Schutzprojekt Wildkatzen breiten sich wieder in Deutschland aus

Sechs Jahre lang haben Naturschützer Bäume gepflanzt, um den Lebensraum von Wildkatzen zu vergrößern. Mit Erfolg. Die Tiere sind in immer mehr Gebieten zu finden, nur nicht in Norddeutschland.

Wildkatzen stammen nicht von verwilderten Hauskatzen ab
Thomas Stephan/ BUND

Wildkatzen stammen nicht von verwilderten Hauskatzen ab


Grüne Augen, rosa Näschen und ein graubraunes Tigerfell: Auf den ersten Blick ähneln Europäische Wildkatzen den verschmusten Stubentigern zu Hause. Doch anders als das beliebteste Haustier der Deutschen sind Wildkatzen bedroht, die Spezies steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Lange fast bis zur Ausrottung bejagt, fehlt den hierzulande inzwischen streng geschützten Tieren vor allem ihr angestammter Lebensraum: naturnahe Wälder. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Sechs Jahre nach dem Start des Naturschutzprojekts "Wildkatzensprung" hätten die Tiere ihre Gebiete vergrößert, sagte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), bei einer Bilanz am Dienstag. So lebten sie heute zum Beispiel sogar im Leipziger Auwald. "Damit hätte niemand gerechnet", ergänzte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund).

Bestand auf bis zu 7000 Tiere gewachsen

2011 startete das 3,85 Millionen teure Schutzprogramm aus den Mitteln des Bundesumweltministeriums. Mehr als 1200 freiwillige Helfer haben seither unter anderem dabei geholfen, rund 25.000 Bäume und Sträucher zu pflanzen, um Wälder zu vernetzen. In fünf Bundesländern entstanden so grüne Korridore zwischen Wildkatzenwäldern, zum Beispiel in Thüringen zwischen dem Nationalpark Hainich und dem Thüringer Wald. Auch in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz gibt es solche Grünbereiche.

Außerdem wurden mehr als 2400 Haarproben gesammelt, daraus ist eine Gendatenbank für die Wildkatze entstanden, die Informationen über Wanderrouten und die Zahl der Tiere liefert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, die die Daten analysiert hat, schätzt die Zahl der Wildkatzen in Deutschland im vergangenen Jahr auf 5000 bis 7000 Exemplare. Der Bund hatte vor zehn Jahren noch von 3000 bis 5000 Tieren gesprochen.

Wildkatzen wiegen vier bis fünf Kilo
Thomas Stephan/ BUND

Wildkatzen wiegen vier bis fünf Kilo

Im Norden weiter ausgestorben

Wildkatzen streiften schon durch die heimischen Wälder, lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen brachten. Die Tiere sehen gedrungener aus als die verwandten Hauskatzen und leben ausschließlich in Wäldern mit viel Unterholz und Baumhöhlen zum Verstecken. Noch vor etwa 200 Jahren waren sie in ganz Deutschland verbreitet. Durch intensive Jagd bis 1935 und den schwindenden Lebensraum drohte anschließend der Verlust der genetischen Vielfalt.

Die Projektoren/ BUND

Vor dem Projekt galten Mittelgebirge wie Hunsrück, Eifel, Pfälzerwald, Rhön, Hainich und Spessart als Lebensraum von Wildkatzen. Inzwischen sind sie nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz auch im Kottenforst bei Bonn, im nördlichen Baden-Württemberg und bei Leipzig nachgewiesen (siehe Karte oben). Überrascht haben die Wildkatzen in Bayern: "Sie leben nun auch im Süden des Landes", so Weiger. "Sie müssen also durch die Donau geschwommen sein."

Insgesamt leben deutlich mehr Wildkatzen im Südwesten Deutschlands als im Südosten, wo auch die Vielfalt des Genpools kleiner ist. Im Norden, zum Beispiel in Brandenburg und Mecklenburg, gelten die Tiere weiter als ausgestorben. Dort gäbe es zwar geeignete Wälder - aber es fehlen durchgängige grüne Verbindungen zu den heutigen Wildkatzenregionen.

800 Wildkatzen identifiziert

"Wir haben durch Genanalysen 800 Wildkatzen identifizieren können", berichtet Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Gesellschaft. Die Wissenschaftler wissen nun auch, dass sich die wilden und die zahmen Katzen kaum verbandeln. "Nur drei Prozent der analysierten Wildkatzen tragen Hauskatzen-DNA", sagte Mosbrugger.

Die finanzielle Förderung für das Wildkatzenprojekt durch das Bundesumweltministerium ist nun ausgelaufen. Naturschützer und Senckenberg-Gesellschaft wollen trotzdem weitermachen.

Die Umweltschützer vom Bund wollen auch nach Projektende langfristig grüne Korridore mit einer Gesamtlänge von rund 20.000 Kilometern schaffen. Wildkatzen in die Landesentwicklungspläne aktiv mit einzubeziehen, haben nach Angaben des Bund bisher nur Thüringen und Hessen zugesagt, Baden-Württemberg sei auf dem Weg.

jme/AFP/dpa



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