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Wirbelstürme: Tropische Klimazone breitet sich aus

Wirbelstürme: Wanderung zu den Polen (Taifun "Roke" 2011) Zur Großansicht
DPA/ NASA

Wirbelstürme: Wanderung zu den Polen (Taifun "Roke" 2011)

Tropische Wirbelstürme sind Fluch und Segen zugleich: Sie bescheren wichtigen Regen, können aber auch unermessliche Zerstörung anrichten. Einer Studie zufolge wandern sie jetzt weiter Richtung Pole.

Madison - Tropische Wirbelstürme entfernen sich immer weiter vom Äquator. Das berichten jetzt Forscher um den Meteorologen James Kossin von der US-Behörde für Wetter und Ozeanografie (NOAA). Im Schnitt hätten sich die Wirbelstürme in den vergangenen 30 Jahren jedes Jahrzehnt um mehr als 50 Kilometer in Richtung Pole bewegt, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Nature" . Auf der Nordhalbkugel wanderten die Stürme demnach im Schnitt rund 53 Kilometer in Richtung Nordpol, auf der Südhalbkugel 62 Kilometer in Richtung Südpol.

Der Trend sei im Pazifik und im südlichen Indischen Ozean besonders deutlich, schreiben die Meteorologen. Im Atlantik hingegen gebe es dafür keine Anzeichen. Im nördlichen Indischen Ozean wanderten die wenigen Wirbelstürme sogar in Richtung Äquator. Global gebe es aber einen Trend hin zu den Polen.

Viele Regionen, die bisher weitgehend von Wirbelstürmen verschont geblieben sind, würden künftig häufiger davon betroffen sein, schlussfolgern die Forscher. Andererseits blieben die Menschen in einer größeren Zone entlang des Äquators von solchen Naturkatastrophen öfter verschont. Was nicht nur von Vorteil ist - das Ausbleiben der Wirbelstürme in manchen Regionen könnte dort zu Wassermangel führen.

Tropische Klimazone breitet sich aus

Die neue Studie deckt sich den Autoren zufolge mit früheren Beobachtungen, nach denen sich die tropische Klimazone allmählich in Richtung der Erdpole ausbreitet. Was zur Ausweitung der Zone führe, sei unsicher, erklärt Kossin laut einer NOAA-Mitteilung. Viele Wissenschaftler gingen aber davon aus, dass es einen Zusammenhang mit Effekten des Klimawandels gibt, beispielsweise mit Treibhausgasen, Ausdünnung der Ozonschicht und Luftverschmutzung.

Einen entscheidenden Einfluss auf die Wirbelstürme messen die Forscher speziellen Winden zu, die für einen Druckausgleich zwischen Luftschichten unterschiedlicher Höhe sorgen können. Hohe Druckunterschiede erhöhen gemeinhin das Risiko von tropischen Wirbelstürmen. Die Auswertung mehrerer Messreihen ergab, dass diese Winde in den vergangenen Jahrzehnten in den Regionen entlang des Äquators zunahmen. An den Rändern der tropischen Klimazone nahmen sie hingegen ab. Dort stieg das Risiko für Wirbelstürme.

Bisher sei eine langfristige Analyse tropischer Wirbelstürme daran gescheitert, dass viele Aufzeichnungen nicht miteinander vergleichbar gewesen seien, schreiben die Forscher. Sie stützten sich bei ihrer Studie deshalb auf einen einheitlichen Messwert - den Zeitpunkt der größten Stärke eines Wirbelsturms: seinen Spitzenwert. Ihn setzten sie in Beziehung zum Breitengrad der Messung.

