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Gefahr durch Genmais: Beweise? Fehlanzeige

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Maiskolben auf dem Feld: Gentechnisch veränderte Pflanzen sind umstritten Zur Großansicht
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Maiskolben auf dem Feld: Gentechnisch veränderte Pflanzen sind umstritten

Genmais ist gefährlich, sagen Kritiker. Weil er sich unkontrolliert ausbreitet, weil das veränderte Erbgut andere Pflanzen und Tiere gefährdet. Stimmt das überhaupt? Forscher haben dafür trotz jahrelanger Untersuchungen kaum Belege gefunden.

Der umstrittene Genmais 1507 wird mit großer Wahrscheinlichkeit für den Anbau in Europa zugelassen. Die EU-Minister konnten sich bei ihrem Treffen am Dienstag in Brüssel nicht auf eine Ablehnung einigen. Deshalb entscheidet nun die EU-Kommission, die aber bereits eine Zulassung angekündigt hat. Umweltschützer kritisieren das scharf und warnen vor Gefahren für die Natur - aber auf welcher Grundlage?

Ein Überblick über die Forschungslage:

Was ist der gentechnisch veränderte Mais 1507?
Die US-Saatgutfirma Dupont Pioneer hat den Mais 1507 entwickelt. Forscher haben das Erbgut der Pflanze im Labor so verändert, dass sie gegen bestimmte Pflanzenschutzmittel und Mottenlarven resistent sind. Verwendet werden könnte der Mais als Tierfutter und in Biogasanlagen.

Der Mais 1507 ist ein Bt-Mais - er bildet durch eine gentechnische Veränderung einen insektiziden Stoff: das Bt-Protein. Auf natürliche Weise werden solche insektiziden Eiweiße von dem Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt) gebildet. Durch das Bt-Protein ist die Pflanze vor dem Maiszünsler oder dem Maiswurzelbohrer geschützt, ohne dass chemische Insektizide eingesetzt werden müssen. Die Raupen dieses Schmetterlings fressen sich durch die Maisstängel und richten großen Schaden an. Das Ziel des Erbgut-Umbaus: In der Landwirtschaft sollen weniger Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.

Was sind die Befürchtungen?
Gegner kritisieren, dass der Mais mit seinem eingebauten Insektengift auch Schmetterlinge, Wild- und Honigbienen gefährden würde. Auch seien die Risiken für Umwelt und Natur nicht ausreichend untersucht. Doch zahlreiche Studien widersprechen diesen Befürchtungen. Auch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hält einen Anbau der Maissorte 1507 für unbedenklich.

Hat der Mais Auswirkungen auf andere Insekten?
In einer Übersichtsarbeit konnten chinesische Forscher diese Befürchtungen nicht bestätigen. Sie durchforsteten dafür Studien aus den Jahren 2005 bis 2010. Für andere Insekten bestehe keine direkte Gefahr, schreiben die Forscher.

Jahrelange Untersuchungen zeigten außerdem, dass keine Gefahr für Bienen besteht. Für diese Studie hielten Würzburger Wissenschaftler Bienen während der Maisblüte in Flugkäfigen mit dem Bt-Mais und mit zwei herkömmlich gezüchteten Maissorten. Die gentechnische Veränderung des Maises beeinträchtigte der Studie zufolge weder die Überlebensrate der Tiere noch ihr Körpergewicht. Auch die Effizienz, mit der die Maispollen verdaut wurden, blieb unverändert.

Da aber der Bt-Mais sehr spezifisch gegen Schmetterlinge wirkt, könnte er nicht nur dem Maiszünsler schaden, sondern auch anderen Schmetterlingsarten. Zahlreiche Projekte haben das untersucht. Forscher konnten dabei in Laborversuchen zeigen, dass unterschiedliche Schmetterlingsarten auch unterschiedlich auf verschiedene Bt-Proteine reagieren. So vertrugen Larven des Monarchfalters das Bt-Protein aus Mais 1507 wesentlich besser als das von Bt11-Mais, der das gleiche Bt-Protein bildet wie MON810. 10.000-mal weniger empfindlich reagierten sie auf das Bt-Protein aus Mais 1507. Die Wachsmotte vertrug 1507-Maispollen hingegen deutlich schlechter als anderen Pollen.

Die Empfindlichkeit allein sagt aber noch nichts über eine mögliche Gefährdung der Schmetterlinge aus. Entscheidend ist, ob und in welchem Maße die Tiere überhaupt in Kontakt mit dem Maispollen kommen. Die meisten Schmetterlinge leben nicht in Maisfeldern, und die Pollenmengen, die auf ihren Futterpflanzen in der Nähe von Maisfeldern landen, sind sehr gering und gelten als ungefährlich.

