Wetterphänomen Monsterwogen über amerikanischer Großstadt

Es sind die wohl erstaunlichsten Wetterfotos des Winters: Ein amerikanischer Sender hat die Bilder riesiger Wolken veröffentlicht, die sich über der Stadt Birmingham in den USA türmten. Eine Kaltluftschicht am Boden gebar die nebligen Giganten.

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ABC 33/40-TV, Birmingham, Alabama

Birmingham - Autofahrer bremsten, Fußgänger schauten gebannt gen Himmel. Über ihrer Stadt Birmingham im US-Bundesstaat Alabama erhoben sich riesige Wolken. Für einen Moment schien es, als würden sich die Ungetüme herunterstürzen. Ein paar Geistesgegenwärtige jedoch ließen sich nicht irritieren, sie drückten auf den Auslöser.

Ihre Fotos, die der Sender ABC 33/40 gesammelt und nun für Medien freigegeben hat, haben die wohl erstaunlichsten Wolken dieses Winters festgehalten. Die Bilder vom 16. Dezember dürften Eingang in die Fachliteratur finden, so besonders sind sie.

Das Phänomen der sogenannten Wogenwolken ist zwar bekannt. Doch meist bilden sie sich in größerer Höhe oder im Gebirge, wo sie wie harmlose Schwingen wirken. Solch gigantische Exemplare nahe einer Großstadt wie in Birmingham sind selten; sie überragten die Hochhäuser bei weitem.

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Eindrucksvolle Winterfotos: Neblige Ungetüme
Die Kolosse wirken wie Monsterwellen auf dem Ozean; die Exemplare am Himmel jedoch sind deutlich höher. Sie entstehen wie Wellen auf dem Meer: Dort streicht Wind übers Wasser und bringt das Wasser in Wallung. Auch Wogenwolken bilden sich, weil Wind über eine Luftschicht zieht und sie in Schwingung versetzt.

Das passiert vor allem im Winter, wenn sich die Luft am Boden stark abgekühlt hat. Die kalte, meist neblige Schicht wiegt schwerer als wärmere Luft, die aufgrund ihrer Leichtigkeit nicht eindringen kann in den bodennahen Kaltluftsockel. Luftströmungen streichen also über die Kaltluft wie Wind übers Meer - und die neblige Kaltluft schlägt Wellen; Wogenwolken erheben sich.

Im Fachjargon heißen die Nebelberge Kelvin-Helmholtz-Wolken nach den Physikern Lord Kelvin und Hermann von Helmholtz, die erstmals mathematische Lösungen für das Wellenphänomen entwickelt hatten. Die Wogen sind recht häufig am Himmel, denn ständig bringen Winde die Luft zum Schwingen und Flugzeuge zum Wackeln. Gewöhnlich jedoch verrät kein Nebel die Wellen, und so bleiben sie meist unsichtbar - im Gegensatz zu den eindrucksvollen Wogen von Birmingham.



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