Winter im März Der Grund für die Schneemassen

Was für ein Umschwung: Innerhalb kürzester Zeit sind die Temperaturen um 30 Grad gefallen - in weiten Teilen Deutschlands ist der Winter zurück. Was ist der Grund für den plötzlichen Kältesturz? Meteorologen haben eine einfache Erklärung.


Offenbach/Hamburg - Züge kommen verspätet, die Bahn hat die Geschwindigkeit im gesamten Netz gedrosselt. Der Winter ist zurück. Am Frankfurter Flughafen mussten Tausende Passagiere übernachten, weil ihre Flüge gestrichen wurden. Auf glatten Autobahnen krachten viele Fahrzeuge ineinander. Das Winterwetter dieser Tage sorgt für große Probleme. Und Meteorologen sagen bis zum Wochenende weitere Schneefälle vorher.

Aber ist das normal? Ein Rückfall von bereits frühlingshaften Temperaturen auf winterliche Minusgrade? In der vergangenen Woche waren in Teilen Deutschlands 20 Grad gemessen worden - nun sind es nachts mancherorts rund 30 Grad weniger.

Tatsächlich sind solche Kälterückfälle typisch für die Jahreszeit: "März ist ein Übergangsmonat", sagt der Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Auch Schneefälle sind normal für den Monat. In diesem Jahr allerdings hat es der Zusammenprall zweier Luftmassen ungewöhnlich stark schneien lassen. Ursache der heftigen Niederschläge waren die extremen Temperaturunterschiede.

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Weißer Wetterumschwung: Deutschland im Schnee
"Am Dienstagmorgen hatten wir bei Hamburg minus 19 Grad, ganz im Süden am Nachmittag hingegen plus 13 Grad - Temperaturunterschiede von mehr als 30 Grad", berichtet Friedrich. Die arktische Kaltluft aus Norden schob sich wie ein Keil unter warme und feuchte Meeresluft aus Süden. In kühler Höhe kondensierte der warme Wasserdampf zu riesigen Wolken - aus denen bald massenhaft weiße Flocken fielen. Nur alle zehn bis 20 Jahre kämen im März so heftige Schneefälle vor, sagt Friedrich.

Gerüchte vom Winterdienst

Ähnlich sieht dies das Institut für Wetter- und Klimakommunikation (IWK): Eine solch breite Luftmassenkollision sei über Deutschland im Durchschnitt nur alle 20 Jahre zu beobachten. Ungewöhnlich langsam habe sich die mehr als tausend Kilometer breite Luftmassengrenze südwärts übers Land geschoben. Die natürliche Schneemaschine reichte von Westeuropa über Deutschland und Polen bis nach Osteuropa.

Zuletzt habe sich das Phänomen allerdings gehäuft: Eine ähnliche Wetterlage sei im März 2006 über Norddeutschland gezogen, erklärt das IWK. Damals lagen in Hamburg 28 Zentimeter Schnee. 1965, 1969 und 1979 lag dem DWD zufolge der Schnee im März in Norddeutschland noch deutlich höher.

Dass es jetzt wieder zu großen Verkehrsproblemen kam, liege aber wohl nicht so sehr am Schnee, sagt der Meteorologe Thomas Ruppert vom DWD. Es gebe Gerüchte, wonach zu Monatsbeginn nach den warmen Vorfrühlingstagen einige Winterdienste ihre Technik bereits eingemottet hätten, sagt Ruppert. "Die Just-in-Time-Logistik und unbedingte Mobilität finden einfach ihre Grenzen", sagt der Wetterkundler.

boj/dpa

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