khü/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Da sieht man mal wieder...
fpwinter 15.05.2014
... wie Meinungen "gemacht" werden: Der Meteorologe James Kossin sagt eindeutig, die Ursache sei nicht bekannt. Dann reicht der Hinweis darauf, "viele Wissenschaftler gehen davon aus, daß es einen Zusammenhang mit Effekten des Klimawandels gibt", und voila: Schon ist impliziert, der "menschgemachte Klimawandel" verursache mehr Wirbelstürme, wofür es bis heute keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Bravo!
2. Ignoranz...
caracho! 15.05.2014
...wird den Menschen in den betroffenen Gebieten nicht helfen. Denen ist es auch völlig egal, ob der Klimawandel Schuld hat, sie erleben diesen Wandel jedes Jahr. Schon mal in einem Hurricane gewesen? Ich verspreche Ihnen, da geht es um´s nackte Überleben und nicht um Theorien.....aber in absehbarer Zeit wird es diese Stürme auch im Mittelmeer geben, dann können Sie auch in Malle einen miterleben, während Sie weiter den Klimawandel leugnen.
3. Beipflicht zum Erstkommentar: Meinungsmache...
Whybr 15.05.2014
Aus den dünnen Informationen, die der Artikel liefert, wird nichts Wichtiges und Signifikantes deutlich. Selbst der Titel ist irreführend, da am Äquator selbst sowie auf dem Nordatlantik und dem nördlichen Indischen Ozean ein Rückgang/Abgang der Wirbelsturmaktivität zu verzeichnen ist. Im Grunde alles weißes Rauschen, welches auch durch wechselnde Messmethoden ganze andere Gründe liefernkann. Nichts ist bei den Klimafragen wirklich gewiss, da die Messungen noch nicht ausreichend lange vorliegen. Es wird aber anders verkauft, um Meldungen im Kurzformat zu produzieren...
4. Danke für die Warnung an SPON
skell100 15.05.2014
Bei einem Voranschreiten von rd. 50 km in 30 Jahren werden wir in Deutschland in etwa 3500 Jahren massiv von tropischen Wirbelstürmen betroffen sein. Da lohnt es sich, jetzt schon etwas vorzusorgen.
5.
reuanmuc 15.05.2014
Zitat von fpwinter... wie Meinungen "gemacht" werden: Der Meteorologe James Kossin sagt eindeutig, die Ursache sei nicht bekannt. Dann reicht der Hinweis darauf, "viele Wissenschaftler gehen davon aus, daß es einen Zusammenhang mit Effekten des Klimawandels gibt", und voila: Schon ist impliziert, der "menschgemachte Klimawandel" verursache mehr Wirbelstürme, wofür es bis heute keinen einzigen wissenschaftlichen Nachweis gibt. Bravo!
Die Frage ist, was man als Nachweis akzeptiert. Die Klimaleugner werden nie einen Nachweis als solchen akzeptieren. Es gibt jedoch viele Hinweise, die mal mehr mal weniger eindeutig sind. Wenn die Wassertemperatur steigt, dann können sich die Wirbelstürme in Richtung der Pole wandern. Dort ist die Corioliskraft stärker, die den Wirbelsturm verstärkt. Es ist also sehr wohl zu erwarten, dass im Verlauf des Klimawandels die Hurricanes im Atlantik nach Norden wandern und an Stärke zunehmen. Früher oder später ist New York genauso betroffen wie New Orleans in der Karibik. Meeresströmungen und Land-Wasser-Verteilungen beeinflussen die Wirbelstürme ebenfalls; das macht Prognosen daher sehr schwierig. Die Frage ist, ob man die Risiken zur Kenntnis nehmen will, oder ob man lieber wartet und den Kopf in den Sand steckt, bis die Katastrophe real ist. In Deutschland kann man es sich natürlich im Sessel bequem machen und zusehen, wie die Anderen absaufen.
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Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun
Entstehung
Orkan, Hurrikan, Zyklon und Taifun sind im Grunde das gleiche Wetterphänomen. Bei allen vieren handelt es sich um Wirbelstürme, die entstehen, wenn sich um ein großes Tiefdruckgebiet ein Sturmfeld bildet. Je nach Stärke und Größe kann es erhebliche Verwüstungen anrichten.

Ein Orkan entsteht, wenn kalte Luft vom Nordpol auf warme Luft aus dem Süden trifft. An der Grenze, der sogenannten Polarfront, ziehen die Luftmassen aneinander vorbei. Dabei können Drehbewegungen entstehen, in deren Zentrum der Luftdruck stark abfällt und Tiefdruckwirbel mit starken Winden ausgelöst werden.

Tropische Wirbelstürme entstehen dagegen über aufgeheizten Wassermassen im Ozean. Die aufsteigende Luft erzeugt einen Unterdruck, der Luft aus der Umgebung ansaugt. Dieser Kamineffekt wird durch das warme Wasser weiter befeuert. Die Luftmassen werden durch die sogenannte Corioliskraft, die aus der Erdrotation entsteht, in Drehung versetzt.
Unterscheidung
Von Orkanen sprechen Seefahrer und Meteorologen ab Windstärke zwölf, dem höchsten Wert auf der nach dem britischen Admiral Francis Beaufort benannten Beaufort-Skala. Sie entspricht einer Geschwindigkeit von 117,7 Kilometern pro Stunde oder 64 Knoten. Solche Winde können nicht nur in Tiefdruckgebieten wie etwa "Kyrill", sondern auch örtlich begrenzt in Tornados auftreten.

Während der Begriff Orkan früher zusammenfassend für alle diese Phänomene benutzt wurde, bezeichnet er heute meist nur noch die Windstärke bei Stürmen in Europa. Ein tropischer Wirbelsturm wird dagegen Hurrikan oder Taifun genannt - je nachdem, ob er sich im Atlantik, dem Nordpazifik oder in der Karibik entwickelt und so zum Hurrikan wird oder aber im nordwestlichen Pazifik wütet und dann als Taifun gilt. Im Indischen Ozean wiederum wird ein Wirbelsturm auch Zyklon genannt.

Tropische Wirbelstürme entwickeln höhere Windgeschwindigkeiten als Winterstürme. Letztere besitzen dagegen breitere Sturmfelder und bewegen sich schneller fort, manchmal bis zu 2000 Kilometer pro Tag.
Gefahren
Wirbelstürme können die See zu Wellenhöhen von bis zu 20 Metern aufpeitschen. Im Binnenland sind sie wegen größerer Reibung am Boden dagegen selten, weshalb es dort meist nur zu Orkanböen kommt. Sie können selbst starke Bäume entwurzeln und schwere Verwüstungen verursachen. Der Hurrikan "Katrina" etwa, der im August 2005 New Orleans verwüstete und mehreren tausend Menschen das Leben kostete, wurde aus einem tropischen Tief geboren. In Asien lösen Taifune regelmäßig Katastrophen mit Hunderten Toten aus.

Zu vergleichbar schweren Katastrophen kam es in Europa noch nicht. Aber auch hier richteten Winterorkane schon erhebliche Schäden an und töteten Dutzende Menschen. Ende 1999 etwa zog der Orkan "Lothar" von der Biskaya kommend über Frankreich, die Schweiz und Süddeutschland und richtete einen Schaden in Milliardenhöhe an. Der Sturm traf mittags mit voller Wucht auf den Schwarzwald, mit Spitzengeschwindigkeiten von 272 km/h. Selbst in dem im tiefen Rheingraben gelegenen Karlsruhe wurden Werte von bis zu 151 km/h registriert. Mehr als 60 Menschen wurden europaweit durch den "Jahrhundertsturm" getötet.


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