Nordrhein-Westfalen Wisent-Herde wird in den Wald entlassen

Im größten Privatforst von Nordrhein-Westfalen steht die Freisetzung einer Herde von Wisenten unmittelbar bevor. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten werden die mit dem amerikanischen Bison eng verwandten Zotteltiere ungehindert durch einen deutschen Wald laufen.

Von Marco Evers

Wisente (in der Slowakei): Die Zotteltiere werden in Deutschland wieder in Freiheit leben
AFP

Wisente (in der Slowakei): Die Zotteltiere werden in Deutschland wieder in Freiheit leben


Wo heute Deutschland liegt, hat schon lange niemand mehr Wisente in Freiheit gesehen. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert gelten die gewaltigen Zotteltiere hierzulande als ausgerottet. Doch jetzt kommt das Wisent zurück. Wie der SPIEGEL in der am Samstag erscheinenden Weihnachtsausgabe berichtet, werden acht der ehemals nahezu ausgestorbenen Wildrinder schon in den nächsten Tagen im Rothaargebirge in die Freiheit entlassen. Diese Woche hat das Landesumweltministerium in Düsseldorf die Genehmigung dafür erteilt.

Die mächtigen Tiere werden überwiegend auf dem Besitz von Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg leben, der rund um das Städtchen Bad Berleburg etwa 130 Quadratkilometer Wald sein Eigen nennt. Der Forstunternehmer will damit belegen, dass aktiver Artenschutz auch unter den Bedingungen eines kommerziellen Forstbetriebes grundsätzlich möglich ist.

Der Freisetzungsgenehmigung gingen jahrelange wissenschaftliche Studien voraus. Dabei ging es besonders um die Frage, ob die Wisente - mit bis zu einer Tonne Gewicht zählen sie zu den schwersten Landtieren Europas - eine Gefahr für Spaziergänger und Mountainbike-Fahrer darstellen könnten. Mitten durch das neue Siedlungsgebiet der Wisente führt der Rothaarsteig, der populäre Premium-Wanderweg zwischen Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dass Wanderer dort die Tiere aber je zu Gesicht bekommen, gilt wegen der scheuen Lebensweise der Wisente als eher unwahrscheinlich.

Die Herde besteht aus einem Bullen, fünf Kühen und zwei Jungtieren. Sie soll anwachsen auf eine Größe von zunächst 25 Tieren. Die Wiedereinführung von Wildtierarten in Europa führt immer wieder zu teils emotionalen Debatten. So wird auch die Rückkehr der Wölfe, die in Deutschland derzeit schnell voranschreitet, von Kritikern argwöhnisch beobachtet.

Lesen Sie mehr über Prinz Richard, den Wisentbullen "Egnar" und den erbitterten Widerstand gegen die Wisente im Hochsauerland im SPIEGEL am Samstag.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 180 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spongie2000 20.12.2012
1. teils emotionalen Debatten
Auch bei der Einführung der Wölfe wurde auf die Emotionalität der Gegenstimmen verwiesen, ohne gute Gegenargumente anzuführen. Seit wann ist eigentlich das Argument "dieses Tier könnte meine Freiheit beschränken und mir oder anderen Bürgern gefährlich werden" ein emotionales Argument? Schließlich sperren wir wegen dem selben "emotionalen Argumenten" Schwerverbrecher oder Wiederholungstäter weg. Nicht falsch verstehen, ich weiß nicht, ob dieses Tier gefährlich ist. Doch ich will mir nicht das Wort "emotional" anhören, wenn ich mir begründete Sorgen um mir und meine Familie machen will!
martin-z. 20.12.2012
2. schön
Zitat von sysopAFPIm größten Privatforst von Nordrhein-Westfalen steht die Freisetzung einer Herde von Wisenten unmittelbar bevor. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten werden die mit dem amerikanischen Bison eng verwandten Zotteltiere ungehindert durch einen deutschen Wald laufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wisente-werden-in-nrw-in-freie-wildbahn-entlassen-a-874168.html
dass die wildtiere zurückkehren. aber wenn die ersten kinder von den wölfen totgebissen oder den wisenten totgetrampelt sind, werden die menschen schon dafür sorgen, dass diese bestien dahinkommen wo sie hingehören: in den zoo! unglaublich, dass unsere politiker uns aus reiner geldgier einer solchen gefahr aussetzen!!!!
mundi 20.12.2012
3. Nichts Neues
Zitat von sysopAFPIm größten Privatforst von Nordrhein-Westfalen steht die Freisetzung einer Herde von Wisenten unmittelbar bevor. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten werden die mit dem amerikanischen Bison eng verwandten Zotteltiere ungehindert durch einen deutschen Wald laufen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/wisente-werden-in-nrw-in-freie-wildbahn-entlassen-a-874168.html
Die gibt es in Polen seit über 100 Jahren.
Connor Larkin 20.12.2012
4. Wer ist hier für wen gefährlich
Ein wichtiges Kriterium war ob das Wisent eine Gefahr für Wanderer und Mountainbiker darstellen könnte. Gehts noch? Wer hat denn hier wen ausgerottet? Wildschweine sind auch nicht ganz ungefährlich, trotzdem dürfen sie sich in unseren Wäldern frei bewegen.
CaptainSubtext 20.12.2012
5.
Zitat von spongie2000Auch bei der Einführung der Wölfe wurde auf die Emotionalität der Gegenstimmen verwiesen, ohne gute Gegenargumente anzuführen. Seit wann ist eigentlich das Argument "dieses Tier könnte meine Freiheit beschränken und mir oder anderen Bürgern gefährlich werden" ein emotionales Argument? Schließlich sperren wir wegen dem selben "emotionalen Argumenten" Schwerverbrecher oder Wiederholungstäter weg. Nicht falsch verstehen, ich weiß nicht, ob dieses Tier gefährlich ist. Doch ich will mir nicht das Wort "emotional" anhören, wenn ich mir begründete Sorgen um mir und meine Familie machen will!
Emotional bedeutet, dass Sie sich völlig überzogene Sorgen machen. Sorgen die de facto nicht berechtigt sind, wenn man nur akzeptiert, dass es keine absolute Sicherheit gibt. Menschen sind *extrem *schlecht in der Risikobeurteilung und machen sich "berechtigte" Sorgen über Dinge, die sie oder ihre Angehörigen vermutlich nie betreffen werden (Terroristen, Elektrosmog)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.