Wippen-Fernwirkung Gewicht der Nordsee lässt Loch Ness schwappen

Der schottische Loch Ness schwappt im Gleichschritt mit den Nordsee-Gezeiten, obwohl das Meer gar nicht in den See fließt. Geoforscher präsentieren nun eine erstaunliche Erklärung für das Phänomen.

Loch Ness: Rätsel im See
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Loch Ness: Rätsel im See


Hamburg - Das Ungeheuer von Loch Ness ist weltbekannt, obwohl es noch nie gesichtet wurde. Und der See in Schottland nahe der Nordseeküste hält weitere Mysterien bereit. Alle 32 Minuten schwappt eine kleine Welle, eine sogenannte Seiche, durch das Gewässer. Der Wasserstand ändert sich außerdem in einem Rhythmus von zwei Tagen. Und der See schwappt zudem im Gleichschritt mit den Meeresgezeiten hin und her - obwohl das Nordseewasser gar nicht in den See fließt.

Rekelt sich doch das Ungeheuer "Nessie" im Wasser, wie Spaßvögel meinen? Oder wie sind die Pegeländerungen zu erklären?

Für die Schwankungen des Wassers im Rhythmus der Nordsee-Tide haben Geoforscher nun eine Erklärung gefunden. Die Last des Meeres lasse den Boden Schottlands im Takt von Ebbe und Flut wippen - und damit auch den Seegrund von Loch Ness. Dadurch werde der See wie die Blase in einer Wasserwaage zum Schwappen gebracht, schreiben Wissenschaftler um David Pugh vom National Oceanography Centre in Liverpool im Fachmagazin "Journal Of Geophysical Research".

Erster Beweis

Die Forscher haben neue Daten von Drucksensoren ausgewertet, die Messungen in bisher unerreichter Genauigkeit zuließen: Die Geräte stehen am Boden des Sees, sie zeichnen Schwankungen der Wasserhöhe auf - bis auf einen zehntel Millimeter genau.

Diese Messungen ergaben, dass der Seepegel im Rhythmus der Nordsee-Gezeiten um anderthalb Millimeter schwankt: Wenn die Flut anrollt, erhöht das Meer die Last auf den Untergrund, der Boden sinkt ein - und die küstennahen Pegel am Ostufer des Loch Ness steigen. Zieht sich die Nordsee bei Ebbe zurück, kippt der Boden zurück, so dass das Seewasser zurück schwappt. Nun steigen die Pegel auf der anderen Seite von Loch Ness.

Der Effekt sei erstmals an einem europäischen See nachgewiesen worden, schreiben David Pugh und seine Kollegen. Aufgrund der belastenden Wirkung des Meeres auf den Untergrund, sprechen Wissenschaftler dabei von "Ocean Loading". Für den Fangano-See in Feuerland meinten Forscher den Fernwirkungseffekt bereits nachgewiesen zu haben; das Ergebnis ist aber umstritten. Doch auch im Loch Ness bleiben noch genügend Rätsel.

boj

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insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
joe_blow 02.01.2012
1. Schwappende stehende Welle
Aus Wikipedia: Als Seiche (frz. /sɛʃ/) bezeichnet man stehende Wellen des Wassers in Seen, Buchten oder Hafenbecken. Da schwappt also alle 32 min. eine stehende Welle ans Ufer? Das wage ich zu bezweifeln. Hervorragend recherchierter Artikel!
manontherocks 02.01.2012
2. ganz so neu
ist dieses phaenomen nicht; das grosse elektronenmikroskop im berkeley national lab zeigt permanent eine störung, die die gleiche frequenz hat wie die wellen im über 50 km entfernten point reyes, die dort gegen die brandung hauen aufmerksam wurden die kollegen dort durch einen hinweis von kollegen in marseille, die mit dem gleichen problem oder phänomen zu kämpfen hatten
wandersleben 02.01.2012
3. Genauer informieren, bitte!
Zitat von joe_blowAus Wikipedia: Als Seiche (frz. /sɛʃ/) bezeichnet man stehende Wellen des Wassers in Seen, Buchten oder Hafenbecken. Da schwappt also alle 32 min. eine stehende Welle ans Ufer? Das wage ich zu bezweifeln. Hervorragend recherchierter Artikel!
Schon mal mit einer spiralfeder, wie es sie im spielzeugladen oder bei krams und klüngel gibt, eine stehende welle erzeugt? Offenbar nicht, sonst wüssten Sie, wie man sich auf eine seeoberfläche eine stehende welle vorstellen muss.
nic 02.01.2012
4.
Zitat von joe_blowAus Wikipedia: Als Seiche (frz. /sɛʃ/) bezeichnet man stehende Wellen des Wassers in Seen, Buchten oder Hafenbecken. Da schwappt also alle 32 min. eine stehende Welle ans Ufer? Das wage ich zu bezweifeln. Hervorragend recherchierter Artikel!
"la seiche" ist doch ein Tintenfisch (Sepia)? Laut leo.org nennt sich die Welle en francais "seiches".
cosmoplitan99 02.01.2012
5. Wie wärs mit dem folgenden Vorsatz für 2012?
Zitat von wanderslebenSchon mal mit einer spiralfeder, wie es sie im spielzeugladen oder bei krams und klüngel gibt, eine stehende welle erzeugt? Offenbar nicht, sonst wüssten Sie, wie man sich auf eine seeoberfläche eine stehende welle vorstellen muss.
... ein bisschen netter und respektvoller zu sein in den Foren? Gilt auch für Urteile über den Verfasser des kommentierten Artikels. Mit den Foren haben wir Leser die Möglichkeit, Fehler oder Unklarheiten richtig zu stellen. Tun wir das doch, statt auszuteilen.. Mein Beitragsversuch: Stehende Wellen haben als Charakteristikum, dass ihre Schwingungsknoten und Bäuche ortsfest sind, die Amplitude kann im zeitlichen Verlauf durchaus mal 0 werden womit die Welle für einen Moment quais unsichtbar wird. Seiches (ist übrigens die Mehrzahlform von Seiche) sind Transversalwellen. Ich interpretiere die genannten 32 Minuten so, dass dies die Periodendauer der Welle ist. Somit ist an einer Stelle im See alle 32 Minuten ein Wellenberg sichtbar. Übrigens ist der englische Artikel über Seiches etwas ergiebiger als der deutsche, dort wird auch die Herkunft des Worts beschrieben.
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