Wetterphänomen Das Rätsel der geraden Wolkenkante

Eine geschlossene Wolkendecke und dann plötzlich: blauer Himmel. Vor wenigen Tagen sorgte ein Himmelsmuster für Erstaunen. Wie kam es zustande?

Twitter/ Deutscher Wetterdienst


Auf dem Foto sieht es aus, als sei die Wolkendecke einfach abgeschnitten worden. Im Vordergrund bedecken weiße Schlieren gleichmäßig den Himmel und dann plötzlich strahlendes Blau.

Am vergangenen Donnerstag bot sich unter anderem am meteorologischen Observatorium Hohenpeißenberg in Bayern, aber auch an anderen Orten Süddeutschlands, der Anblick einer exakten Wolkenkante.

Sie zog sich von der Mitte Deutschlands bis in den Süden, wie Satellitenbilder zeigen. Im Laufe des Tages dehnte sich die Wolkenkante bis in den Süden Algeriens aus. In der Folge war es im Großteil Bayerns bewölkt, während im Westen über Baden-Württemberg und Schwaben bei wolkenlosem Himmel die Sonne schien.

Satellitenbilder mit Wolkenkante
Deutscher Wetterdienst

Satellitenbilder mit Wolkenkante

Verantwortlich für das plötzliche Ende der Wolkenschicht sei, dass trockene Luft aus der Stratosphäre in tiefere Atmosphärenschichten gelangt ist, berichtet der Deutsche Wetterdienst DWD. Das passiert nur in Ausnahmefällen, denn eigentlich ist die trockene Luft der höher gelegenen Stratosphäre getrennt von der Luft in der tiefer gelegenen Troposphäre.

Trockene Luft löst Wolken auf

Die Troposphäre ist die Schicht, in der sich Wolken und Regen bilden. Fast der gesamte Wasserdampf der Atmosphäre ist dort zu finden. Am Donnerstag veränderte sich der Feuchtigkeitsgehalt der Luft stellenweise jedoch.

Dabei zog kalte Polarluft über Westeuropa bis nach Nordwestafrika. An der Stelle, wo die Kaltluft auf wärmere Bereiche stieß, bildete sich ein schmaler aber heftiger Jetstream. Jetstreams sind die stärksten natürlich auftretenden Winde überhaupt.

Der heftige Wind blies genau an der Stelle, wo die feuchte Luft der tiefer gelegenen Troposphäre und die trockene Luft der Stratosphäre aufeinandertreffen - und verwirbelte so die eigentlich getrennten Luftschichten.

Zufällig eine gerade Linie

Die sehr trockene Luft aus der Stratosphäre verwandelte die Eiskristalle in den Wolken dabei direkt zu Gas. Experten sprechen vom Sublimieren. In der Folge löste sich die Wolkendecke auf.

Zu erkennen war das Phänomen auch an der Luftfeuchtigkeit verschiedener Orte. Im wolkenverhangenen München etwa war laut DWD die gesamte Troposphäre bis in eine Höhe von zwölf Kilometern feucht. Im sonnigen Stuttgart drang die trockene Luft dagegen bis in eine Höhe von etwa sechs Kilometern vor und löste die Wolken auf.

Dafür, dass die Wolkendecke so plötzlich endete, gibt es also eine nachvollziehbare Erklärung. Dass die Wolkenkante über Hunderte Kilometer gerade verlief, war dagegen schlicht dem Zufall geschuldet.

jme



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stefan211 05.11.2018
1. Das war schon bemerkenswert
Diese Wolkenkante war uns auch aufgefallen. Wir fuhren an diesem Nachmittag von München nach Hof und die ganze Zeit über war diese gerade, wie mit dem Lineal gezogene Wolkenkante links von uns. Über uns war der Himmel durchgehend grau, während im westen nicht eine Wolke zu sehen war. Und das Bild änderte sich nicht für die ganzen fast 300 Killometer.
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