Was sind die Konsequenzen aus den Studienergebnissen?
Forscher und Politiker sind vorsichtig. Daher entwickelten Wissenschaftler aus fünf europäischen Ländern im Jahr 2010 ein mathematisches Modell, mit dem die Gefährdung von Schmetterlingen durch gentechnisch veränderten Bt-Mais abgeschätzt werden kann. Dieses Modell wurde von der EFSA an Mais 1507 angepasst. Das Ergebnis: Die Sterblichkeit für hochempfindliche Schmetterlingsarten liegt unterhalb von einem Prozent, wenn der Maisanbau weniger als fünf Prozent beträgt. Aus Sicht der Behörde sind dann keine Schutzmaßnahmen erforderlich. Bei intensiverem Maisanbau empfiehlt die EFSA, einen Streifen mit konventionellen Mais zwischen den gentechnisch veränderten Mais und den Feldrand zu pflanzen.

Hat der Mais Auswirkungen auf die Umwelt?
Um die Umwelteinflüsse zu untersuchen, pflanzten Forscher drei Jahre lang Bt-Mais an und pflügten Körner und Pflanzen anschließend in den Erdboden. Das Ergebnis ihrer Studie: Sie konnten in ihren Proben kein Bt-Protein nachweisen.

Kann sich Bt-Mais unkontrolliert ausbreiten?
Wissenschaftler haben den Mais züchterisch an europäische Verhältnisse angepasst, so dass er hier wachsen kann. Ursprünglich kommt er aus Mittelamerika. Außerhalb bewirtschafteter Felder können Maispflanzen nicht wachsen und überleben - auch gentechnisch veränderter Mais kann das nicht. Mais kann auch nicht in verwandte Pflanzenarten auskreuzen, die gibt es nur in seinem Ursprungsland.

Kann genetisch verändertes Saatgut den Welthunger stillen?
Die alleinige Lösung für das Problem des Welthungers kann die Biotechnik nicht sein, sagen Experten. Aber molekulare Züchtungsmethoden und grüne Gentechnik können Ernteerträge und Pflanzenqualität verbessern - bei einem minimalen Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln.

Schon heute sprießt auf den Feldern die Profiliga des Saatguts. Einer Studie im Fachmagazin "Nature" zufolge sind die Erträge durch Züchtung in den vergangenen Jahrzehnten weltweit durchschnittlich um 28 Prozent gestiegen. Einige Turbosorten wie der Mais können sogar noch mehr: "Der Ertrag bei Mais ist seit den sechziger Jahren mehr als verdoppelt worden", sagt Lothar Willmitzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm. "Das ist hauptsächlich das Ergebnis klassischer Züchtung und in den vergangenen Jahren auch der Gentechnik."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version fehlte bei der Information zur Maissorte 1507 und ihrer Wirkung auf Schmetterlinge der Verweis auf die Internetseite transgen.de des Vereins Forum Bio- und Gentechnologie e.V. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

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insgesamt 354 Beiträge
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1. Von mir auskannte das Essener will...
grommeck 11.02.2014
Kein Problem. Nur ich möchte es gekennzeichnet haben, um die Möglichkeit zu haben, mich zu entscheiden - JA oder NEIN. Und nicht dieses von oben herab...ES REICHT - Wirtschaft und Politik!!!
2. Falsche Richtung
klammerkarlheinz 11.02.2014
wenn dieses Zeug einmal in der Natur ist gibt es kein zurück...Rückrufaktion Fehlanzeige - nicht wie bei Autos. Und dann übernimmt natürlich keiner die Verantwortung....DAS ist das Problem, und speziel bei amerikanischen Firmen - arbeiten alle wie die NSA.
3.
christiewarwel 11.02.2014
"Der Ertrag bei Mais ist seit den 60er-Jahren mehr als verdoppelt worden", sagt Lothar Willmitzer, Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Potsdam-Golm. "Das ist hauptsächlich das Ergebnis klassischer Züchtung und in den vergangenen Jahren auch der Gentechnik."" Klassische Züchtung. Schon klar. Erst das Saatgut radioaktiv bestrahlen, um Mutationen zu erzeugen und dann auf gewünschte Eigenschaften selektieren. Tatsächlich erzeugte Mutationen nicht untersuchungs- und dokumentationspflichtig.
4. Langzeitstudie
s.4mcro 11.02.2014
die letzten 500 Jahre sind doch eine super Studie darüber wie schädlich die umsatzorientierte Witschaft des Menschen ist. Und ich kann nur sagen, es gibt genügend Beweise dafür, dass wir schon zu weit gegangen sind. Nun noch in die Natur einzugreifen nur um wieder nur MEHR UMSATZ zu machen, bedarf doch da keiner Hinterfragung mehr oder?!
5. ich erinnere mich
pennywise 11.02.2014
das mir Experten versicherten: Atomstrom sei so billig das sich der Einbau von Zählern micht lohnen würde. Und Supergaus... die würde es NIE geben
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Umstrittene Untersuchung: Genmais und Tumorratten


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