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Wirbelstürme: Tornado-Saison beginnt immer früher

Mindestens zwölf Tote, Hunderte Verletzte, Schäden in Millionenhöhe: Nach den ersten schweren Tornados in den USA warnen Forscher, dass die Stürme immer früher im Jahr beginnen und mehr Regionen treffen als bisher. Als Ursache haben sie den Klimawandel in Verdacht.

Wirbelstürme in den USA: Klimawandel lässt Tornados früher wehen Fotos
AP

Sie werden ehrfürchtig "Finger Gottes" genannt: Tornados verwüsten in den USA regelmäßig ganze Kleinstädte. Die Luftwirbel kündigen sich bereits von weitem an: Zeugen erzählen von tiefem Brausen wie bei Wasserfällen, das stetig lauter wird und schließlich donnernd faucht. Zahlreiche Tornados ziehen jedes Jahr über Amerika hinweg. In der vergangenen Woche verursachten die Stürme im Mittleren Westen der USA schwere Zerstörungen. Starke Winde mit Hagelschauern zogen über mehrere Bundesstaaten, bevor sie Richtung Osten abdrehten.

Überraschend war vor allem der Zeitpunkt: Normalerweise beginnt die Tornado-Saison in den USA erst im April. Mehrere Klimaforscher warnen nun, dass die Wirbelsturmserie in Zukunft immer früher einsetzen könnte.

"Der Frühling beginnt mittlerweile ein oder auch zwei Wochen früher, und die Wirbelsturm-Saison eher im Februar als im April", sagt Kevin Trenberth vom National Center for Atmospheric Research in Boulder (US-Bundesstaat Colorado). Ob der frühere Beginn und auch die Schwere der Tornados durch den Klimawandel beeinflusst werden, sei allerdings kaum untersucht. Das müsse dringend nachgeholt werden.

Künftige Stürme werden schlagkräftiger

Der Klimawandel könnte die beiden Bedingungen, die zur Entstehung eines Tornados notwendig sind, gegensätzlich beeinflussen: Das wärmere Klima könnte die Intensität der Stürme verstärken, gleichzeitig aber Scherwinde mindern - starke Winde, die vor allem in den höheren Luftschichten entstehen. "Zukünftige Tornados werden noch schlagkräftiger sein, sie können gleichzeitig aber weniger regelmäßig auftreten als bisher", sagt Anthony Del Genio vom Goddard Institute for Space Studies der US-Weltraumbehörde Nasa.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass Wirbelstürme, die jeweils Energie von einer Region in eine andere transferieren, dies immer effektiver tun. Dadurch könnte es ein paar weniger Tornados geben, sagt Del Genio. Allerdings, das zeige eine seiner Studien von 2011, werde es in der Mitte und im Osten der USA mehr Tage geben, die die Entstehung schwerer Tornados begünstigen - besonders wenn die Erderwärmung weiter fortschreitet. Tatsächlich wurde seit 1970 ein Anstieg der schweren Stürme gemessen, berichtet der Uno-Klimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change).

Auch Untersuchungen des Klimaforschers Robert Trapp von der Purdue University (West Lafayette) bestätigen die neuen Schätzungen. So könnten auch am Golf von Mexiko und an der Atlanikküste Wirbelstürme entstehen, in Regionen, die bislang nicht dafür bekannt sind. In den USA würde sich die Zahl der Tornado-günstigen Tage verdoppeln, sagt Trapp.

Bisher war der April der beste Monat für die Tornado-Saison: Vom Golf von Mexiko strömt tropisch warme Luft heran, sie ist die perfekte Zutat für die Tornado-Entstehung: Prallt die Meeresluft über den USA auf kühlen Westwind, dann steht das Rezept für schwere Unwetter bereit. Die warme Luft steigt auf, kondensiert in kühler Höhe zu Regentropfen und bildet riesige Gewitterwolken. Große Mengen Wasserdampf steigen aufgrund ihrer Wärme in die Höhe. Die Wolkenbildung setzt zusätzlich Energie frei, die den Luftaufstieg weiter antreibt. Die Gewitter entwickeln eine Eigendynamik und beginnen, sich um ihre Achse zu drehen.

Ob die Klimaerwärmung die Wirbelstürme anfacht, sei bislang unklar, hieß es im letzten Sachstandsbericht des Uno-Klimarats IPCC von 2007. Allerdings hielten es Forscher schon damals für wahrscheinlich, dass im Gefolge der Klimaerwärmung vermehrt feuchtwarme Luft aufsteigt, denn warme Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen. Die wichtigste Zutat für Tornados würde also in größerem Maße zur Verfügung stehen.

