Wetterfühligkeit Experten halten Biowetter-Vorhersagen für Unsinn

Haben Sie in den vergangenen Tagen innere Unruhe gespürt? Hatten Sie Kopfschmerzen? Oder spannten Ihre Narben? Dann könnten Sie wetterfühlig sein - jedenfalls, wenn man den Biowetter-Berichten traut. Experten jedoch halten die meisten dieser Prognosen für puren Unfug.

Herbstlicher Regen: Experten zweifeln am Sinn von Biowetter-Vorhersagen
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Herbstlicher Regen: Experten zweifeln am Sinn von Biowetter-Vorhersagen

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Etwa die Hälfte der Deutschen bezeichnet sich selbst als wetterfühlig. Viele Beschwerden schreiben sie der Witterung zu, beispielsweise Gelenkschmerzen, Abgespanntheit, Schlafstörungen oder Kreislaufprobleme. Ein Drittel gibt in Umfragen an, mitunter wetterbedingt arbeitsunfähig zu sein. Solche Erhebungen haben Meteorologen zu Biowetter-Prognosen motiviert. Vier von fünf Deutschen bezeichneten die Vorhersagen als "hilfreich" oder "teils hilfreich", heißt es beim Deutschen Wetterdienst (DWD).

Ob die Prognosen stimmen, ist eine andere Frage. Die meisten hätten eine Glaubwürdigkeit "ähnlich wie Horoskope", sagt etwa Jürgen Kleinschmidt, Experte an der Universität München. "Bürger sollten Biowetter-Vorhersagen komplett ignorieren", meint Jörg Kachelmann vom Wetterdienst Meteomedia. "Vor Koliken, Narbenschmerzen und anderen Beschwerden zu warnen, ist Unsinn", sagt Hans Richner von der Eidgenössisch Technischen Hochschule in Zürich ETH.

Dabei bestreiten die Fachleute nicht, dass das Wetter das Befinden beeinflusst. Allerdings seien nur wenige Einflüsse bewiesen, die meisten Prognosen mithin unhaltbar. Lediglich vier Zusammenhänge gelten als gesichert:

  • Pollen bewirken mitunter allergische Reaktionen,
  • Übermäßig viel UV-Strahlung schädigt Hautzellen,
  • Ozon kann Atemwegserkrankungen auslösen,
  • Der "thermische Wirkungskomplex" wirkt sich auf den Körper aus: Temperatur, Feuchtigkeit und Wind sorgen für Hitze- oder Kältestress. Im Extremfall können Herzinfarkte, Rheumaanfälle oder Unterkühlungen die Folge sein.

"Diese Zusammenhänge kennt jeder intuitiv", sagt Richner. "Wenn es heiß ist, fächeln wir uns Luft zu, bei Kälte suchen wir Windschatten." Die Warnung vor Kreislaufproblemen bei schwül-heißem Wetter sei etwa so sinnvoll wie eine Warnung vor Nasswerden bei Regen.

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Problematischer seien Biowetter-Prognosen, die bestimmte Wetterlagen für konkrete Beschwerden verantwortlich machen. Für eine derartige Wetterfühligkeit "gibt es keine wissenschaftlich gesicherten Aussagen", sagt Richner, der seit mehr als 40 Jahren die gesundheitlichen Auswirkungen des Wetters erforscht. Selbst das berühmte Phänomen, dass der warme Alpenwind Föhn angeblich Kopfweh auslöse, sei wissenschaftlich nicht bewiesen.

Der eine fühlt sich schlecht, der andere pudelwohl

Der DWD bemüht sich, seine Biowetter-Prognosen möglichst allgemein zu halten. Lediglich der "Wettereinfluss auf subjektives Befinden" wird vorhergesagt. Der DWD verweist auf Studien, die zeigen, dass Wetteränderungen die körperliche Verfassung beeinflussen. Tatsächlich haben Experimente gezeigt, dass manche Menschen bei einer Wetterverschlechterung über Beschwerden klagen, etwa über Migräne, Asthma oder Diabetes. Hochdruck hingegen wirke sich günstig auf die Gesundheit aus, schreibt der DWD.

Allerdings: Ob der Einzelne den Prognosen folgen soll, erscheint zweifelhaft. "Das Ganze ist ein Problem der Individualisierung", sagt Harald Walach, Biowetter-Experte an der University of Northampton in Großbritannien. Wenn manche über Gelenkschmerzen klagten, erfreuten sich andere besonderer Fitness.

"Eine Minderheit von Menschen zeigt Reaktionen auf Wetterwechsel", ergänzt Meteomedia-Chef Kachelmann. "Die Reaktionen sind aber sehr unterschiedlich, sie treten zudem bei verschiedenen Wetterlagen auf." Jeder reagiere anders, bestätigt Richner. Resultate entsprechender Studien widersprächen sich "oft diametral" - zwei Personen reagierten teils umgekehrt aufs Wetter.

