Entenmuscheln: Wie Fortpflanzung ohne Fortbewegung glückt
Entenmuscheln verbringen den größten Teil ihres Lebens festgeklebt am Meeresgrund. Jetzt stellt haben Forscher überraschend herausgefunden, dass die Krebstiere sich nicht nur mit direkten Nachbarn, sondern auch mit entfernten Artgenossen paaren - und auch, wie sie das machen.
Wenn Entenmuscheln sesshaft werden, dann sind sie konsequent. Die Tiere verbringen den ersten Teil ihres Lebens als frei herumschwimmende Larven, doch dann lassen sie sich im Wasser nahe der Küste nieder: Sie bilden einen Stiel, mit dem sie sich fest am Untergrund verankern. Als Nahrung dient ihnen Plankton, das sie aus dem Wasser fischen.
Aber wie sorgen die Krebstiere - trotz ihres Namens sind Entenmuscheln keine Muscheln - für Nachkommen?
Seit Darwins Zeit sind Biologen davon ausgegangen, dass sich Entenmuscheln auf zwei Arten fortpflanzen: Sie können sich selbst befruchten, weil sie Zwitter sind. Und ein Krebstier kann einem Nachbarn seine Spermien bei einer sogenannten Pseudo-Kopulation unter die Schale schieben - manche Arten können deshalb ihren Penis auf ein Mehrfaches ihrer Körperlänge dehnen.
Wissenschaftler um Marjan Barazandeh von der University of Alberta im kanadischen Edmonton haben nun aber Hinweise entdeckt, dass sich zumindest eine Entenmuschel-Spezies auch auf eine dritte Weise fortpflanzen kann.
Die Forscher sammelten mehr als 630 Exemplare der Art Pollicipes polymerus ein, wie sie im Fachblatt "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten. Diese Tiere leben vorzugsweise an felsigen Küsten mit starkem Wellengang in großen Kolonien - und gelten als Delikatesse. Für Entenmuscheln sind ihre Fortpflanzungsorgane allerdings recht klein, sie erreichen nur knapp 70 Prozent der Körperlänge.
Kein Hinweis auf Selbstbefruchtung
Die meisten Krebstiere hatten mehrere Nachbarn in Paarungsreichweite. Ein kleiner Teil bildete isolierte Paare - mit nur einem Partner, der nah genug für eine Pseudo-Kopulation war - oder saß komplett isoliert auf dem Fels.
Trug ein Krebstier Embryonen, untersuchten die Forscher diese mit einer Form der DNA-Analyse. So konnten sie feststellen, ob die Nachkommen von isolierten Paaren durch eine Pseudo-Kopulation entstanden waren und ob die Embryonen isolierter Entenmuscheln durch Selbstbefruchtung gezeugt worden waren. Das Ergebnis: Sämtliche Embryonen der isoliert lebenden Tiere wiesen DNA-Merkmale auf, die anzeigten, dass sie nicht durch Selbstbefruchtung entstanden waren. Und knapp ein Viertel der Embryonen isolierter Paare hatte einen anderen Vater als den direkten Nachbarn der Entenmuschel-Mutter.
Pollicipes polymerus muss sich also auch anders fortpflanzen können. Und zwar, indem die Entenmuscheln Spermien aus dem Wasser aufnehmen, die weiter entfernte Tiere abgegeben haben, wie die Forscher schreiben. Genaueres über diesen Prozess können Barazandeh und Kollegen aber noch nicht berichten. Es sei nicht klar, ob die Spermien aktiv ins Wasser abgegeben werden, bei Ebbe einfach herausfließen, Spermien-Reste nach einer Pseudo-Kopulation ins Wasser gelangten oder ob eine Kombination dieser Vorgänge zu den Distanz-Befruchtungen führte. Das sollen nun weitere Untersuchungen klären.
wbr
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