Kognitive Fähigkeiten Was Wolf kapiert, kapiert Hund noch lange nicht

Wenn es in der Dose scheppert, könnte etwas Leckeres drin sein. Wölfe verstehen das. Hunde? Eher nicht. Als Haustieren mangelt es ihnen laut einer Studie an "Forschungsdrang".

Experiment am Wolf Science Center in Österreich
Michelle Lampe/ Wolf Science Center

Experiment am Wolf Science Center in Österreich


Als Wissenschaftler muss man mitunter auch schauspielern. Dies zeigen die Versuche mit Wölfen und Hunden am Wolf Science Center im österreichischen Ernstbrunn. Um die kognitiven Fähigkeiten der Tiere zu untersuchen, spielte eine Forscherin immer wieder aufs Neue verschiedene Rollen in einem eigens für die Experimente gebauten Mini-Theater.

Michelle Lampe von der Radboud-Universität in Nijmegen und ihre Kolleginnen wollten herausfinden, wie gut Hunde und Wölfe Hinweise auf Nahrung verstehen, die in einer von zwei Dosen auf der Bühne versteckt war. Dabei zeigte sich, dass Wölfe bei einigen Versuchen klar besser abschnitten als Hunde.

Die Tiere standen vor einer Holzkonstruktion, die an ein Puppentheater erinnert. Dann zog die dahintersitzende Forscherin die Jalousie nach oben. Sichtbar wurden die Forscherin selbst und zwei Dosen, eine links, die andere rechts - siehe folgendes Video.

Als Nächstes gab die Wissenschaftlerin einen Hinweis, in welcher der Dose Futter stecken könnte. Mal suchte sie den Augenkontakt zum Tier und schaute dann zu der richtigen Dose, mal zeigte sie mit der Hand hin. Bei diesen kommunikativen Hinweisen schnitten die 14 Hunde und zwölf an den Menschen gewöhnte Wölfe gleich gut ab.

Ganz anders waren die Ergebnisse beim Erkennen kausaler Zusammenhänge. Die Forscherin war dabei nicht zu sehen. Sie versteckte sich vielmehr hinter der Bühne und zog die beiden Dosen nacheinander an einem Seil nach oben.

Dabei machte die mit Futter gefüllte Dose Geräusche, die leere jedoch nicht. Die Wölfe wählten in etwa 70 Prozent der Fälle die richtige Dose, bei den Hunden lag die Quote nur bei knapp 50 Prozent.

Forscherin hinter der Bühne
Michelle Lampe/ Wolf Science Center

Forscherin hinter der Bühne

Die Experimente zeigten, dass Hunde den kausalen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nicht verstünden, Wölfe dagegen schon, schreiben die Forscherinnen im Fachblatt "Scientific Reports". "Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Domestikation einen Einfluss auf die Wahrnehmung unserer heutigen Hunde hatte", sagte Lampe. Auch bei früheren Experimenten hatten Wölfe besser abgeschnitten als Hunde - etwa beim Lernen voneinander.

Die enge Beziehung zwischen Mensch und Hund währt schon Tausende Jahre. Vermutlich haben Jäger und Sammler irgendwann damit begonnen, Wölfe zu zähmen, und so den Beginn der Entwicklung zum Hund eingeleitet. Einer neuen Untersuchung zufolge lief der Übergang vom Wolf zum Hund vor 20.000 bis 40.000 Jahren ab.

Die Forscherinnen können jedoch nicht ausschließen, dass Wölfe deshalb kausale Zusammenhänge besser erkennen, weil sie "mehr Forschungsdrang" zeigen müssen als Haustiere. Hunde seien üblicherweise darauf konditioniert, vom Menschen Futter zu bekommen. Wölfe müssten dagegen Futterquellen selbst entdecken.

hda

insgesamt 33 Beiträge
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Sissy.Voss 16.09.2017
1. Netter Versuch?
Mag schon sein, dass Wölfe "neugieriger" sind als Hunde. Der Versuchsaufbau scheint aber methodisch ziemlich einfach gestrickt zu sein. Insbesondere der erste Teil des Versuchs, das Deuten mit Hand oder Augen, scheint mir Caniden in der dargestellten Ausführlichkeit eher zu unterfordern. Wir wissen schließlich, dass Hunde menschliche Gesichter „lesen“ können und auf weit subtilere Zeichen reagieren, als die im Versuch geradezu grotesk übertriebenen. Es würde mich interessieren, ob im zweiten Teil, dem Klapper-Versuch, ausgeschlossen werden kann, dass anhaftende minimale Futterreste das Ergebnis beeinflusst haben und die Wölfe nicht aufgrund höherer Intelligenz, sondern wegen besseren Nasen das Futter lokalisiert haben. Es könnte nämlich durchaus eine Folge von 40.000 Jahren Domestizierung sein (was übrigens KEIN neueres Forschungsergebnis ist, ebensowenig wie die Diskussion über multilokale Domestizierung), dass Hunde mangels Notwendigkeit nicht mehr so gut riechen. Versuche in der Verhaltensforschung sind extrem schwer zu designen und auszuwerten, insbesondere, wenn sich die Vergleichsgruppen so ähnlich sind.
merdaccidit 16.09.2017
2.
Ich frage mich, ob diese Forscher die individuellen Antezedenzien der Hunde und Wölfe berücksichtigt haben. Wenn die Ursache für die Unterschiede der kognitiven Fähigkeiten nämlich nicht in der Anagenese, sondern in der Ontogenese liegt, dann ist die Studie wohl wenig aussagekräftig.
Phi-Kappa 16.09.2017
3.
Bei Gruppengrößen von 14 und 12 und 50 bzw. 70 Prozent richtigen Zuordnungen dürfte es schwer sein, eine statistische Signifikanz festzustellen. Nichtsdestotrotz müssen Wölfe in gewissen Bereichen intelligenter sein als Hunde. In der Kommunikation mit dem Menschen hingegen sind die Köter ungeschlagen!
ttvtt 16.09.2017
4. noch schlechter als ein Hund
bin dann wohl ich beim Erkennen von Ursache und Wirkung bei diesen Versuchsaufbau. Ich habe teilweise gar nicht verstanden, wann und warum nun auf der einen Seite das Futter kam. Ich halte den Versuchsaufbau für sehr fragwürdig hinsichtlich Ursache und Wirkung und Erkennen von kausalen Zusammenhängen. Gab es nicht auch schon Versuche, die zeigten dass Hunde viel besser Gestik und Blickrichtungen erkannten als Wölfe?
Sumerer 16.09.2017
5.
Zitat von ttvttbin dann wohl ich beim Erkennen von Ursache und Wirkung bei diesen Versuchsaufbau. Ich habe teilweise gar nicht verstanden, wann und warum nun auf der einen Seite das Futter kam. Ich halte den Versuchsaufbau für sehr fragwürdig hinsichtlich Ursache und Wirkung und Erkennen von kausalen Zusammenhängen. Gab es nicht auch schon Versuche, die zeigten dass Hunde viel besser Gestik und Blickrichtungen erkannten als Wölfe?
In der leeren Dose klapperte nichts als diese bewegt wurde. Das erinnert an neurologische Intelligenztests. Die Wölfe bewiesen eine höhere Ploblemlösungsintelligenz, etwa so wie im "WIE" Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene praktiziert. Hunde verhalten sich da vergleichsweise dämlich. Dass sie richtig doof sind, leuchtet mir zum Beispiel ein.
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