Auch in Deutschland muss mit etwa zehn Tornados pro Jahr gerechnet werden, meistens im Hochsommer. Hierzulande werden sie verharmlosend Windhosen genannt, dabei sind sie nicht unbedingt schwächer als normalerweise in den USA.

nik/reuters

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1. na ja, da fragt sich nur...
texas_star 06.03.2012
Zitat von sysopAPMindestens zwölf Tote, Hunderte Verletzte, Schäden in Millionenhöhe: Nach den ersten schweren Tornados in den USA warnen Forscher, dass die Stürme immer früher im Jahr beginnen und mehr Regionen treffen als bisher. Als Ursache habe sie den Klimawandel in Verdacht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,819608,00.html
"Auch in Deutschland muss mit etwa zehn Tornados pro Jahr gerechnet werden, meistens im Hochsommer. Hierzulande werden sie verharmlosend Windhosen genannt, dabei sind sie nicht unbedingt schwächer als normalerweise in den USA." ... wieviele windhosen in der kategorie F4 und F5 es denn hierzulande in Deutschland jaehrlich gibt. Der viel zitierte und bereits etliche Jahrzehnte (!) zurueckliegende Pforzheim-Tornado war "lediglich" ein F4. In den USA hingegen (und in flaechenmaessig kleineren oder vergleichbaren Bundesstaaten zu Deutschland, wie Oklahoma, Kansas z.b.) kommt es jaehrlich zu MEHREREN F4 und sogar F5 Tornados. Die schweren verwuestungen der letzten woche waren allesamt F4 Tornados und eventuell vielleicht auch F5 darunter. Tornados dieser staerke treten fast NIE in deutschland auf, es sei denn man schaut gleich Jahrzehnte oder noch laenger in die vergangenheit und findet ein einzelbeispiel. die deutschen "windhosen" deshalb mit tornados gleichsetzen ist doch eher peinlich....
2. Peinlich ist eher,
gandhiforever 06.03.2012
Zitat von texas_star"Auch in Deutschland muss mit etwa zehn Tornados pro Jahr gerechnet werden, meistens im Hochsommer. Hierzulande werden sie verharmlosend Windhosen genannt, dabei sind sie nicht unbedingt schwächer als normalerweise in den USA." ... wieviele windhosen in der kategorie F4 und F5 es denn hierzulande in Deutschland jaehrlich gibt. Der viel zitierte und bereits etliche Jahrzehnte (!) zurueckliegende Pforzheim-Tornado war "lediglich" ein F4. In den USA hingegen (und in flaechenmaessig kleineren oder vergleichbaren Bundesstaaten zu Deutschland, wie Oklahoma, Kansas z.b.) kommt es jaehrlich zu MEHREREN F4 und sogar F5 Tornados. Die schweren verwuestungen der letzten woche waren allesamt F4 Tornados und eventuell vielleicht auch F5 darunter. Tornados dieser staerke treten fast NIE in deutschland auf, es sei denn man schaut gleich Jahrzehnte oder noch laenger in die vergangenheit und findet ein einzelbeispiel. die deutschen "windhosen" deshalb mit tornados gleichsetzen ist doch eher peinlich....
wenn Ajatollah Robertson behauptet, Beten haette die Tornados ferhalten koennen. Villeicht hat der Prediger auch eine religioese erklaerung dafuer, warum der Biblebelt von Gottes strafe immer wieder heimgesucht wird.
3. Mag sein dass...
Stefan_G 06.03.2012
Zitat von texas_star"Auch in Deutschland muss mit etwa zehn Tornados pro Jahr gerechnet werden, meistens im Hochsommer. Hierzulande werden sie verharmlosend Windhosen genannt, dabei sind sie nicht unbedingt schwächer als normalerweise in den USA." ... wieviele windhosen in der kategorie F4 und F5 es denn hierzulande in Deutschland jaehrlich gibt. Der viel zitierte und bereits etliche Jahrzehnte (!) zurueckliegende Pforzheim-Tornado war "lediglich" ein F4. In den USA hingegen (und in flaechenmaessig kleineren oder vergleichbaren Bundesstaaten zu Deutschland, wie Oklahoma, Kansas z.b.) kommt es jaehrlich zu MEHREREN F4 und sogar F5 Tornados. Die schweren verwuestungen der letzten woche waren allesamt F4 Tornados und eventuell vielleicht auch F5 darunter. Tornados dieser staerke treten fast NIE in deutschland auf, es sei denn man schaut gleich Jahrzehnte oder noch laenger in die vergangenheit und findet ein einzelbeispiel. die deutschen "windhosen" deshalb mit tornados gleichsetzen ist doch eher peinlich....
... die klimatischen Voraussetzungen in den USA starke Tornados eher begünstigen als in Europa. Allerdings schätzt die Fujita-Skala die Stärke von Tornados anhand von Gebäudeschäden. Weil es so gut wie nie möglich ist, die Windgeschwindigkeit selbst zu messen. Da in den USA massive Steinbauten weit seltener sind als in Europa wird daher dort regelmäßig eine höhere Wertung erzielt, ein USA-F3 muss daher nicht stärker sein als ein Europa-F1 oder F2 Nebenbei glaube ich nicht, dass es einem Hausbesitzer, dem es eben alle Tonziegel vom Dach geweht hat (gibt es im Mittelwesten der USA auch selten), peinlich ist, das Ereignis "Tornado" zu nennen.