Erfolgsdruck verzerrt Forschungsergebnisse

Der Erfolgsdruck in der Wissenschaft verzerrt offenbar die Resultate der Studien. Zwar finden Forscher regelmäßig statistische Anzeichen dafür, dass Beschwerden mit bestimmten Wetterlagen einhergehen. Doch die Resultate ließen sich oft nicht wiederholen, sagt Richner, sie "müssten als zufällig betrachtet werden".

Studien der vergangenen Jahre machten etwa Änderungen des Luftdrucks für Wehen bei Schwangeren verantwortlich. Der Effekt schien gut erklärbar - immerhin ändert sich Luftdruck, der beim Übergang von einer Hochdruck- zu einer Tiefdrucklage auf den Körper wirkt, insgesamt um rund eine halbe Tonne. Richner hat jedoch Zweifel: Wer etwa im Auto mäßige Steigungen überwinde, setze seinen Körper ähnlichen Druckschwankungen aus - ohne dass dabei vermehrt Wehen auftreten würden.

Statistisch lasse sich leicht sagen, das Wetter sei schuld gewesen, resümiert Kleinschmidt. "Natürlich will jeder Forscher am Ende einen Effekt darstellen." Widerlegten Experimente aber eine These, würden die Resultate nicht unbedingt publiziert: "Negative Ergebnisse verschwinden in der Schublade."

Eine weitere Schwierigkeit der Biowetter-Prognosen sei die "große Zahl von Wetterfaktoren", sagt der britische Fachmann Walach. Laut DWD übt das Wetter eine "Akkordwirkung" aus: Viele meteorologische Einflüsse wie etwa Wind, Feuchtigkeit, Temperatur, Druck, Luftchemie oder Strahlung wirkten gleichzeitig. Das Problem sei zu erkennen, welche Parameter relevant sind.

Was Himbeereis mit Sonnenbrand zu tun hat

Und wie steht es um die viel beschworene Fähigkeit, Wetteränderungen im Vorhinein zu fühlen? Manche Menschen könnten offenbar die Vorboten von Wetterfronten anhand kleiner Schwankungen des Luftdrucks spüren, schrieb der DWD in einem Resümee von 2007. Prallen Luftmassen aufeinander, geraten sie in Wallung. Die atmosphärischen Wellen eilen Wetterfronten voraus. Sie schwingen äußerst langsam, es dauert mehr als fünf Minuten, bis eine Welle durchgelaufen ist. Bei Menschen mit geschwächten oder verengten Blutgefäßen oder mit hohem Blutdruck könnte es dabei zu "Fehlregulationen kommen, welche Wetterfühligkeitssymptome auslösen könnten", so die DWD-Experten.

Tatsächlich haben Experimente von ETH-Forscher Richner gezeigt, dass das Befinden umso schlechter ist, je größer die Luftwellen waren. Richner selbst glaubt jedoch nicht an einen kausalen Zusammenhang: "Vermutlich handelt es sich um eine Scheinkorrelation."

Die Menschen reagierten wohl schlicht auf miese Witterung und nicht auf Luftwellen - denn bei schlechtem Wetter seien die Druckschwankungen am größten. Die Luftwellen mit dem Wohlbefinden in Verbindung zu bringen, ähnele dem Versuch, einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Umsatz von Himbeereis und der Anzahl von Sonnenbränden herzustellen. Beide steigen bei schönem Wetter - aber niemand käme auf die Idee, Himbeereis für Sonnenbrand verantwortlich zu machen.

