London - Winkerkrabben leben in Kolonien. Allerdings hat jedes Tier ein eigenes Territorium rund um seine Behausung. Darum müssen sich die Krabben selbst kümmern. Doch das können sie unterschiedlich gut: Während männliche Winkerkrabben über zumindest eine beeindruckend große Schere verfügen, haben die weiblichen Tiere nur zwei kleine Exemplare - und die taugen eigentlich nur zur Nahrungsaufnahme. Wie die Weibchen es dennoch schaffen, ihr Revier zu verteidigen, war bisher unklar.
Wissenschaftler um Richard Milner von der Australian National University in Canberra konnten diese Frage nun klären. Zwei Monate lang hatten sie eine Winkerkrabbenkolonie vor der Ostküste Südafrikas beobachtet. Dabei stellten sie fest, dass die weiblichen Krabben von ihren benachbarten männlichen Artgenossen beschützt werden - zumindest gegen manche Angreifer.
Im Fachmagazin "Biology Letters" berichten die Forscher, dass die Männchen ihren weiblichen Nachbarn zu Hilfe kommen, wenn diese von einem anderen männlichen Eindringling belästigt werden. Auf weibliche Eindringlinge, so die Beobachtungen der Forscher, reagierten die Beschützer-Männchen dagegen weniger.
Erst nach der Dienstleistung wird der Geschlechtsakt gewährt
Die Nachbarschaftshilfe wurde durchaus belohnt: Geschlechtliche Kontakte spielten sich größtenteils zwischen benachbarten Tieren ab. Von 52 untersuchten Paarungen kamen in 44 Fällen die Männchen aus der direkten Nachbarschaft der Weibchen. Die Forscher vermuten, dass die Männchen zum einen das Revier ihrer Nachbarinnen mit beschützen - und dass sie zum anderen als Belohnung dafür bei der Partnerwahl bevorzugt werden.
Die Forscher gehen davon aus, dass der Sex tatsächlich die Belohnung für den Schutz ist und nicht als Vorschuss gezahlt wird. Es sei sehr ungewöhnlich, dass ein Weibchen dem Männchen erst nach einer Dienstleistung den Geschlechtsakt gewährt, sagen die Wissenschaftler, denn normalerweise sei dies umgekehrt: Erst Sex dann Hilfe.
Mit dem Wunsch nach guten Paarungsmöglichkeiten lasse sich auch das ungewöhnliche Verteidigungsverhalten der Winkerkrabben gegen Eindringlinge aus anderen Kolonien erklären. So bekämpfen die Winkerkrabben nur Angreifer, die kleiner sind als sie selbst - im anderen Fall würde die Belohnung das Risiko nicht aufwiegen.
Vor etwa einem Jahr hatten australische Forscher bereits von einem ganz besonderen Kampftrick der Winkerkrabben berichtet: Demnach bilden Tiere, die ihre Schere verloren haben, in manchen Fällen eine Attrappe aus. Diese neue Schere sieht zwar groß und furchteinflößend aus, ist aber viel zu schwach, um als Waffe zu dienen. Dennoch haben die Krabben mit diesem Bluff Erfolg: Sie können damit oft Kontrahenten vertreiben. Und auch bei weiblichen Tieren seien sie damit im Vorteil, so die Forscher.
chs/ddp
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