Wilder Winzling Kleinstes Seepferdchen der Welt entdeckt

Was Forscher bislang für Nachwuchs hielten, ist tatsächlich eine eigene Seepferdchen-Art - und zwar die kleinste der Welt. Für ihre Größe ist die Kreatur, so die Entdeckerin, erstaunlich aktiv.


Seepferdchen Hippocampus denise: "Aktive Geschöpfe"
Patrick Colin

Seepferdchen Hippocampus denise: "Aktive Geschöpfe"

Im Vergleich zu ihm sind seine Verwandten Seepferde: In indonesischen Gewässern hat eine Forscherin ein Seepferdchen aufgespürt, das der Verkleinerungsform alle Ehre macht. Mit einer Länge von durchschnittlich 16 Millimetern ist Hippocampus denise nur so groß wie ein Fingernagel - und damit das kleinste Seepferdchen der Welt.

Bislang hatten Wissenschaftler das so genannte Pygmäen-Seepferdchen für den Nachwuchs einer der 32 anderen bekannten Seepferdchen-Arten gehalten. Doch nun fand die Meeresbiologin Sara Lourie von der Artenschutzorganisation "Project Seahorse" heraus, dass es sich bei dem Winzling in Wahrheit um eine eigenständige Spezies handelt.

Lourie, der als Entdeckerin die Ehre der Namensgebung zustand, benannte Hippocampus denise nach der Unterwasserfotografin Denise Tackett, deren Bilder auf die Notwendigkeit einer Neuklassifizierung hingewiesen hatten. Zugleich leitet sich der Name Denise vom griechischen Gott Dionysus ab, einem notorischen Wüstling - laut Lourie auch eine passende Umschreibung für die Mini-Meeresrösser: "Verglichen mit anderen kleinen Seepferdchen sind sie aktive Geschöpfe."

Weil der Mickerling tief im Korallenriff lebt und ein Meister der Tarnung ist, könnte er besser vor den Gefahren geschützt sein, die alle anderen Seepferdchen-Arten an den Rand der Vernichtung gebracht haben - in Asien sind die bizarren Fische als Potenzmittel begehrt. Allerdings ist es Lourie zufolge schwer, die Situation der neuen Spezies einzuschätzen: Bislang wurde Hippocampus denise nur ein paarmal gesichtet.

Eine mögliche Bedrohung ist die intensive Fischerei mit Schleppnetzen, die Korallenriffe und damit den Lebensraum der Winzlinge zerstören kann, so die Meeresbiologin von der McGill University im kanadischen Montreal. Doch auch der Unterwassertourismus gefährdet die Kleinstkreaturen. Lourie: "Taucher und Fotografen könnten diese Tiere zu Tode lieben."



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