Bestandsregulierung Bundesregierung berät über Abschuss von Wölfen

Gibt es zu viele Wölfe in Deutschland? Die Regierung bereitet offenbar Maßnahmen vor, die den Bestand der Tiere verkleinern sollen.

Wölfe in Niedersachsen (Archivfoto)
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Wölfe in Niedersachsen (Archivfoto)


Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) wollen Mitte Januar klären, ob der Abschuss von Wölfen in Deutschland zum Schutz von Nutztieren erleichtert werden soll. Dies kündigten Sprecherinnen beider Ministerien am Mittwoch in Berlin an.

Schulze hatte bereits zugesagt, das Bundesnaturschutzgesetz zu ändern, um besonders auffällige Wölfe abschießen zu können. Eine Sprecherin ihres Ministeriums sagte jetzt, der Abschuss von Wölfen, die einen "ausreichend hohen Elektrozaun überwinden können", sei heute schon möglich.

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Raubtier: Die Wölfe sind zurück

Ministerin Klöckner will offenbar mehr. In einem Brief an Schulze, über den die "Rheinische Post" berichtet hatte, bittet Klöckner ihre Ressortkollegin, alle rechtlichen Möglichkeiten zur Reduzierung des Wolfsbestandes auszuschöpfen, die das internationale und europäische Artenschutzrecht bereithalte. Das Gesetz müsse so geändert werden, dass künftig eine "gemäßigte Bestandsregulierung" möglich sei, die mehr als nur einzelne Abschüsse erlaube.

Wie eine Sprecherin des Agrarministeriums jetzt sagte, nimmt der Wolfsbestand in Deutschland jährlich um 25 bis 30 Prozent zu, was alle drei bis vier Jahre eine Verdoppelung bedeute. Heute gebe es hierzulande rund 600 Wölfe. 2016 seien mehr als 1000 gerissene Tiere gezählt worden.

Wölfe fühlen sich wohl in Deutschland. Dies geht aus dem Wolfsmonitoring 2017/2018 hervor, das vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf" (DBBW) vorgelegt wurde. Die Bundesländer meldeten 73 bestätigte Wolfsrudel, 30 Wolfspaare sowie drei sesshafte Einzeltiere. Damit ist die Anzahl der Rudel um 13, die der Paare um neun gestiegen.

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Die neuen Zahlen untermauern den Trend aus den vergangenen Monitoringberichten, die zuletzt Jahr für Jahr mehr Wölfe in Deutschland meldeten. Dabei sind die Vorkommen der Tiere nach wie vor bundesweit sehr ungleich verteilt:

Die meisten Wölfe leben in der Lausitz, vor allem in der Grenzregion zwischen Brandenburg und Sachsen, ihre Verbreitung konzentriert sich in einem Band vom Südosten bis in den Nordwesten Deutschlands. Insgesamt dürften laut der neuen Daten zwischen 213 und 246 ausgewachsene Wölfe in Deutschland leben.

Bis Wölfe vor etwa 150 Jahren durch intensive Jagd ausgerottet wurden, gehörte Deutschland zu ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet. Obwohl der Wolf nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union streng geschützt ist, häufen sich unrechtmäßige Tötungen. "Nach Verkehrsunfällen ist die illegale Tötung die zweithäufigste Todesursache und stellt somit ein ernst zu nehmendes Problem dar", bestätigt Jessel.

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Auf Skepsis trifft die zunehmende Verbreitung der Tiere vor allem bei Weidetierhaltern, die sich um ihre Herden sorgen. Normalerweise jagen Wölfe vor allem Rehe, Wildschweine und Rothirsche, erlegen aber auch Nutztiere, wenn sich die Gelegenheit bietet. Dies trifft vor allem Schafe und Ziegen. 2016 wurden in Deutschland knapp 300 Übergriffe mit mehr als tausend verletzten Nutztieren gemeldet. Landwirte erhalten eine Entschädigung, wenn ein Wolf ihr Vieh trotz Schutzmaßnahmen getötet hat.

boj/stu/dpa



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