Wirbelsturm "Irene" Hurrikan fräst Kälteloch in den Atlantik

Wirbelsturm "Irene" hat nicht nur an Land deutliche Spuren hinterlassen: Im Ozean vor der US-Ostküste erstreckt sich nun eine gigantische Fläche kalten Wassers. Der Hurrikan hat dem Meer Wärme entzogen - und als Treibstoff genutzt.

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Satellitenbild: Die Färbungen des Wassers zeigen die Abweichung der Temperatur vom langjährigen Durchschnitt - von fünf Grad wärmer (rot) bis fünf Grad kälter (dunkelblau). "Irenes" Spur ist oben rechts vor der Ostküste der USA; die große blaue Fläche links wurde vom Klimaphänomen La Niña verursacht, das den Pazifik über Monate abkühlt.
NOAA/ NESDIG

Satellitenbild: Die Färbungen des Wassers zeigen die Abweichung der Temperatur vom langjährigen Durchschnitt - von fünf Grad wärmer (rot) bis fünf Grad kälter (dunkelblau). "Irenes" Spur ist oben rechts vor der Ostküste der USA; die große blaue Fläche links wurde vom Klimaphänomen La Niña verursacht, das den Pazifik über Monate abkühlt.


Hamburg - Hurrikan "Irene" hat im Osten der USA erheblichen Schaden verursacht und Opfer gefordert: 38 Menschen sollen nach jüngsten Angaben ums Leben gekommen sein. Die meisten wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen oder von herabfallenden Starkstromleitungen tödlich getroffen. Aus 11 US-Staaten wurden Tote gemeldet. Zuvor hatte der Tropensturm in der Dominikanischen Republik und in Haiti mindestens fünf Menschen das Leben gekostet.

Das Unwetter führte vielerorts zu schweren Überschwemmungen, richtete aber geringere Schäden an als zunächst befürchtet. Nach vorläufigen Schätzungen liegen die Folgekosten zwischen sieben Milliarden und zehn Milliarden Dollar. Und auch im Ozean hat der Wirbelsturm Spuren hinterlassen: Vor der Ostküste hat sich ein Kaltwasserteppich ausgebreitet - "Irene" hat die Wärme aus dem Meer gesogen. Und sie hat kaltes Wasser nach oben gerührt.

Grund dafür: Hurrikane ziehen ihre Energie aus dem Meer. Sie entstehen erst, wenn eine 50 Meter dicke Wasserschicht an der Oberfläche mindestens 26,5 Grad Celsius erreicht. Aus dem warmen Meer steigt Wasserdampf und kondensiert in der Höhe zu Wolken. Die Energie, die zum Verdampfen des Wassers notwendig war, wird dabei wieder frei und lässt die Wolken immer höher emporsteigen. Dabei entsteht ein Sog, ein starkes Tiefdruckgebiet. Die Erddrehung zwingt den Wolkenwirbel in eine Drehung, die von der Wärmeenergie des Ozeans beschleunigt wird.

Ein Satellitenbild der US-Wetterbehörde NOAA zeigt nun, welche Folgen die Energiemaschine im Ozean haben kann: Vor der Ostküste der USA hat Hurrikan "Irene" eine Schneise kalten Wassers hinterlassen. Das Meer ist dort auf weiter Fläche um bis zu drei Grad kühler als vor dem Durchzug des Sturms: Es entstand ein Kälteloch im Ozean. Das Wasser jedoch, das der Sturm verschonte, ist weiterhin sommerlich warm. Das Satellitenbild zeigt keine absoluten Temperaturen, sondern die Abweichung der Meerestemperatur vom langjährigen Durchschnitt.

"Irene" hat dem Atlantik damit eine gigantische Menge Energie geraubt - wie viel genau, wurde noch nicht ausgerechnet. Sicher ist: Das Meer wurde auf Hunderttausenden Quadratkilometern bis in Dutzende Meter Tiefe um mehrere Grad abgekühlt, Billionen von Kilojoule wurden dem Ozean entzogen. Dafür braucht es normalerweise einen wochenlang dauernden Wetterumschwung.

Die Karte dokumentiert auch, dass der Wirbel im Norden an Kraft verlor - dort verliert sich die Kältespur im Ozean. Gleichzeitig offenbart das Satellitenbild, dass der tropische Ozean derzeit viel Energie für weitere Hurrikane bereithält. In den Tropen erstreckt sich ein breites Band warmen Wassers, das weitere Wirbel anfachen könnte. Mit Ostwind aus Afrika ziehen regelmäßig Tiefdruckgebiete Richtung Amerika, die bisweilen zu Hurrikanen anschwellen.



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insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
GerhardFeder 29.08.2011
1. O weh
Werden solche Ereignisse denn in den Klimaprognosen berücksichtigt?
augu 29.08.2011
2. Wie wird dem Meer die Wärme
entzogen ? Durch enorm starke Verdampfung des Meerwassers ? Die dabei entstehende Abkühlung reicht bis Dutzende Meter Tiefe? Wenn der Mechanismus bekannt, warum nicht näher im Artikel erläutert?
Hador, 29.08.2011
3. kt
Zitat von sysopWirbelsturm "Irene" hat nicht nur an Land deutliche Spuren*hinterlassen: Im Ozean vor der US-Ostküste erstreckt sich nun eine*gigantische Fläche kalten Wassers. Der Hurrikan hat*dem Meer*Wärme entzogen - und als Treibstoff genutzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,783187,00.html
Ja und weiter? Das ist bei Hurrikanen so üblich und davon gibts auch im Atlantik jedes Jahr mehrere. Das einzige bemerkenswerte an Irene war, dass er seit Jahren der erste halbwegs starke Hurrikan war, der auf die US-Ostküste. Und auch hier ist eher die Tatsache bemerkenswert, dass es so lange Zeit keinen gab der die Küste traf als umgekehrt. Hurrikans in Carolina und New York sind völlig normal wenn man sich mal die Geschichte anschaut.
de.nada 29.08.2011
4. ~
Zitat von auguentzogen ? Durch enorm starke Verdampfung des Meerwassers ? Die dabei entstehende Abkühlung reicht bis Dutzende Meter Tiefe? Wenn der Mechanismus bekannt, warum nicht näher im Artikel erläutert?
Wußten Sie nicht das der Atlantik 26,5 °C warmes Wasser in 50 Meter dicken Schichten hat und da, wie jeder Grundschüler weiß, selbstverständlich richtig was verdampft oder verdunstet ? Auch der Plattensee in Ungarn ist jährlich ein paar mal komplet weg und wird dabei zum Hurikane, aber das konnte noch nie gefilmt oder sonswie aufgezeichnet werden. Eines der größten Naturrätsel dieseits des Urknall, ein wahres Paradies für den Autor, möchte man meinen.
gruj1 29.08.2011
5. Das ist
Zitat von GerhardFederWerden solche Ereignisse denn in den Klimaprognosen berücksichtigt?
völlig überflüssig, weil der Begriff Klima (worauf sich dann folglich Klimaprognosen beziehen) den mittleren Zustand der Atmosphäre über 30 Jahre bezeichnet.
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