4. Der Klimawandel findet statt!
ginfizz53 06.03.2012
Zitat von sysopAPMindestens zwölf Tote, Hunderte Verletzte, Schäden in Millionenhöhe: Nach den ersten schweren Tornados in den USA warnen Forscher, dass die Stürme immer früher im Jahr beginnen und mehr Regionen treffen als bisher. Als Ursache habe sie den Klimawandel in Verdacht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,819608,00.html
Beweis: 1) Wird es wärmer empfunden: O.K., das war der Klimawandel.... 2) Wird es kälter empfunden: Die Wetterausschläge nehmen halt zu... 2.1) Das gilt auch für andere Wetterausschläge. Tornados in USA (Sehr seltenes Phänomen), Sturmfluten in Hamburg (Ach hätte doch Helmut Schmidt schon den totalen Durchblick gehabt...). Schneefall in Kaiserslautern. Zugefrorene Weiher im April in Erkenschwick-Buer... 3) Ist es eigentlich so wie immer: Na ja, die Klimakatastrophe findet halt langsam statt...
5. Deutsche Tornados
C5H5N 06.03.2012
Zitat von texas_star"Auch in Deutschland muss mit etwa zehn Tornados pro Jahr gerechnet werden, meistens im Hochsommer. Hierzulande werden sie verharmlosend Windhosen genannt, dabei sind sie nicht unbedingt schwächer als normalerweise in den USA." ... wieviele windhosen in der kategorie F4 und F5 es denn hierzulande in Deutschland jaehrlich gibt. Der viel zitierte und bereits etliche Jahrzehnte (!) zurueckliegende Pforzheim-Tornado war "lediglich" ein F4. In den USA hingegen (und in flaechenmaessig kleineren oder vergleichbaren Bundesstaaten zu Deutschland, wie Oklahoma, Kansas z.b.) kommt es jaehrlich zu MEHREREN F4 und sogar F5 Tornados. Die schweren verwuestungen der letzten woche waren allesamt F4 Tornados und eventuell vielleicht auch F5 darunter. Tornados dieser staerke treten fast NIE in deutschland auf, es sei denn man schaut gleich Jahrzehnte oder noch laenger in die vergangenheit und findet ein einzelbeispiel. die deutschen "windhosen" deshalb mit tornados gleichsetzen ist doch eher peinlich....
Das ist nicht peinlich, sondern korrekt. "Tornado" ist das englische Wort für "Windhose". Mit der Stärke haben beide Begriffe nichts zu tun. Ein Tornado ist selbst mit Stärke F0 (ein etwas frischerer Wind) ein Tornado, auch bei Stärke F5 (katastrophal) heißt die deutsche Übersetzung immer noch "Windhose". Die weitaus größte Zahl der US-Tornados sind Leichtgewichte der Stärkekategorie F0 bis F1, die wenigsten fallen in die Kategorie F4 oder F5. Allerdings ist in den Vereinigten Staaten die Zahl der Tornados insgesamt viel höher als in Deutschland, so dass man dort jedes Jahr auch die höchste Gewichtsklasse erleben kann. Die im Artikel angegebenen 10 Tornados pro Jahr in Deutschland sind ein zu niedriger Wert. Ich habe mir unter Tornadoliste Deutschland von Thomas Sävert - Naturgewalten (http://www.tornadoliste.de/) die Zahlen bestätigter Fälle in Deutschland angesehen. Für die letzten 10 Jahre waren es hier insgesamt 575 bestätigte Tornados. Einen durch Klimaveränderungen hervorgerufenen Trend kann ich über diesen Zeitraum für deutsche Tornados übrigens nicht erkennen.
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Erde von der verrückten Seite

Tornados
Definition
Tornados sind Wirbelstürme. Sie entstehen bei großen Temperaturunterschieden und treten in Mitteleuropa häufig zusammen mit Gewittern auf. Dabei stülpt sich aus der Gewitterwolke ein rüsselartiger Wolkenschlauch. In den USA erreichen Tornados im Extremfall Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde - meist sind es etwa 120 Kilometer pro Stunde. Den im Volksmund gebräuchlichen Begriff Windhose benutzen Meteorologen selten, weil er das meist folgenreiche Wetterphänomen ihrer Ansicht nach verniedlicht.
Entstehung
Tornados können wegen ihres zum Teil sekundenschnellen Entstehens oft nicht vorausgesagt werden. In europäischen Breiten löst sich das Phänomen in der Regel nach wenigen Minuten wieder auf. Ein Tornado bildet sich nach Angaben von Experten nur unter bestimmten Konstellationen. Wichtige sind große Wolken, Gewitter und unterschiedliche Windrichtungen in unterschiedlichen Höhen. In diesem Gefüge entsteht eine rotierende Bewegung in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und als eine Art Rüssel sichtbar wird.

Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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