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Wetterprognose: Arktischer Eis-Atem verregnet den April

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Regen, Wind und Kälte: Dieser April könnte Negativrekorde brechen. Die Aussichten für den Rest des Monats lassen nichts Gutes erwarten - wie auch Zeichen am Himmel verraten. Eine gut belegte Bauernregel sagt sogar Schnee vorher.

April in Europa: Lichtspiele im Regen, Zeichen am Himmel Fotos
AFP

Hamburg - Erinnert sich noch jemand an den April im letzten Jahr? Sonne satt, den ganzen Monat lang! Auch die Aprile der Jahre 2009 und 2007 gehörten zu den schönsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Dieses Jahr hingegen erlebt Mitteleuropa einen miesen April, der Negativrekorde beim Sonnenschein brechen könnte.

Die Aussichten bis zum Monatsende lassen nichts Gutes erwarten, vom Westen her rückt schon das nächste Tiefdruckgebiet heran. "Eine nachhaltige Änderung des Wetters ist nicht zu erkennen", teilt der Deutsche Wetterdienst (DWD) mit. Der Frühling werde einstweilen nicht zurückkehren.

Die Vorhersage des DWD sagt besonders für den Süden viel Regen vorher:

Der Sonntag bringt Temperaturen von 8 bis 14 Grad, im Süden fällt viel Regen, im Norden gibt es längere sonnige Phasen. Der Wind dreht auf, und in den Bergen kann es schneien.

Am Montag reißt die Bewölkung von Norden her auf, es gibt Schauer. Die Temperaturen steigen auf maximal 8 bis 12 Grad.

Der Dienstag beginnt wolkenarm, doch dann kommen von Westen her wieder Wolken, die aber meist erst nachts Regen bringen sollen. Es bleibt so kühl wie bisher.

Von Mittwoch bis Sonntag herrscht wechselhaftes Wetter bei Tageshöchsttemperaturen von 8 bis 14 Grad. In den Nächten kann es auf 1 bis 6 Grad abkühlen; in den Bergen gibt es vielerorts Frost.

In der letzten Aprilwoche steigen die Temperaturen vermutlich etwas; Ende April könnte es nachmittags 20 Grad warm werden. Dass sich dazu allerdings sonniges Hochdruckwetter einstellt, erscheint derzeit unwahrscheinlich.

Eine von Wetterdaten der vergangenen Jahrzehnte gut belegte Bauernregel lässt nach dem kommenden Wochenende allerdings Kälte befürchten, ja sogar Schnee: "Sankt Georg (der 23. April) kommt nach alten Sitten meist auf Schimmeln angeritten", heißt es. Und tatsächlich bestätige die Wetterstatistik, dass es um den 21. April herum oft einen Kälterückfall gibt, berichtet der Meteorologe Gerhard Müller-Westermeier vom DWD.

Jedenfalls dürfte dieser April als Schlechtwettermonat in die Statistik eingehen. Bislang schien gerade mal ein Viertel so viel Sonne wie üblich im April. Es war bislang fast zwei Grad kälter als normalerweise zu dieser Jahreszeit - und sogar sechs Grad kälter als im April 2011.

Diesmal kommt es besonders dicke

Typische Zeichen am Himmel verraten unbeständiges Aprilwetter: Wenn nicht gerade dichte Bewölkung über Deutschland zieht, türmen sich graue Haufenwolken. Sie entstehen, wenn sich die Wettermaschine quasi auf April stellt: Tiefdruckwirbel über dem Atlantik fächern kalte Luft aus der Arktis nach Europa. Der Kontinent erwärmt die Luft, so dass sie aufsteigt. In der Höhe kondensiert darin enthaltene Feuchtigkeit zu Wolken - sie bringen die typischen Aprilschauer.

Je weiter der eisige Atem aus der Arktis nach Süden vordringt, desto unbeständiger wird die Witterung - derzeit reicht er bis nach Südfrankreich. Die Lage ist nicht ungewöhnlich, der April ist der Monat mit den wenigsten Hochdrucklagen. Dieses Jahr kommt es aber besonders dicke: Mitteleuropa wartet seit Mitte März auf Hochdruck.

Bauernsprüche jedoch rühmen das wechselhafte Aprilwetter: "Je mehr im April die Regen strömen, desto mehr wirst du vom Felde nehmen", lautet eine alte Weisheit. Selbst ein Kälterückfall kann nicht schrecken: "Im April noch mal Schnee, keinem Bauern tut er weh", heißt es.

Die magische Zwölf-Grad-Grenze

Landwirte mögen sich über die Niederschläge freuen, für die anderen beginnt die schöne Jahreszeit erst, wenn die magische Zwölf-Grad-Grenze erreicht ist - sie erlöst die Menschen. Erst ab dieser Tagesdurchschnittstemperatur ist der Winter wirklich vorbei. Denn ist es dauerhaft wärmer als zwölf Grad, braucht nicht mehr geheizt zu werden. Doch diese Schwelle wird meist erst im Mai überschritten.

Die langjährige Statistik zeigt, dass das Ende der Heizperiode im Norden früher erreicht wird als im Süden. In Hamburg wird die Zwölf-Grad-Grenze im Tagesmittel gewöhnlich um den 9. Mai herum geknackt, in München etwa fünf Tage später.

Trost könnten die Mitteleuropäer vielleicht darin finden, dass es im Süden derzeit vielerorts auch nicht schöner ist: Dieses Wochenende erwarten Meteorologen in den Urlaubsorten im Süden Italiens örtlich mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter.


Von Axel Bojanowski ist soeben sein aktuelles Buch "Nach zwei Tagen Regen folgt Montag" über 33 erstaunliche Rätsel der Erde erschienen.

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