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Wirbel im Pazifik: Plastikmüll fährt Karussell

Ein gewaltiger Wirbel treibt Müll durch den gesamten Nordpazifik. US-Forscher haben die Bewegung jetzt in einem Modell simuliert und konnten so vorhersagen, dass der Abfall jahrelang unterwegs ist und über 10.000 Kilometer zurücklegt.

Der subarktische Meereswirbel ist ein gigantisches Karussell. Angetrieben von der Erdrotation und starken Winden rotieren riesige Wassermassen - und mit ihnen im Meer treibender Müll. Bis zu 13.000 Kilometer können Turnschuhe, Plastikspielzeug und anderes Treibgut binnen drei Jahren zurücklegen, um schließlich wieder am Ausgangspunkt anzugelangen. Dies hat der Ozeanograf Curtis Ebbesmeyer aus Seattle bei einer Simulation des Strudels herausgefunden.

Müllstrudel im Nordpazifik: Bis zu 16 Jahren im Kreisel gefangen
Greenpeace

Müllstrudel im Nordpazifik: Bis zu 16 Jahren im Kreisel gefangen

Der sogenannte subarktische Wirbel rotiert im Pazifik zwischen Nordamerika und Asien. Der Strömungsverlauf war jedoch bislang nur in Grundzügen bekannt. Ebbesmeyer entwickelte gemeinsam mit Kollegen ein Modell der Strömung. Dieses musste sich anschließend der Wirklichkeit stellen: Würde das Modell die Wege vorhersagen, die im Wirbel treibender Müll, etwa Spielzeug oder Schuhe, nimmt? Solche Abfälle werden immer wieder an den Küsten der Region gespült.

Nach Ebbesmeyers Modell bewegt sich der Müll mit elf Zentimetern pro Sekunde in einem riesigen Kreis. Er braucht zwei bis vier Jahre für eine Runde. Diese Daten verglich der Forscher mit Beobachtungen aus dem Nordpazifik. 1992 waren beispielsweise 30.000 Stück Spielzeug von einem Frachtschiff über Bord gegangen, das auf dem Weg von Hongkong in die USA war. Seitdem wird an den Stränden von Sitka in Alaska etwa alle drei Jahre Spielzeug angespült. Dies deckt sich mit den Vorhersagen Ebbesmeyers, die er im Fachblatt "Eos" veröffentlicht hat.

Feuerzeuge und CD-Hüllen am Strand

Das neue Modell des subarktischen Wirbels könne Ozeanografen helfen, die Bewegungen im Meer besser zu verstehen, etwa wenn es um Lachszüge gehe. Außerdem zeigten Ebbesmeyers Simulationen, dass umher treibender Plastikmüll eine Langzeitbedrohung für Vögel und andere Tiere darstelle, die ihn mit Futter verwechselten. "Man verliert etwas im Ozean, doch es verschwindet nicht", sagte der Forscher dem Online-Nachrichtendienst "Science Now".

Vor den Gefahren der gigantischen, im Meer kreisenden Müllteppiche hatte zuletzt auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace gewarnt. Mit dem Schiff "Esperanza" hatten Aktivisten einen anderen Kreisel, den sogenannten Nordpazifikwirbel, im Oktober und November durchkreuzt. Auf einem Strandabschnitt von Hawaii hatten die Umweltschützer unter anderem Feuerzeuge, CD-Hüllen, Eimer, Kabeltrommeln und Einmalrasierer eingesammelt.

Müllteppich der Größe Zentraleuropas

Der Müll treibt nach Greenpeace-Angaben bis zu 16 Jahre in dem Kreisel. Diese Daten beruhten auf Untersuchungen der US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Der geschlossene Müllteppich habe mittlerweile die Größe Zentraleuropas erreicht. Angeblich soll jedes in den Nordpazifik eingebrachte Plastikstück über kurz oder lang in diesem Müllstrudel enden.

Greenpeace warnt nicht nur vor den Folgen bei Tieren, die mit Plastikabfällen ihre Mägen verstopfen. Problematisch sei auch, dass der Kunststoffmüll wasserunlösliche Substanzen wie DDT und PCB binde. Das Plastik wirke dadurch wie ein Giftschwamm. Meerestiere, die den Abfall aufnähmen, würden so vergiftet und im nächsten Schritt auch weitere Glieder der Nahrungskette.

Der Müllteppich ist entstanden, weil die Menschheit seit Jahrzehnten ihre Abfälle im Meer verklappt. Kunststoffe brauchen mitunter mehrere hundert Jahre, bis sie sich zersetzen. Nach einer Studie des Uno-Umweltprogramms Unep treiben mittlerweile bis zu 18.000 Plastikteile auf jedem Quadratkilometer Meeresfläche.

hda

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