Norddeutschland Wölfe haben 2017 mehr als 500 Nutztiere gerissen

Immer wieder fallen Schafe und Ziegen Wölfen zum Opfer. In Niedersachsen gab es laut einem Medienbericht 2017 besonders viele Angriffe auf Nutztiere.

Rudel Wölfe im Natur- und Umweltpark in Güstrow (Archiv)
DPA

Rudel Wölfe im Natur- und Umweltpark in Güstrow (Archiv)


Der Wolf ist zurückgekehrt nach Deutschland. Und mit der steigenden Zahl der Rudel erhöht sich auch die Zahl gerissener Nutztiere. Allein in den nördlichen Bundesländern haben die Raubtiere im vergangenen Jahr mehr als 500 Tiere getötet, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" am Dienstag.

Wie das Blatt unter Berufung auf eigene Anfragen bei den entsprechenden Flächenländern schreibt, entfiel mit 403 Tieren der größte Teil auf Niedersachsen. In Schleswig-Holstein waren es 43 und in Mecklenburg-Vorpommern 66 getötete Nutztiere.

Die Zahlen stiegen demnach im Vergleich zum Vorjahr teils deutlich an. In Niedersachsen waren 2016 nur 178 getötete Schafe, Ziegen und andere Tiere gemeldet worden, in Schleswig-Holstein 15 und in Mecklenburg-Vorpommern 48.

Im August 2017 hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet, dass seit Rückkehr der Wölfe nach Deutschland im Jahr 2000 bundesweit mehr als 3500 Nutztiere gerissen worden seien. Die meisten Fälle gab es demnach in Brandenburg (1100) und Sachsen (900). Landwirte werden bei Wolfsrissen entschädigt, falls ein Zusammenhang mit dem Wolf klar nachweisbar ist.

DER SPIEGEL

Im November 2017 waren in Deutschland 60 Wolfsrudel bekannt. Das waren 13 mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt gehen Experten von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen in Deutschland aus. Das Verbreitungsgebiet umfasst sieben Bundesländer. Die meisten Wölfe gibt es in Brandenburg und Sachsen. Aber auch in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Bayern und Niedersachsen leben wieder Wölfe.

Konflikte zwischen Landwirten und Tierschützern

Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Seit im Jahr 2000 ein Paar aus Polen zuwanderte, hat er sich nach und nach wieder angesiedelt. Das führt zu immer größeren Konflikten zwischen Mensch und Tier. Landwirte fürchten um ihr Vieh, Jäger fordern, auffällige Wölfe zum Abschuss freizugeben. Im Februar 2018 kündigten auch Union und SPD im Zuge der Verhandlungen zur großen Koalition an, aufdringliche Exemplare notfalls erschießen lassen zu wollen.

 Wolf in einem Wildpark (Archiv)
DPA

Wolf in einem Wildpark (Archiv)

Tierschützer fordern, Landwirte müssten besser dabei unterstützt werden, ihre Herden vor den Raubtieren zu schützen. Sie fordern die Einrichtung eines nationalen Herdenschutzzentrums.

Derzeit setzen Landwirte etwa Herdenschutzhunde ein, um ihr Vieh vor den Raubtieren zu schützen. Auch Versuche mit Eseln als Schutztiere gab es bereits.

Gleichzeitig sorgen sich Naturschützer um das Wohl der Wölfe. Seit ihrer Rückkehr kamen 140 Tiere durch Verkehrsunfälle ums Leben. Auch illegale Abschüsse gab es vereinzelt.

Video: Die Rückkehr der Wölfe

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jme/AFP



insgesamt 63 Beiträge
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see_baer 10.04.2018
1. Es ist nur noch eine Frage der Zeit
bis Menschen angegriffen werden? Der Wolf scheu? Der läuft in der Abenddämmerung durch Dorf ! Scheu würde er , wenn er bejagt würde.
dertorsten 10.04.2018
2. 500 getötete Nutztiere
In der Massentierhaltung kommen vermutlich jeden Tag mehr als 500 Tiere um. Soviel Schaden können die Wölfe gar nicht anrichten.
peterpeterweise 10.04.2018
3. Wollen wir auch die Malariamücke zurück?
Zur Zeit der mittelalterlichen Wolfsrudel war in Deutschland auch noch die Malaria verbreitet. Beide von den Menschen als Bedrohung empfundenen Tiere wurden aus Mitteleuropa verdrängt. Warum kämpfen die Tierschützer eigentlich nicht für die Rückkehr der Malariamücken? Weil der Wolf sie an ihren Hund erinnert, aber die Malariamücke hässlich ist? Aber falls die Tierschützer bei der Mücke die Gefahr der Wiederkehr der Malaria als Argument gelten lassen, dann sollten sie auch die Gefahr für Mensch und Vieh als Argument gegen die Rückkehr der Wölfe anerkennen.
marcaurel1957 10.04.2018
4.
Zitat von peterpeterweiseZur Zeit der mittelalterlichen Wolfsrudel war in Deutschland auch noch die Malaria verbreitet. Beide von den Menschen als Bedrohung empfundenen Tiere wurden aus Mitteleuropa verdrängt. Warum kämpfen die Tierschützer eigentlich nicht für die Rückkehr der Malariamücken? Weil der Wolf sie an ihren Hund erinnert, aber die Malariamücke hässlich ist? Aber falls die Tierschützer bei der Mücke die Gefahr der Wiederkehr der Malaria als Argument gelten lassen, dann sollten sie auch die Gefahr für Mensch und Vieh als Argument gegen die Rückkehr der Wölfe anerkennen.
Für den Menschen besteht keine relevante Gefahr durch Wölfe.....die Malariamücke ist da erheblich gefährlicher. 500 Nutztiere ist nur ein Bruchteil der Tiere, die auf Tiertransporten umkommen
wandersleben 10.04.2018
5. Wildernde hunde
Interessant fände ich als vergleichszahlen, wie viele wildtiere durch wildernde haushunde und durch kollisionen mit autos getötet werden. Und wie viel wild wird zusätzlich von wölfen gerissen. Denn als absolute zahl finde ich die zahl 500 nicht sehr aussagekräftig. Eines ist klar: Ernähren müssen sich die wölfe. Bleibt die frage, wie viele rudel in einem land wie Deutschland im einklang mit mensch und natur leben können. Das wäre mit den oben genannten werten etwas genauer zu beurteilen.
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