Saatgut: "Da wir so viele Smogtage hatten, hat die Saat, die wir im Januar gepflanzt haben, noch nicht gekeimt, obwohl sie normalerweise schon sprießen müsste."

boj/dpa



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insgesamt 2 Beiträge
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capitain_future 27.02.2014
1. Massnahmen Programme
Zitat von sysopREUTERSAufatmen in Teilen Chinas - Nordwestwind mit Regen ist aufgezogen, er vertreibt den extremen Smog der letzten Tage. Die Bilanz der Luftverschmutzung: Volle Krankenhäuser und eine bedrohte Ernte. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wetter-in-china-gegen-luftverschmutzung-in-peking-wind-vertreibt-smog-a-955834.html
1) moderne KAT einbauen in Heizungen und Kraftwerke,weniger Co2 ,Kohle verbrennen 2) Fahrverbote für LKW,Autos und Verbrenner. 3) Alternative Energiequellen erschließen z.b. nachwachsene Rohstoffe, Windkraft oder Biogas aus biologischen Abfall z.b. Abwasser 4) 80% Recycling als Ziel der Politik und Unternehmen,keine Abfälle mehr 5) mehr Bäume anpflanzen als Co2 Senke
nm2xlc 27.02.2014
2. Wöchentliche Smognachrichten?
Berichtet der Spiegel jetzt wöchentlich über den Pekinger Smog? Fällt ihrem Team sonst nichts ein? Was ist mit dem schwelenden Konflikt der Bo/Jiang Clique und der neuen Regierung Xi? Die dadurch gebundenen Ressourcen im Kampf gegen die Überschuldung der Kommunen? Die Aktuelle Abkühlung auf dem Immobilienmarkt? Mögliche Auswirkungen auf den Handel mit Deutschland?
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