Illegale Jagd: "Afrikas Wildhüter haben den Kampf verloren"

Jeden Tag riskieren die Wildhüter Afrikas ihr Leben, um Elefanten und Nashörner vor Wilderern zu schützen. Doch sie führen einen fast aussichtslosen Kampf gegen bewaffnete Banden, ein korruptes System und Abnehmer, die mehr als 60.000 Dollar für ein Kilo Beute bezahlen.

Südafrika: Von Wilderern getötete Nashörner liegen in der Savanne Zur Großansicht
DPA/ INKWE Valley Game Lodge

Südafrika: Von Wilderern getötete Nashörner liegen in der Savanne

Nairobi - Als Rehema Nyamhokya ihre Stelle als Wildhüterin im Arusha-Nationalpark von Tansania antrat, träumte sie von einem Leben mit Elefanten, Leoparden und anderen Tieren im Schatten des Kilimandscharo. Vier Jahre später wirkt die heute 29-Jährige leicht erschöpft: Zwar erwartete sie in ihrem Beruf tatsächlich eine beeindruckende Tierwelt. Zu deren Schutz muss sie sich jedoch regelmäßig mit bewaffneten Wildererbanden auseinandersetzen.

"Sicher, es ist hart dort draußen, und es kann auch gefährlich sein", sagt Nyamhokya. Vor zwei Jahren geriet sie in einen Schusswechsel mit sechs Wilderern. Die Gruppe wollte gerade einem toten Elefanten die Stoßzähne absägen. Bewaffnete Wilderer sind jedoch nicht das Hauptproblem - Nyamhokya hadert vor allem mit dem System.

Das Gehalt der Wildhüter fällt häufig spärlich aus - wildern hingegen kann äußerst lukrativ sein. Die Banden sind vor allem auf der Jagd nach Stoßzähnen und Hörnern, die in einigen asiatischen Ländern in der traditionellen Medizin zum Einsatz kommen. Für ein Kilogramm Nashorn-Hörner erzielen sie in Asien Preise von 65.000 Dollar. Festgenommene Wilderer jedoch kommen in manchen Ländern schon für eine Strafe von 500 Dollar wieder frei.

"Wenn wir jemanden verhaften und zur Polizei bringen, dann sehen wir ihn ein paar Tage später wieder auf der Straße. Es gibt so viel Korruption, dass sie sich aus dem Gefängnis freikaufen und in die Parks zurückkehren, um weiter zu wildern", sagt Nyamhokya. Wildhüter sind oft auf sich allein gestellt, von den Behörden können sie in den meisten Fällen keine Unterstützung erwarten.

Stattdessen versucht sich die Berufsgruppe selbst zu helfen: Bis Freitag läuft in der tansanischen Stadt Arusha der Welt-Ranger-Kongress. 150 Wildhüter aus 40 Nationen wollen Strategien entwickeln für den Kampf gegen Wilderei und Banden, die oft mit Kalaschnikow-Gewehren bewaffnet sind.

Wilderer: Satellitengesteuerte Ortungssysteme und Hubschrauber

Deanne Adams, die Präsidentin des Internationalen Wildhüterverbands IRF, organisiert das Treffen. Sie blickt nur mit wenig Optimismus in die Zukunft: Der Verband befürchtet, dass Afrikas Wildhüter den Kampf gegen die Banden verlieren werden - weil ihnen die Mittel fehlen. Die Wilderer hingegen haben neben guten Waffen auch satellitengesteuerte Ortungssysteme und Hubschrauber zum Abtransport der begehrten Hörner.

"Wir erhoffen uns von der internationalen Gemeinschaft, dass sie sich mehr um die Wildhüter kümmert und erkennt, warum sie so wichtig sind für die Schutzgebiete und warum es wichtig ist, ihnen, die tagtäglich ihr Leben riskieren, angemessene Ressourcen zukommen zu lassen", sagt Adams.

Nashörner werden laut den Wildhütern so häufig gejagt wie nie zuvor. Allein in den vergangenen drei Jahren wurden rund tausend der Tiere illegal getötet. Auch die Elefanten-Wilderei kommt nach Einschätzung von Tierschützern so häufig vor wie seit den 1980er Jahren nicht mehr.

Auch Wildhütern gegenüber agieren die Banden skrupellos: Im August wurde ein kenianischer Wildhüter von Wilderern niedergeschossen. In der Demokratischen Republik Kongo kommen Morde Monat für Monat vor, sagt Adams. Auch hätten Tierschützer Hinweise, dass Rebellengruppen in das Geschäft eingestiegen sind, etwa die islamistischen Al-Schabaab-Milizen in Somalia oder die ugandische "Widerstandsarmee des Herren" ("Lord's Resistance Army", LRA).

Die australische Wildhüterin Kristen Appel bringt das, was viele ihrer Kollegen vor allem in Afrika fühlen, bei dem Treffen auf den Punkt: "Wildhüter fühlen sich oft isoliert." Wenn Kollegen stürben oder ihnen Gehalt vorenthalten werde, raube ihnen das endgültig den Mut.

irb/James Reinl, dpa

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