Wetterrekord Meteorologen messen längsten Blitz

Eine Organisation der Uno hat zwei neue Wetterrekorde ermittelt: den längsten und den am längsten dauernden Blitz. Sie übertreffen bisherige Vorstellungen um ein Vielfaches.

Langer Blitz (Symbolbild)
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Was Blitze sind, bestimmt das Lexikon der Weltorganisation für Meteorologie (WMO): Es handele sich um elektrische Entladungen in der Atmosphäre, die innerhalb einer Sekunde über maximal 32 Kilometer stattfänden, heißt es dort.

Neuen Daten der WMO zufolge aber ist die Definition veraltet - Blitze können viel extremer sein. Die Organisation, die zu den Vereinten Nationen gehört (Uno), hat zwei neue Wetterrekorde ermittelt: den längsten und den am längsten dauernden Blitz.

Der am längsten dauernde Blitz hielt sich am 30. August 2012 7,74 Sekunden über dem Südosten Frankreichs, berichtet die WMO. Er schoss 200 Kilometer waagerecht über den Himmel. Die Entladungen hätten sich von einer Wolke zur nächsten übertragen.

Zeitlich kürzer, aber über größere Distanz breitete sich der zweite Weltrekordhalter aus: Am 20. Juni 2007 zuckte über Oklahoma im Süden der USA ein 321 Kilometer langer Blitz ebenfalls ziemlich waagerecht übers Firmament.

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"Dramatische Verbesserungen" der Fernerkundung hätten die neuen Rekorde entlarvt, schreibt die WMO. Die Erfassung von Blitzen sei allerdings weiterhin lückenhaft.

Es sei mithin wahrscheinlich, dass es noch extremere Blitze gebe als die neuen Rekordhalter. Die Gefahr von Blitzschlag sei jedenfalls höher als angenommen - ein weitaus größeres Gebiet könnte betroffen sein.

Ihren Lexikoneintrag über Blitze wollen die Gelehrten nun ändern. Statt "einer Sekunde" würden sich Blitze ausbreiten, solle es nun heißen: "kontinuierlich".

Studien zufolge sterben jährlich Tausende Menschen an Blitzschlag; die meisten Opfer gibt es in ärmeren Gegenden mit wenig schützenden Behausungen. Vor allem tropische und subtropische Regionen sind betroffen, dort gibt es den meisten Treibstoff für Gewitter: feucht-schwüle Luftmassen.

Steigen sie auf, sprießen oft mächtige ambossförmige Gewitterwolken - das perfekte Milieu für die Blitze. Die aufsteigende Luft sorgt für erhebliche Turbulenz.

Sandkörner schmelzen

Wie Blitze entstehen, ist noch immer nicht exakt verstanden. Der gängigen Erklärung zufolge laden sich Partikel in den Wolken mit unterschiedlicher Ladung auf. Hagelkörner reiben sich an Eiskristallen, wobei sich positive von negativen Ladungen trennen. Kleine Teilchen laden sich positiv auf, Aufwinde peitschen sie in die Höhe.

Bald schweben in zehn Kilometern Höhe vor allem Teilchen mit positiven Ladungen, während die Wolke in flacheren Gefilden negativ geladen ist. Am Boden werden dadurch positive Ladungen angezogen - in der Luft kann sich eine Spannung von Hunderten Millionen Volt aufbauen. Wird die elektrische Spannung zu groß, löst sie sich mit einem Schlag, es blitzt.

Schließlich zucken die gefürchteten 30.000 Grad heißen Stromfackeln, sie sind sechsmal wärmer als die Oberfläche der Sonne. Die Hitze dehnt die Luft explosionsartig aus; es donnert. Am Boden schmelzen sogar Sandkörner. Steht ein Mensch im Umkreis von etwa 20 Metern, ist er in Lebensgefahr.

Das sind die wichtigsten Verhaltensregeln bei Gewitter:

  • Vorsicht ist spätestens geboten, wenn weniger als zehn Sekunden zwischen Blitz und Donner liegen - Blitze sind dann nur noch gut drei Kilometer entfernt.
  • Wenn möglich, sollte man ein Gebäude oder Auto aufsuchen.
  • Zu meiden sind: Bäume, Anhöhen, feuchte Wände und am besten auch feuchte Böden. Keine Metallteile anfassen und weg mit dem Regenschirm.
  • In die Hocke gehen, Füße zusammenhalten; am besten einen Graben oder eine Kuhle aufsuchen. Abstand halten zu anderen Menschen.
  • Absteigen von Fahrrad oder Motorrad; mindestens drei Meter Abstand zu den Zweirädern.
  • Raus aus dem Wasser. Im Boot weg vom Mast, und sich kleinmachen.

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