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Forum - Biowetter-Prognosen - hilfreich oder unsinnig?
insgesamt 41 Beiträge
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perpendicle, 08.10.2009
1. Zeit für neue Wunderheiler?
Zitat von sysopHaben Sie in den vergangenen Tagen innere Unruhe gespürt? Hatten Sie Kopfschmerzen? Oder spannten Ihre Narben? Dann könnten Sie wetterfühlig sein - jedenfalls, wenn man den Biowetter-Berichten traut. Experten jedoch halten die meisten dieser Prognosen für puren Unfug. Was meinen Sie?
es kenne nur einen biowetterbericht un der ist von mir: ich nenne ihn aber "bio dynamischen Wetterbericht" hat aber nichts mit Warzenbildung , der Deutung von Hasenlosung bei Vollmond oder der Beobachtung des Vogelflugs zu tun. aber auch nichts mit dem was man inzwischen sonst noch unter astrologie versteht wie auch immer: WETTER IST EIN REIN PHYSIKALISCHER VORGANG, BIOLOGIE hat aber damit zu tun : Ich hoffe deshalb bei der nächsten zu erwartenden hexenverfolgung verschont zu werden: http://alien-homepage.de/weather_2009/month/october_2009/wetter_oktober_weather_october_2009.html Ich habe z B ständig Bauchschmerzen ( wieso weil jetzt dauernd die Sonne scheinte)und das hat nichts mit dem Wetter zu tun sondern wie ich jetzt für mich herausfand mit dem käse ( elcher?) den ich wohl nicht vertrage . aber seit ich keinen mehr esse ist das wetter auch regnerisch geworden die Bauchschmerzen sind wieder weg. es kann also nur am Käse liegen
Dieter Neth 08.10.2009
2. Ich kann
bei diesem Thema nur für mich selber sprechen; aber ich halte mich eindeutig für wetterfühlig. So waren in Kindheit und Jugendjahren etwaige Südwestwetterlagen in der Schweiz oft für einen Migraeneanfall gut, vor allem wenn danach ein Wettersturz auf Nordwest folgte. Seit meinem Umzug nach Nordmexico hab ich kaum noch Kopfschmerzen - weil es hier keine vergleichbaren Wetterlagen gibt. Dafür zeigte mir meine Schienbein-Bruchstelle jahrelang zuverlaessig die sandführenden Frühlingsstürme an, welche der Ami-Wetterdienst nie auf die Reihe bekommt. Nach der vollstaendigen Abheilung ist es jedoch damit wieder vorbei. Hilfreich kann der Biowetterbericht auch für Allergiker sein, wenn man das Pollenaufkommen einschliesst, oder feuchtkalte Witterung für Rheumatiker. Das alles hat mit Esoterie nichts zu tun. Da scheint mir der ganze Psychokram doch eher pseudowissenschaftlich zu sein, inklusive der ganze Sigmund Freud Unsinn.
cosmo72 10.10.2009
3.
Warum sollten die komplexen messbaren Größen wie: Luftdruck Temperatur rel. Luftfeuchte elektrische Aufladung Windgeschwindigkeit Lichteinstrahlung, Lichtfarbe Schwebeteilchen irgendetwas zu tun haben mit Größen im menschlichen Körper wie: Blutdruck Körpertemperatur Flüssigkeitshaushalt im Körper Funktionen in einem biochemisch-elektrischem System wie Gehirn und zentralem Nervensystem Auskühlung und Reizempfindung Ihrer Stimmung und sinneswahrnehmung Atmung und Atemwegszuständen wenn: es Druckmessung für beides gibt Temperatur beim Körper viel ausmacht (3-4 Grad C Spielraum) man nicht gleich in der Wüste sein muss, um zu merken wie relevant Wasserhaushalt ist Blitze und Statik bis in Höhen von hundert Kilometern gehen und Reizstrom angeblich hilfreich ist, Statik die Haare aufstellt, und Starkstrom tödlich ist, während der Doktor Ihre Herzströme und der Neurologe Ihre Gehirnströme zur Diagnose misst ... Photographen und Designer sich größtenteils mit Licht und der resultierenden Farbwirkung und Ihrer Reaktion und resultierenden Stimmung beschäftigen, Ärzte mittlerweile Lichttherapie verschreiben und Pollen und Staub allerorten gemessen wird ... *oder macht das doch Sinn ?!!!! Es gibt halt noch viele in der WissenschaftsDikatur die nur glauben können was SIE selbst glauben wollen - alle anderen haben unrecht!* Nur von denen verstandene Zusammenhänge die heute messbar sind machen Sinn - daraus können Sie getrost und vollkommen richtig ableiten, daß es vor Erfindung der entsprechenden Messgeräte nichts wie Temperatur oder Luftdruck gab! Denn jetzt es ist ja alles erfunden, und der Herr Wissenschaftler der so argumentiert weiss ALLES! Jetzt schon - ist geradezu der Gipfel der Erkenntnis! Glauben Sies ruhig ;) mit freundlichen Grüßen * cosmo72 (http://forum.spiegel.de/member.php?u=41540) * ... immer im Einsatz für eine kReaTiVe RechtSchreibung und die Freiheit der Meinung! (Sie meinen Ihres - ich meine meines – und sicher „wissen“ tun wir beide Nix – deshalb bin ich stets bemüht Sie als Person zu respektieren – auch für den Fall, daß ich Ihre Position verabscheue ;) *"Die Wahrheit ist nur eine Tochter der Zeit" – Leonardo da Vinci (1452 – 1519)* „ … und diese Zeit vergeht schneller, je breiter und unvoreingenommener man sich informiert!“ - ICH (*1972 )
fintenklecks 10.10.2009
4. Die Technik macht es möglich.
Seitdem der Mensch sich an die Technik des Wetterbeeinflussens herangewagt hat, haben wir sogar Biowetter. Eine Frechheit ist das.
M. Michaelis 11.10.2009
5.
Zitat von sysopHaben Sie in den vergangenen Tagen innere Unruhe gespürt? Hatten Sie Kopfschmerzen? Oder spannten Ihre Narben? Dann könnten Sie wetterfühlig sein - jedenfalls, wenn man den Biowetter-Berichten traut. Experten jedoch halten die meisten dieser Prognosen für puren Unfug. Was meinen Sie?
Wenn es BIO-Lebensmittel gibt, warum soll es dann nicht auch BIO-Wetter geben. Ich jedenfalls bin für das gesunde BIO-Wetter. Mit Herkunftsnachweis, frei von Gentechnik und aus der natürlichen Wetterküche.
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