Langzeitanalyse Wo und wann in Europa länger die Sonne scheint

Im Mai an der Ostsee, im Juni in Frankreich, im November Südspanien: Ein Atlas zeigt, wann in Europa mit längeren Phasen von Sonnenschein zu rechnen ist. In Deutschland gibt es für zwei Wochen sogar nahezu eine Garantie.

DPA

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Hamburg - Das Dilemma der Wettervorhersage lässt nicht nur Urlauber verzweifeln. Zwar können Meteorologen das Wetter bis zu drei Tage im Voraus gut prognostizieren. Doch eine langfristige Planung ist nicht möglich.

Nun offenbaren Daten aus 23 Jahren, wann in Europa mit längeren Sonnenphasen gerechnet werden kann. Aus den Wetteraufzeichnungen von 1982 bis 2005 hat der Meteorologe Lucas Richter vom Deutschen Wetterdienst (DWD) eine Animation erstellt, die nun auf dem Climate Symposium in Darmstadt vorgestellt wurde.

Sie zeigt für jeden Tag des Jahres die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit einer fünftägigen Sonnenperiode. Als Sonnentag wertet Richter Tage, an denen vier fünftel des möglichen Sonnenscheins auf den Boden gelangt - es sind also wahrlich hellste Zeiten.

Streng genommen müssen klimatologische Zeitreihen wenigstens 30 Jahre umfassen. Gleichwohl lässt die Auswertung interessante Schlüsse hinsichtlich der Planung von Urlaub oder Gartenfesten zu.

Die Animation zeigt: Je röter eine Region erscheint, desto eher kann nach dem betreffenden Tag mit einer fünftägigen Sonnenphase gerechnet werden; Blau hingegen zeigt geringe Wahrscheinlichkeit dafür. Das Datum steht oben - erst der Monat, dahinter der Tag (07-01 bedeutet zum Beispiel 1. Juli).

Universität Frankfurt/CM SAF
Die wichtigsten Erkenntnisse der Animation:

Januar und Februar: Selbst am Mittelmeer sind die Monate eher dunkel, Hoffnung auf längere Sonnenphasen besteht aber am westlichen Mittelmeer. Mallorca bezeichnet etwa die Grenze zur intensiven Sonnenzone. Der Rest Europas liegt gewöhnlich zumindest vier Tage lang unter Bewölkung.

März: Längere Sonnenphasen sind nun auch weiter nördlich zu erwarten. Auffällig sind ausgedehnte Schönwetterzonen in Norditalien und Nordspanien. Auch Frankreich erlebt oft längere heitere Abschnitte.

April: Frankreich ist bewölkter als im März. Dafür fallen neue Sonnenbereiche auf: Sie bilden sich nun öfters in der Nähe kühler Meere, etwa an der Ostsee und der Biskaya. Aus dem kalten Wasser verdunstet nur wenig, sodass sich weniger Wolken bilden als anderswo. Sofern keine großen Fronten anrücken, bleibt es dort sonnig.

Mai: Der Wonnemonat entfaltet in Deutschland seine hellste Pracht im Norden, besonders an der Ostsee bestehen große Chancen auf lange Sonnenphasen.

Juni: Auffällig ist, wie sehr Frankreich aufheitert. Am Mittelmeer gibt es nun fast durchgehend Sonnengarantie. In Deutschland ist mit konstantem Hochdruckwetter über mindestens fünf Tage nicht unbedingt zu rechnen. Aber heitere Tage mit zeitweiser Bewölkung können schließlich auch schönes Sommerwetter bedeuten - sie werden in dieser Analyse nicht erfasst.

Juli: Sonnengarantie meistenorts in Südeuropa, auch Frankreich erlebt viele lange Sonnenphasen. Und auch die Ostsee fällt wieder auf: Ziehen die berühmten skandinavischen Hochdruckgebiete über die Region, erleben die Anrainer lange sonnige Perioden. Ende des Monats beginnt in ganz Deutschland die sonnenreichste Zeit des Jahres.

August: Bis Mitte des Monats besteht deutschlandweit hohe Wahrscheinlichkeit für Phasen mit mindestens fünf Tagen praller Sonne, besonders im Süden. Am Mittelmeer kann Bewölkung jetzt geradezu als Sehenswürdigkeit gelten. Die Ausnahme sind Gebirgsregionen, etwa die Pyrenäen. Auch die nordspanische Atlantikküste beweist sich als Ziel für Gegner praller Sonnenhitze.

September: Der Altweibersommer bringt Deutschland eher selten lange Sonnenphasen, am ehesten darf der Süden damit rechnen.

Oktober: Auch der goldene Oktober ist den Daten zufolge keine Garantie für dauernde Helligkeit. Selbst in Italien und Spanien unterbricht immer häufiger Bewölkung den Sonnenschein.

November und Dezember: Nur noch zwei Regionen ragen mit häufigen Sonnenperioden heraus - die südostfranzösische Mittelmeerküste und Südostspanien.

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insgesamt 7 Beiträge
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derandereblick 21.10.2014
1. Jetstream und Siebenschläfer
Ich finde, das hängt im Wesentlichen vom Jetstream ab, auf den ja auch (unwissentlich) die Siebenschläferregel abstellt. Die letzten beiden Jahre hat die Regel gestimmt: 2013 Siebenschläfer schön, Sommer schön, 2014 Siebenschläfer durchwachsen, Sommer durchwachsen.
peitzman 21.10.2014
2. August mit viel Sonne?
... diese Faustregel galt ja nun diese Jahr nicht gerade. Selten einen so herbstlichen August erlebt. Meine subjektive Erfahrung geht eher dahin, dass sich die Jahreszeiten um 4-6 Wochen nach hinten verschieben. Dieser Oktober hat es ja auch teilweise sehr gut mit uns gemeint.
rosenvater 21.10.2014
3. Eben
Zitat von peitzman... diese Faustregel galt ja nun diese Jahr nicht gerade. Selten einen so herbstlichen August erlebt. Meine subjektive Erfahrung geht eher dahin, dass sich die Jahreszeiten um 4-6 Wochen nach hinten verschieben. Dieser Oktober hat es ja auch teilweise sehr gut mit uns gemeint.
Ich bin froh, dass ich im wunderschönen Juni und nicht wie urspr. geplant ab Anfang August Urlaub hatte...
megaptera 21.10.2014
4. Was soll uns das jetzt sagen?
Was nützt mir der schönste Sonnenschein im Mai an der Ostsee, wenn das Wasser noch permanant als Kühlschrank fungiert. 18°C, Sonne und Windstärke 6 aus NNO - viel Spaß bei diesem Wetter. Mal wieder so ein blödsinniger Artikel bei SPON und ein weiteres Merkmal dafür, dass das I-Net mittlerweile zur größten Buchstaben-Müllhalde verkommen ist.
l3m0nh34d 21.10.2014
5. Dann weiß ich ja wo ich nächstes Jahr hinfahren kann.
Nämlich da hin wo es auf der Karte tiefblau ist. Faul in der Sonne liegen und auf den Hautkrebs warten ist nicht so mein Ding...
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